TCM für ein langes Leben: Wie die älteste Heillehre der Welt deine Lebenspflege ganz einfach macht
Folge #8 · mit Dr. Sandra Bürklin
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Das Wichtigste in Kürze
- TCM ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt – mit Ursprung im präventiven „Wie erhalte ich mich gesund?“-Ansatz.
- Unser Gesundheitssystem ist eher ein Krankheitssystem – es greift erst, wenn Beschwerden messbar sind. TCM kümmert sich um den Zwischenbereich davor.
- Die TCM ruht auf fünf Säulen – Akupunktur, chinesische Arzneitherapie, Diätetik, Bewegung und die Massagetechnik Tuina.
- Diagnose über Anamnese, Puls- und Zungendiagnostik – die einzelnen Organsysteme spiegeln sich in der Zunge wider.
- Longevity ist in der TCM seit rund 3000 Jahren Thema – im Sinne von „Lebenspflege“ und nicht erst seit dem aktuellen Trend.
- Drei einfache Alltagstipps – warmes Frühstück, täglich 20–30 Minuten Bewegung und Chrysanthemenblüten-Tee.
Bevor Longevity auf zellularer Ebene zum Hightech-Trend wurde, gab es ein Modell, das seit Jahrtausenden auf ein langes, gesundes Leben zielt: die traditionelle chinesische Medizin. Dr. Sandra Bürklin, Fachärztin für Neurologie und seit über 18 Jahren TCM-Ärztin, erklärt die fünf Säulen der TCM – und gibt drei Tipps, die du heute noch ausprobieren kannst.
Was unterscheidet die TCM von anderen Heillehren
Die TCM ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt und kommt ursprünglich aus dem präventiven Ansatz: Wie erhalte ich mich gesund? Später wurde sie sehr ausführlich auch zur Behandlung von Erkrankungen übertragen.
Was sie so alltagstauglich macht: Sie ist eingekoppelt in unseren Makrokosmos – in die Jahreszeiten und unsere Umgebung. Und sie bietet viele Ansätze, die einfach, plastisch und im Alltag lebbar sind. Denn Lösungen, die wirklich funktionieren, müssen einfach sein.
Warum ist unser Gesundheitssystem eigentlich ein Krankheitssystem
Unser System greift erst dann, wenn Beschwerden messbar sind – durch Laborwerte oder MRT-Befunde. Es braucht den Nachweis, dass ein System im Körper nicht mehr funktioniert. Das ist oft schon zu spät.
Gesundheit ist nach WHO ein Zustand, in dem es einem wirklich gut geht. Den Zwischenbereich – schlechter Schlaf, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, ohne dass ein System ausgefallen ist – deckt unser System zu wenig ab. Genau hier setzt die TCM mit Prävention und Lebenspflege an.
Welche fünf Säulen hat die TCM
- Akupunktur – die Behandlung mit Nadeln, bei uns am bekanntesten.
- Chinesische Arzneitherapie – die Pharmakologie, eine ärztlich-therapeutische Domäne.
- Diätetik – die Ernährungslehre: Nahrungsmittel als mildwirksame Arzneimittel.
- Bewegungslehre – etwa Qigong und Taiji, damit der Körper in Bewegung bleibt.
- Tuina – eine chinesische Massagetechnik über Akupressurpunkte, die Energien fliessen lässt.
Dieses Wissen wird zusätzlich in einer Art Ratgeber für ein langes Leben weitergegeben – dem Yang Sheng, das schon vor sehr langer Zeit viele Tipps für ein gutes und langes Leben enthielt.
Wie funktioniert die Diagnose mit Puls und Zunge
Ein gut ausgebildeter TCM-Arzt nimmt sich Zeit für ein Erstgespräch: Anamnese, Pulsdiagnostik und gegebenenfalls Zungendiagnostik. Die Idee dahinter: An der Zunge spiegeln sich die einzelnen Organsysteme des Körpers wider.
Man schaut auf Farbe, Feuchtigkeit, Belag oder kleine Pünktchen und leitet daraus ab, wo die Organsysteme stehen. Die Pulsdiagnostik ist diffiziler und braucht mehr Erfahrung – sie ist gewissermassen der Check, ob das Geschilderte vollständig ist oder ob noch etwas dahintersteckt.
Wie hängen Körper und Geist in der TCM zusammen
In der TCM gab es ursprünglich keine Spaltung in Körper und Geist – das war eins. Ein Körper funktioniert nicht, wenn der Geist nicht ruhig ist. Viele Organsysteme tragen sogar eine Emotion in sich: Die Leber etwa ist zuständig, wenn man wütend wird.
Beim Achtsamkeitstrend ist Dr. Bürklin differenziert: Die Grundidee, Dinge achtsam zu tun, findet sie grossartig. Das extreme Zentrieren auf die eigene Person dagegen passt nicht zur chinesischen Idee – denn der wichtigste Faktor für ein glückliches Leben sind unsere sozialen Beziehungen.
Welche drei TCM-Tipps kann ich sofort umsetzen
- Warmes Frühstück – stärkt am Morgen das Organsystem und gibt Energie für den Tag. Einfach mal vier Wochen ausprobieren.
- Regelmässige Bewegung – nicht einmal die Woche zwei Stunden, sondern jeden Tag 20 bis 30 Minuten, und dabei flexibel bleiben.
- Chrysanthemenblüten-Tee – hilft gegen Angespanntheit, Nervosität und Ärger.
Ist gar kein warmes Essen drin? Dann ist ein warmes Glas Wasser auch schon gut – aber als erster Step in Richtung warmes Frühstück gedacht.
Wichtig: Die TCM ersetzt keine schulmedizinische Abklärung. Bei ernsthaften oder anhaltenden Beschwerden gehört zuerst die ärztliche Diagnose. Achte bei der Wahl eines TCM-Arztes darauf, wo und wie lange er ausgebildet wurde – „überquellende“ Zusatz-Schilder sind kein Qualitätsmerkmal.
Der 100+ Expertentipp
Auf Nicolas Frage nach den Tipps für den Alltag nennt Dr. Bürklin ihren persönlichen Gamechanger:
„Eins meiner Highlights und mein Gamechanger in meinem Leben war ein warmes Frühstück. Das ist tatsächlich was, was ich jedem unbedingt mal raten würde auszuprobieren – weil wir in der Früh unser Organsystem richtig gut stärken können und ganz viel Energie für den Tag mitnehmen.“

Nicolas Selbsttest
Lebenspflege – ist das nicht ein wunderbarer Begriff? Da können Langlebigkeit und Longevity echt dagegen abkacken. Es geht um die Pflege unseres Lebens.
Als Tee-Tante ging mir bei den Top 3 natürlich der Chrysanthementee auf. Ich liebe diesen Tee wirklich, vom Duft her süsslich-moschusartig – und er kühlt runter, sodass man klarer und fokussierter durch den Tag kommt. Bei der Bewegung: Ich nehme keine Rolltreppe und keinen Aufzug, gehe alle Treppen zu Fuss und radle viel, weil ich kein Auto mehr habe.
Und das warme Frühstück: Auf meiner Asienreise habe ich die Suppen auf der Straße entdeckt – und gemerkt, wie viel kraftvoller ich durch den Tag kam. Heute koche ich mir mit Knochen vom Metzger und etwas Gemüse einen grossen Topf Brühe für die Woche vor. Das Wärmende am Morgen ist ein ganz anderes Gefühl für den ganzen Tag.
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Starte morgen mit einem warmen Frühstück – oder zumindest mit einem warmen Glas Wasser als ersten Step.
Bau täglich 20–30 Minuten Bewegung in deinen Alltag ein, indem du Treppen statt Aufzug nimmst und Wege zu Fuss oder mit dem Rad erledigst – und probier dazu Chrysanthementee.
Geh die TCM ganzheitlich an: Such dir einen gut ausgebildeten TCM-Arzt für Anamnese, Puls- und Zungendiagnostik und integriere die fünf Säulen als Lebenspflege.
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Häufige Fragen
Was ist traditionelle chinesische Medizin (TCM)?
Die TCM ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt und entstand aus der Frage, wie man sich gesund erhält. Sie ruht auf fünf Säulen: Akupunktur, chinesische Arzneitherapie, Ernährungslehre, Bewegung und der Massagetechnik Tuina. Ihr Fokus liegt stark auf Prävention und Lebenspflege.
Was sind die fünf Säulen der TCM?
Die fünf Säulen sind Akupunktur (Behandlung mit Nadeln), chinesische Arzneitherapie (Pharmakologie), Diätetik (Ernährungslehre), Bewegungslehre (etwa Qigong und Taiji) und Tuina (eine Massagetechnik über Akupressurpunkte). Alle gelten als gleichwertig und decken ein grosses Spektrum ab.
Was kann man an der Zunge in der TCM erkennen?
In der TCM spiegeln sich die einzelnen Organsysteme des Körpers an der Zunge wider. Der Arzt schaut auf Farbe, Feuchtigkeit, Belag und kleine Pünktchen und leitet daraus ab, wie die Organsysteme stehen. Zusammen mit der Pulsdiagnostik dient das als Check, ob noch etwas hinter den geschilderten Beschwerden steckt.
Welche TCM-Tipps kann ich im Alltag umsetzen?
Drei einfache Tipps: ein warmes Frühstück, um das Organsystem am Morgen zu stärken; täglich 20 bis 30 Minuten Bewegung statt einmal pro Woche viel; und Chrysanthemenblüten-Tee gegen Angespanntheit und Nervosität. Wer kein warmes Essen schafft, kann mit einem warmen Glas Wasser starten.
Ist TCM dasselbe wie Longevity?
Im Grunde verfolgt die TCM seit rund 3000 Jahren ein Longevity-Ziel – allerdings im Sinne von Lebenspflege. Es geht nicht nur darum, möglichst alt zu werden, sondern wie gut es einem zwischen 60 und 90 geht. Viele moderne Erkenntnisse, etwa zum Schlaf, bestätigen, was die TCM seit Langem sagt.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:
