Planetary Health Diet: Wie der Speiseplan der Zukunft uns und den Planeten gesünder macht
Folge #7 · mit Nikola
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Planetary Health Diet wurde 2019 von 37 Wissenschaftler:innen aus 16 Ländern (EAT-Lancet-Kommission) erarbeitet – als Antwort darauf, wie sich 10 Milliarden Menschen 2050 gesund und innerhalb der planetaren Grenzen ernähren lassen.
- Auf dem Teller gilt: mindestens die Hälfte Gemüse und Obst (vor allem Gemüse), dazu Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und gesunde Fette – Fleisch, Zucker und Getreide deutlich reduziert.
- Konkret heisst das: Gemüse und Hülsenfrüchte verdoppeln, Fleisch und Zucker etwa halbieren.
- Neue Technologien wie Pilz-Mycel, Präzisionsfermentation und Bioreaktoren sollen Genussmittel wie Käse, Schokolade und Kaffee auch dann sichern, wenn Rohstoffe knapp werden.
- Insekten sind in Europa als Novel Food zugelassen (vier Arten) und liefern Protein, Fett, Vitamine und Mineralstoffe auf sehr wenig Fläche – im Mehl verarbeitet schmeckt man sie nicht.
- Rund 80 % der Felder in Europa haben schlechte Böden – gesunder Boden bedeutet nährstoffreiche Lebensmittel und ist eng mit unserem eigenen Mikrobiom verknüpft.
Über 10 Lebensjahre kann uns eine achtsame Ernährung schenken – doch was, wenn die Zutaten für die mediterrane Küche knapp werden? Nicola spricht mit der Ernährungsexpertin Nikola über die Planetary Health Diet und den Speiseplan der Zukunft: über Fleischalternativen aus Pilz-Mycel, Schokolade aus dem Bioreaktor und Insekten-Mehl im Brot. Die gute Nachricht: Es geht nicht um Verzicht, sondern um clevere Alternativen, die uns und dem Planeten guttun.
Was ist die Planetary Health Diet
Die Planetary Health Diet (planetare Gesundheitsernährung) wurde 2019 von der EAT-Lancet-Kommission veröffentlicht – 37 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 16 Ländern. Sie ist das Update der alten Ernährungspyramide, die wir noch aus der Schule kennen und die heute nicht mehr aktuell ist.
Die zentrale Frage dahinter: Wie können wir 2050 rund 10 Milliarden Menschen ernähren, dabei gesund bleiben und gleichzeitig die planetaren Grenzen einhalten? Es ist ein gesamtheitlicher Versuch, beides zusammenzudenken – die Gesundheit des Menschen und die des Planeten.
Wie sieht der Teller der Planetary Health Diet konkret aus
Statt einer Pyramide steht ein Teller, aufgeteilt in Segmente. So setzt er sich zusammen:
- Mindestens die Hälfte Gemüse und Obst – vor allem Gemüse.
- Hülsenfrüchte als grosses Thema.
- Nüsse und Samen.
- Gesunde Fette wie Nüsse und Olivenöl.
- Fleisch, Milchprodukte und Fisch nur in kleinem Rahmen – etwa einmal die Woche Fleisch.
Praktisch bedeutet das: Gemüse und Hülsenfrüchte verdoppeln, Fleisch und Zucker etwa halbieren. Wichtig dabei: Regional ist nicht automatisch nachhaltig – man muss genau hinschauen, etwa bei der Forelle, wie sie gehalten und gefüttert wurde.
Warum müssen wir überhaupt neue Zutaten finden
Viele beliebte Zutaten werden knapp. Olivenöl wird weniger, weil die Bäume mit Bakterien zu kämpfen haben. Kaffee und Kakao leiden unter dem Klimawandel in den tropischen Anbauregionen – die Preise für Schokolade und Kaffee haben sich teils mehr als verdoppelt.
Hier setzt Technologie an: resilientere Pflanzen über CRISPR-Cas, Kaffee und Schokolade aus dem Bioreaktor oder pflanzlicher Käse über Präzisionsfermentation, bei der etwa aus Pflanzen Kasein gewonnen wird. Das Ziel ist, die Wertschöpfungskette und damit den Genuss langfristig abzusichern – auch für 10 Milliarden Menschen.
Wie gut sind Fleischalternativen wirklich
Fleischalternativen haben laut Expertin noch nicht das letzte Wort gesprochen. Das nächste Level sind Whole Cuts wie Steak und Braten sowie Pilz-Mycel als Basis. Ziel der Branche ist mehr Clean Label – also weniger Zusätze und Chemie.
Ein oft übersehener Vorteil: Viele Fleischalternativen enthalten Ballaststoffe, die echtes Fleisch nicht hat. Bei gleichem Geschmack wäre das ein zusätzlicher gesundheitlicher Bonus. Alle Alternativen müssen klar als vegan deklariert sein – die Konsumentin wird nie hinters Licht geführt.
Sind Insekten als Nahrungsmittel sinnvoll
In Europa sind aktuell vier Insektenarten als Novel Food zugelassen und müssen klar deklariert werden. Insekten liefern Fett, Proteine, Vitamine und Mineralstoffe und sind von der FAO als gesunde Nahrungsquelle gelistet.
Der grosse Vorteil: Sie brauchen extrem wenig Platz, können Nebenströme und sogar Biomüll als Futter verwerten und sie in Protein umwandeln. Im Mehl verarbeitet – etwa in Pizzaboden oder Brot – merkt man sie geschmacklich nicht. Eine Alternative ist auch, Insektenmehl als Tierfutter einzusetzen und so Soja-Importe aus Brasilien zu reduzieren.
Was hat der Boden mit gesunder Ernährung zu tun
Unsere Ernährung ist nur so gut wie unser Boden. Rund 80 % der Felder in Europa haben schlechte Böden – entsprechend nährstoffarm sind viele Lebensmittel. Bodengesundheit ist deshalb ein grosser Trend.
Es gilt das Bild: Ist das Mikrobiom im Boden gesund, sind die Nährstoffe in den Lebensmitteln gut – und damit auch unser eigenes Mikrobiom, der leuchtende Nordstern für Langlebigkeit. Vielfalt im Anbau (etwa Soja oder Erbsen, die Stickstoff binden) macht den Boden resilienter und gibt Nährstoffe zurück in den Kreislauf.
Bedeutet die Planetary Health Diet Verzicht
Nein. Es geht nie um kompletten Verzicht, sondern um Reduktion und um gute Alternativen, die nahe an den gewohnten Geschmack herankommen. So fällt der Umstieg leicht, ohne die Umweltauswirkungen und ohne auf Genuss zu verzichten.
Der gesundheitliche Effekt ist gross: Laut EAT-Lancet-Papier lassen sich Lebensstilerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs abfangen. Es geht nicht nur darum, länger zu leben, sondern länger gesund zu leben.
Der 100+ Expertentipp
Auf die Frage, ob die Planetary Health Diet wirklich eine gute Nachricht für uns Verbraucher:innen ist, antwortet Nikola:
„Es geht nie um den kompletten Verzicht. Es geht einfach um diese Reduktion – die Gemüsekonsumation und Hülsenfrüchte verdoppeln und die Hälfte reduzieren von Fleisch und Zucker. Die Idee ist, Leuten den Umstieg zu erleichtern, diese Umweltauswirkungen nicht zu haben und trotzdem den gleichen Genuss zu haben.“
Nicolas Selbsttest
Mich beruhigt es ungemein, dass es schon so viele tolle Initiativen und konkrete Umsetzungen gibt, dass wir gar nicht auf Genuss verzichten müssen – sondern einfach in unserem Kopf umdenken, weil sich die Rohstoffe ändern werden.
Das Insektenthema fand ich erst nicht so toll, aber das mit dem Mehl leuchtet mir ein. Wenn ich es demnächst auf einem Produkt lese, werde ich es probieren – im Mehl, was macht das schon für einen Unterschied? Und ich gebe zu: Ich bin Freundin der Gänsestopfleber-Pastete. Dass ein französisches Start-up gerade an einer tierfreundlichen Alternative arbeitet, freut mich – die würde ich sofort ausprobieren.
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Verdoppele bei deiner nächsten Mahlzeit den Gemüse- und Hülsenfrüchte-Anteil und mache mindestens die Hälfte deines Tellers pflanzlich.
Tausche bei ein bis zwei Mahlzeiten pro Woche Fleisch gegen eine ballaststoffreiche Fleischalternative und probiere fermentierte Produkte wie Soja-Joghurt oder fermentierten Tofu.
Probiere bewusst neue Zutaten wie Insekten-Mehl im Brot aus und achte beim Einkauf darauf, wie und wo deine Lebensmittel angebaut und gehalten wurden.
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Häufige Fragen
Was ist die Planetary Health Diet einfach erklärt?
Die Planetary Health Diet ist ein Ernährungskonzept der EAT-Lancet-Kommission von 2019, erarbeitet von 37 Wissenschaftler:innen aus 16 Ländern. Auf dem Teller liegt mindestens die Hälfte Gemüse und Obst, dazu Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und gesunde Fette. Fleisch, Zucker und Getreide werden deutlich reduziert. Ziel ist, 10 Milliarden Menschen bis 2050 gesund und innerhalb der planetaren Grenzen zu ernähren.
Sind Fleischalternativen gesünder als Fleisch?
Viele Fleischalternativen enthalten Ballaststoffe, die echtes Fleisch nicht hat – das ist ein gesundheitlicher Pluspunkt. Die Branche arbeitet zudem an mehr Clean Label, also weniger Zusatzstoffen. Bei vergleichbarem Geschmack bieten sie damit einen zusätzlichen Nutzen und erleichtern den Umstieg, ohne auf Genuss zu verzichten.
Sind Insekten als Lebensmittel in Europa erlaubt?
Ja, in Europa sind aktuell vier Insektenarten als Novel Food zugelassen. Sie müssen immer klar deklariert werden. Insekten liefern Protein, Fett, Vitamine und Mineralstoffe und gelten laut FAO als gesunde Nahrungsquelle. Im Mehl verarbeitet, etwa in Brot oder Pizzaboden, schmeckt man sie nicht.
Warum werden Kaffee, Schokolade und Olivenöl knapp?
Der Klimawandel trifft die Anbauregionen hart: Schlechte Ernten und Unwetter verringern die Mengen an Kakao und Kaffee, die Preise haben sich teils mehr als verdoppelt. Olivenbäume kämpfen zunehmend mit Bakterien. Deshalb wird an Alternativen geforscht – etwa resilienteren Pflanzen über CRISPR-Cas oder Produkten aus dem Bioreaktor.
Was bedeutet Bodengesundheit für meine Ernährung?
Unsere Lebensmittel sind nur so nährstoffreich wie der Boden, auf dem sie wachsen. Rund 80 % der Felder in Europa haben schlechte Böden, entsprechend nährstoffarm sind die Erträge. Ein gesundes Mikrobiom im Boden bedeutet gute Nährstoffe in den Lebensmitteln und unterstützt damit auch unser eigenes Mikrobiom – ein zentraler Faktor für Langlebigkeit.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:

