Biodiversität und Langlebigkeit: Warum deine Gesundheit von der Vielfalt der Natur abhängt
Folge #14 · mit Dr. Frauke Fischer
Das Video läuft mit Untertiteln.
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Das Wichtigste in Kürze
- Unsere Gesundheit ist absolut abhängig von den Leistungen der Natur: jeder Schluck Wasser, jeder Atemzug, alles, was wir essen.
- Statistisch zerstört jeder Deutsche pro Jahr 40 Quadratmeter Regenwald durch den Konsum billiger Schokolade – Kakao gehört zu den Top 5 der Rohstoffe, die Tropenwälder vernichten.
- Im Agroforst-System ist der Kakao-Ertrag höher als in Monokultur – auch weil Kakao schattig und feucht wachsen will und auf besondere Mücken als Bestäuber angewiesen ist.
- Honigbienen können eine Kakaoblüte nicht bestäuben – Bestäubung leisten auch Fliegen, Mücken, Schmetterlinge, Fledermäuse, Vögel, sogar Fische.
- Wasser kommt nicht aus dem Wasserhahn, sondern aus Ökosystemen: Wälder filtern und verteilen es weltweit – zerstören wir sie, fehlt das Wasser.
- Faustregel beim Einkauf: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser das Produkt – und möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel.
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Das vollständige Transkript der Folge — zum Mitlesen, Nachschlagen und Zitieren.
Transkript anzeigen
Nicola00:01
Hallo und herzlich willkommen beim Podcast zu Langlebigkeit. Unserem gemeinsamen Weg, möglichst tolle Jahre zu verbringen und möglichst 100 plus Jahre zu erleben. Und in dieser Folge, da spannen wir einen ziemlich weiten Bogen. Vielleicht ist es sogar ein Kreislauf. Wir gucken mal. Denn mit meinem ersten Experten, da bespreche ich, wie wir eigentlich das, was wir verdauen, möglichst schmerzfrei hintenrum wieder los werden. Und ich kann euch schon eins verraten, dieses typische ganz falsch, das hat auf dem stillen Örtchen überhaupt nichts zu suchen. Mit der zweiten Expertin, da geht es darum, wie wir das, was wir zum Verdauen zu uns nehmen über unsere Nahrung eigentlich auch noch langfristig vom Mutterplanet auch zur Verfügung gestellt bekommen.
Da geht es ⁓ die Biodiversität unserer Nahrung, die der Planet, die die Natur uns zur Verfügung stellt und die möglichst auch die Vielfalt unserer Bakterien im Mikrobiom sicherstellt. Zum Start aber, ja, hören wir mal rein bei dem Mr. Doktor FeelGood mit einem Arsch voll Wissen.
Nicola01:24
Ja, hallo Professor Alldinger. Wir sitzen gar nicht so weit voneinander entfernt, beide in Düsseldorf. ja, es geht schon den Abend zu. Insofern, Sie legen noch mal eine extra Meile ein, damit wir uns unterhalten können zum Thema Proktologie.
Ingo01:27
Hallo schönen guten Abend!
Ja, gerne.
Nicola01:45
dem Ende des Darms und das, was dann als Stuhlgang aus dem Körper von uns ausgeschieden wird, das ist ihr Fachgebiet als niedergelassener Proktologe hier in Düsseldorf. ja, bevor wir zu den kleinen Geschichten kommen rund um den Stuhlgang und all dem, was sie ja auch seit einiger Zeit in einem eigenen Podcast auch erzählen.
Ingo01:55
geht.
Nicola02:13
und uns näher bringen zu einem Thema, wo ja doch der eine oder andere vielleicht so bisschen Berührungsängste hat, auch darüber zu sprechen. Aber zuhören kann man ja sozusagen im Geheimen, ohne sich zeigen zu müssen. Mich interessieren natürlich diese ganzen Geschichten zu diesem täglichen Gang zur Toilette. Und ich frage mich schon seit einiger Zeit, ist unser Stuhlgang eigentlich nicht so eine Art täglicher Gesundheitscoach auch für uns selbst, der uns so bisschen aufzeigt?
wie wir vielleicht besser leben könnten, unseren Alltag gestalten und dann vielleicht sogar auch noch länger zu leben, weil ja alles sich um das Thema Gesundheit dreht. Aber bevor ich Sie danach in Geschichten frage, eine persönliche Geschichte zu Ihnen, die mich interessiert. Wie kommt man zu dem Thema Proktologie als Medizinstudent oder war es erst später? Erzählen Sie mal.
Ingo03:05
Also es ist eine Frage, die ich tatsächlich häufiger gestellt bekomme, weil wenn ich die Menschen kennenlerne, denken die, der ist ja doch eigentlich ganz nett, wieso ist der Proktologe geworden? Und es studiert ja auch tatsächlich niemand Medizin, weil er gerne Proktologe werden möchte. Proktologen haben in der Regel eine Ausbildung als Chirurg und die
Nicola03:25
Ja.
Ingo03:31
erleben dann im Laufe ihrer chirurgischen Ausbildung einen Bruch, weil man wird ja nicht Chirurg, weil man so gerne Sprechstunde macht den ganzen Tag, sondern man möchte operieren. Und warum ein Proktologe dann nicht nur rausgeht aus dem OP, sondern sogar sich niederlässt in der Praxis, das geschieht natürlich selten geplant, sondern da gibt es einen Wind oder einen Sturm, der einen da hinweht. Meistens ist es ein kleiner Zufall bei mir war es so, dass mein Chef damals an der Uni Heidelberg, der Prof. Büchler, mit mir mal im Fahrstuhl stand und sagt, ach, Alldinger, da fällt mir ein, unser Proktologe geht auch nächstes Jahr in Rente, wäre das nichts für Sie. Und da sagt man natürlich als junger, wäre es gerne ja selbstverständlich, Herr Professor, ich kümmere mich darum.
Nicola04:01
Mhm. Mhm.
Ingo04:23
Und so habe ich dann angefangen, mich mit Proktologie zu beschäftigen. Ich hatte davon genauso viel Ahnung wie jeder andere Arzt, der nicht in diesem Fachbereich arbeitet, also gar keine Ahnung. Und hatte ja auch die Vorstellung, ja gut, da geht es Hämorrhoiden und da schreibt man Salben auf und irgendwie wird es schon gehen. Aber wie faszinierend das ganze Gebiet ist, das ist wie in vielen Fachbereichen, das lernt man natürlich erst, wenn man das dann auch mal eine Zeit lang macht.
wenn man dann anfängt, die Feinheiten zu sehen und wenn man dann auch mal hinter die Oberfläche guckt. Und plötzlich wird das Ganze total spannend. Und bei mir war es so, dass mir dann meine Ausbildung als Proktologe auch tatsächlich geholfen hat, mich niederzulassen. Hab mich dann gegen die Chefarztposition entschieden und bin in die Niederlassung gegangen und bin da jetzt, zehn Jahre mache ich das jetzt hier, schon sehr, froh, dass das geklappt hat, weil die Bedingungen in den Kliniken nicht besser.
Nicola05:03
Mhm. Mhm.
Mhm. Mhm.
Ingo05:19
Durch die Krankenhausreform werden auch die Arbeitsbedingungen für die Ärzte nicht leichter, auch für die Chefärzte nicht. Und da bin ich sehr froh, dass ich in der Praxis bin und ich bin tatsächlich sehr froh, dass ich so ein spannendes Feld gefunden habe.
Nicola05:25
Ja, ja, dann gehen wir mal direkt rein in dieses spannende Feld unseres täglichen Stuhlgangs. Gehe ich recht in der Annahme, dass die Menschen erst zu Ihnen kommen, wenn sie ein Problem spüren?
Ingo05:38
Ja.
Wir sind zu dritt hier in der Praxis und wir sind alles drei sogenannte Choloproktologen. Also wir kümmern uns ⁓ Proktologie, also den Enddarm, aber auch das Cholon, den Dickdarm. Und wir machen zum Beispiel auch Darmspiegelungen viele. Und wir haben drei Gruppen von Patienten, die zu uns kommen. Wir haben Patienten, die zur Vorsorge-Darmspiegelung kommen, die sagen, ich habe nichts, aber meine Frau hat gesagt, ich muss jetzt mal eine Vorsorge machen.
Nicola06:07
Mmh.
Ja.
Ingo06:15
Und dann kommen die ganz schuldbewusst und machen einen Termin für die Darmspiegelung. Oder es sind Patienten, die Verdauungsbeschwerden haben und sagen, ich habe immer Blähungen oder ich habe Verstopfungen und ich muss mal eine Darmspiegelung machen. Und wir haben die Patienten, die konkret Beschwerden im Enddarmbereich haben. Die kommen alle und sagen, ich habe Hämorrhoiden. Das ist immer lustig, weil egal was, Hämorrhoiden sind nie die Ursache.
Nicola06:20
Okay.
Ingo06:43
Die Menschen draußen glauben ja, wenn hintenrum was wehtut, dann haben sich Hämorrhoiden gebildet und dann muss man die wegmachen, wegspritzen oder veröden oder eine Salbe nehmen und dann ist alles wieder weg. Das ist die Erwartungshaltung, mit der die Patienten kommen. Und die Gruppen sind tatsächlich relativ gleich verteilt. Also wir haben schon etwa die Hälfte aller Patienten,
Nicola06:54
Und dann ist alles wieder gut.
Mhm.
Ingo07:07
proktologische Beschwerden haben, also Schmerzen, Blut im Stuhl, Juckreiz sehr viel auch und dann auch sehr, sehr viele Patienten von der restlichen Hälfte sind es sicherlich zwei Drittel, die Beschwerden mit Verdauung haben. Im weitesten Sinne geht es da ⁓ Patienten, die unter die Kategorie in Anführungszeichen Reizdarm fallen, also
Nicola07:13
Mhm. Mhm. Ja.
Ingo07:33
häufig Durchfall, man weiß nicht warum, oder Verstopfungen, oder Blähungen, Bauchschmerzen. Und das ist eine große Gruppe an Patienten und viele von denen, die sind auch relativ verzweifelt, weil die schon bei vielen anderen Ärzten waren und häufig einfach keine gute Beratung bekommen. Es gibt geschätzt 11 Millionen Reizdarmpatienten in Deutschland und es gibt keinen Arzt, der sich gut kümmert die.
Nicola07:57
Ja, ja.
Ingo08:00
sind, nicht so leicht fassbare Beschwerden haben. Es ist immer einfach, wenn man als Unfallchirurg arbeitet, Patient fällt vom Fahrrad, der Arm tut weh, man macht ein Röntgenbild, Arm ist gebrochen, sowas ist einfach. Dann macht man eine Operation oder ein Gips und dann wird alles gut. Wir haben eben viele Patienten, bei denen die Beschwerden nicht so leicht erkennbar sind. Man kann nicht eine schnelle Untersuchung machen, herauszufinden, warum ein Patient Verdauungssbeschwerden hat oder viele Blähungen, kommt. Da gibt es keine schnelle Lösung, sondern es
Nicola08:04
Ja.
Ingo08:30
Es sind immer sehr individuelle Probleme oder Ursachen, dazu führen. Das kann an der Dameerkrankung liegen, liegt sehr viel häufiger an der Ernährung und liegt noch häufiger an Stress, psychischen Belastungssituationen, die auch immer eine sehr große Rolle spielen bei diesen Patienten. Immer in einer anderen Gewichtung, aber es ist immer ein Faktor. Und das ist natürlich dann unsere Aufgabe.
Nicola08:35
Ja.
Ingo08:55
rauszufinden, was ist nun konkret das Problem dieses individuellen Menschen, eben nicht eine Standardtherapie zu machen für alle. Also es werden nicht alle Patienten, die die Schmerzen am Anus haben, gleich verödet, egal was die haben. Es gibt leider Proktologen die sowas machen. Und es werden auch nicht alle Patienten über einen Kamm geschoren, die jetzt Verdauungsbeschwerden haben, weil das schon sehr, sehr individuelle Geschichten sind, die dahinterstecken, auch wenn die Die Symptome, die Beschwerden, die sich dann äußern, häufig sehr ähnlich sind. Aber Menschen sind nun mal verschieden und da ist schon auch sehr viel Psychologie dann im Spiel.
Nicola09:31
Dann schauen wir doch mal, was Sie uns mit an die Hand geben können, dass wir sozusagen auch so täglich mal selbst auf unseren Stuhlgang gucken können oder versuchen da Signale zu erkennen, zu erspüren, die uns was erzählen wollen. Sie haben schon gesagt, das Thema Ernährung, Thema Bewegung, das Thema Stress, Druck, Situation, also alles was so ein bisschen das seelische.
auch betrifft. Vielleicht fangen wir bei dem, ich sag's jetzt einfach mal so, einfachsten an. Klar, es gibt Unverträglichkeiten, die klammern wir jetzt einfach mal aus, so Laktose und Gluten und was es da alles gibt. Aber wenn Sie draufgucken, sagen Mensch, das ist Ernährung. Ist es dann so, dass Sie klar erkennen können, da ist jemand, der eher so in die Fast-Food-Richtung sich ernährt und weniger in die so gelobte Mediterrane oder pflanzenbasierte Kost. können Sie das relativ klar erkennen.
Ingo10:27
Ja, man kann es häufig erkennen, aber das ist natürlich auch ein sehr wichtiges Thema im Gespräch. Weil die Patienten, wie Sie richtig gesagt haben, kommen ja meistens, weil sie Beschwerden haben, wenn sie nicht nur zur Vorsorge kommen. Und dann habe ich tatsächlich viele Patienten mit Stuhlgangsbeschwerden, die zum Beispiel, also mehrfach auch heute wieder, Patienten sagen, ja, ich habe immer auch Schmerzen beim Stuhlgang. Und dann sehe ich bei der Untersuchung, dass die Patienten viel pressen beim Stuhlgang. Da frage ich ja,
Nicola10:33
Mhm.
Mhm.
Ingo10:57
pressen sie immer viel beim Stuhlgang. Ja, Aber den Zusammenhang, dass durch das viele pressen vielleicht auch Schmerzen und Beschwerden entstehen, sehen die gar nicht. Und die denken, ist halt so, dass ich harten Stuhlgang habe. Oder noch schlimmer, ich habe Patienten, die sagen, ja, ich habe immer harten Stuhlgang. Da sage ich ja, wie essen sie denn, trinken sie denn genug? Ja, das Trinken ist mein Problem, Herr Doktor. Da denke ich, ja, muss ich da zum Arzt gehen? Und wenn mein Stuhlgang hart ist, dass ich sage, einfach ...
Nicola11:05
Ja.
Ingo11:25
Ich trinke mal mehr und gucke, was passiert. Das schaffen viele Menschen nicht. Das schaffen viele Menschen nicht. Und deswegen ist der Stuhlgang leider kein Gesundheitscoach. Das wäre schön, wenn das so wäre. Der Stuhlgang ist aber ein guter Gesundheitsindikator. Wer einmal am Tag geformten Stuhlgang hat, ohne dass er pressen muss, ohne dass er lange sitzen muss auf der Toilette, da läuft nicht viel falsch mit der Verdauung. Dann ist alles in Ordnung. Da muss ich nicht weiter gucken. Und es gibt Menschen,
Nicola11:26
Das wäre das Einfachste.
Ja.
Ingo11:55
Jugendliche, die werden groß von Hamburger, Pizza und Cola und essen nichts anderes und denen geht es blendend damit. Dann ist es keine gesunde Ernährung, aber die kommen natürlich nicht zu mir und die essen auch keinen Rosenkohl, weil finden die eklig. Die leben dann ungesund, aber das Zugang funktioniert und irgendwann ändert sich das auch mal. Diese Hamburger Pizza Phase ist dann irgendwann bei den meisten Menschen auch mal vorbei. Aber es gibt eben nicht die Ernährung, die für jeden Menschen zwingend ist. Es gibt kein Dogma.
Nicola12:04
Mhm. Mhm.
Ingo12:26
Natürlich ist die Regel sehr klar und eindeutig. Das ist ja banal. Viel trinken ist wichtig, viel Ballaststoffe ist wichtig, besser pflanzenbasiert als tierische Proteine, viel Bewegung ist wichtig. Das ist banal und einfach. Aber das setzen die Menschen halt nicht ⁓ Die trinken zu wenig, die essen zu wenig Ballaststoffe, weil denen nun mal das Weißbrot besser schmeckt als das Vollkornbrot, weil sie nun mal nicht so gerne Gemüse essen, sondern lieber
Nicola12:33
Ja, zwei.
Ja, ja.
Ingo12:54
lieber Ballaststoffarme Kost weil sie nicht gern pflanzenbasiert essen, sondern doch lieber grillen am Wochenende oder am liebsten jeden Tag Fleisch essen. Das ist halt so. Und dann kann man die Augen verdrehen, aber das sind nun mal die Fakten. Die Menschen kommen und die wissen erstaunlich häufig nicht. Was sind eigentlich Ballaststoffe? Was ist denn überhaupt gesunde Ernährung? Aha, viel trinken, viel Ballaststoffe. Ja, dann probiere ich das mal. Wir denken immer, die wir uns damit beschäftigen, das sollte Basiswissen sein.
Nicola13:00
Ja.
Ingo13:23
Sollte es auch, ist es aber nicht. Die Menschen wissen häufig tatsächlich nicht, was gut wäre für ihren Körper.
Dann darf man natürlich auch nicht vergessen, dass Ernährung ja nicht nur vernünftige Nahrungsaufnahme ist, den Stoffwechsel zu ermöglichen, sondern Ernährung ist ja Identität, ist Genuss. Und Menschen trinken Alkohol, obwohl sie wissen, dass es nicht gesund ist. Menschen essen fettreich, weil es halt einfach super schön schmeckt und ein gutes Gefühl gibt. Die nehmen halt...
Nicola13:30
Mmh.
Ingo13:52
Drei Löffel Zucker in Tee, weil es halt einfach besser schmeckt als ohne Zucker. Und da kann ich natürlich dann mich auf hohe Ross setzen und sagen, ja sie machen alles falsch, ernähren sich gesund, dann wird alles gut. Aber so komme ich natürlich nicht an bei Patienten. Man muss natürlich schon den Patienten, auch wenn es ein alter Spruch ist, ist er immer noch richtig, man muss ja auf der Sprachebene des Patienten sprechen, den da abholen wollen.
Nicola14:18
Ja.
Ingo14:21
Dann geht es nicht darum, jemanden, von Tiefkühlpizza und Hamburger und Cola lebt, der 1,5 Liter Flasche, da geht es nicht darum, die Feinheiten der pflanzbasierten Vollwertkost zu erklären. Das geht einfach nicht. Da geht es darum, darüber einmal zu sprechen und zu sagen, es gibt einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Stuhlgang und ihr Darm signalisiert, irgendwas ist da nicht ganz in Ordnung, es wäre gut, würden mehr Ballaststoff essen.
Probieren Sie mal in die Richtung, in die Richtung und da mal einen Schritt zu gehen. Kann schon sehr sehr hilfreich sein.
Nicola14:55
Ist es denn?
Ist es?
Ingo15:00
In der Regel sehe ich die Patienten nach einigen Monaten dann ja auch wieder und dann weiß dann, okay, hilft das, geht es in die richtige Richtung oder wollten die Patienten nur hören, ich habe keinen Krebs und mache dann weiter, wie sie es gewohnt sind. Und das ist nicht meine Entscheidung. Jeder darf ein ungesundes Leben führen. Das ist ein freies Land. sage dann immer, ist nicht Nord Korea. Es ist Ihre Entscheidung, wie Sie leben möchten. Und wenn Sie ungesund leben möchten, machen Sie mich nicht unglücklich. Das ist Entscheidung.
Nicola15:03
Ja.
Ja.
Jetzt nehmen wir mal einen Patient, der zu Ihnen kommt und sagt, ich bin veränderungswillig, auch wenn ich nicht alles direkt umstöpseln würde. Kann man denn sagen, ob Zucker schlimmer ist als zu viele ungesättigte Fette, also die schlechten Fette? Also gibt es da einen Unterschied, dass Sie sagen, also wenn Sie schon mal auf Zucker verzichten können, wäre schon mal ein Riesenpunkt oder eher aus Fett?
Ingo15:36
Ja.
Also Verzicht ist ein Wort, was ganz schlecht ist in der Praxis. Weil da fühlen sich die Patienten sofort in die Opferrolle gedrängt und ich muss jetzt. Es ist ja immer besser, wenn man ein positives Ziel hat, auf das man zuarbeitet und nicht sagt, ich darf nichts mehr essen oder ich muss Sport machen. Das ist ja kein Ansatz, das wird nicht funktionieren. Man muss natürlich positive Ziele definieren.
Nicola16:08
Mhm.
Mhm. Mhm.
Ingo16:19
Wenn man das Ziel hat, dass die Badehose wieder passt von vor fünf Jahren im Sommerurlaub, dann ist es vielleicht doch nicht so schlimm, wenn man mal Sport macht, sondern man hat ja ein Ziel, auf das man zuarbeitet. Man bekommt ja eine Belohnung dafür. Aber Verzicht ist immer ein ganz schlechter Ansatz. Und es gibt kein Ranking, ob gesättigte Fettsäuren schlechter sind als Zucker. Es ist beides schlecht, natürlich. Und natürlich haben wir es da schwer, weil die
Nicola16:27
Okay.
Ingo16:46
Die Menschen keine Ausbildung bekommen, es gibt kein Schulfach gesunde Ernährung und wenn es die Kinder mal hören in der Schule, dann sagen die Eltern zu Hause, was ist das für ein Quatsch, heute Abend grillen wir. Es gibt keinen gesellschaftlichen Trend in der Breite zu einer gesunden Ernährung. Natürlich in der Blase von Menschen, die sich mit Longevity beschäftigen, die an der Körperoptimierung arbeiten.
Nicola16:48
Vielen Mhm.
Ingo17:14
wissen die da jedes Detail, aber die Menschen draußen, die tun sich da schwerer mit. Natürlich ist es wichtig, das sage ich natürlich dann auch, Palaststoffe sind wichtig und es muss kein Rosenkohl sein, das kann jedes Gemüse sein, egal wie es zubereitet ist, Hülsenfrüchte, Vollkornbrote viel trinken ist wichtig und sie kennen auch Menschen, mit denen gehen sie in schönes Lokal zum Essen.
Sterne-Lokal, das erste, was die machen, ist den Salzstreuer nehmen und mal kräftig das Essen unter einer Salzkruste zudrücken. Warum? Verstehe ich nicht. Aber Menschen sind es gewohnt. Die sind gewohnt, salzreich zu essen, fettreich zu essen. Und natürlich ist das nicht gesund, schmeckt auch nicht. Aber der Grund ist, dass wir halt nicht geübt sind. Das ist wirklich eine Übung. muss gesundes und gutes Essen, muss man schmecken lernen.
Nicola17:43
Jetzt kommen sie noch zum Salz. Ja.
Ja, ja, okay. Ja.
Ingo18:11
weil das Salz und der Zucker natürlich alles zudeckt. Es ist kein Zufall, dass in Fertiggerichten immer viel Salz, viel Zucker und viel Fett drin ist, weil das natürlich nicht die Geschmacksknospen befriedigt, aber das Befriedigungszentrum anspricht. Und es gibt einem natürlich ein schnelles Gefühl der Befriedigung, der Belohnung. Und das wissen natürlich die Firmen, die Fertigprodukte herstellen. Und das ist ein riesen Problem, aber es ist ein gesellschaftliches.
Nicola18:14
Ja.
Ja.
Ingo18:40
Aber das ist ja Allah.
Nicola18:40
Okay, jetzt kommen wir mal, genau, jetzt kommen wir mal, weil das mit der Ernährung klar und das Bewegung, aber wenn Sie jetzt die Karotten hinhängen, Sie müssen ja jeden Tag irgendwie zum einen sagen, naja, Medikamente helfen vielleicht gar nicht so viele. Jetzt zu deinem Thema. Es ist eher das Thema, dass es nicht rauskommt, höre ich so durch.
Die Karotte, die man hinhängt, ich habe auch verstanden, dieses mehr Wasser trinken, sage ich mal, ist wahrscheinlich so der einfachste Schritt. Da ist kein Verzicht, sondern wo man sagt, so ja, weiß ich ja eigentlich selbst, okay, gucke ich noch mal drauf. Dann versuchen sie sich als Ernährungsberater höre ich raus, doch mal zu sagen, okay, natürlich nicht das Grillen verbieten und nicht verzichten, aber mal gucken, gibt es auch Alternativen. Die Karotte kann ja nur sein, zu sagen, pass auf.
Ingo19:08
.
Nicola19:30
Dir geht es jeden Tag so, dass du gar nicht drüber nachdenken musst, dass du auf der Toilette wieder pressen musst, oder? Das ist ja die eigentliche Karotte.
Ingo19:42
Mein Ansatz ist, dass ich den Patienten sage, immerhin waren die Beschwerden anscheinend stark genug, dass sie einen Termin beim Orthologen gemacht haben. Das macht man ja nicht freiwillig.
Nicola19:49
Ja.
Ingo19:52
Ich versuche natürlich auch offen mit dem Patienten zu reden, einfach von Mensch zu Mensch zu reden. Das ist bei manchen Patienten einfacher. ja viele Patienten, auch intellektuell einfacher sind, viele Patienten, sprachlich sich schwer tun, die aus einem ganz anderen Kultur kommen, wo Essen eine ganz andere Rolle spielt. Die kommen mit der Erwartung, ich kriege jetzt eine Salbe oder ein Rezept und dann gehe ich wieder. Da ist manchmal gar kein Gespräch möglich. Das ist dann für beide Seiten sehr, sehr unbefriedigend.
Nicola20:05
Gut, ist schwierig dann generell, genau.
Ingo20:24
Und dann natürlich, wenn die Patienten sagen, ja, ich habe immer Schmerzen beim Stuhlgang, oder es kommt immer Blut, oder ich muss immer so fest drücken, oder das Stuhlgang will gar nicht raus. Natürlich muss ich dann gucken, was ist da los. In der Regel liegen da anatomische Veränderungen vor als Folge dieses Fehlverhaltens, was in der Regel ja über Jahre stattgefunden hat, bevor die Patienten dann mal zu mir kommen. Und dann kann ich sagen, ja gut, ich kann das operieren, aber davon wird ihre Verdauung nicht besser.
Nicola20:31
Mhm. Mhm.
Mmh.
Ingo20:51
Der wichtige Schritt ist ja, dass wir zuerst mal die Auslöser abstellen. Was hat denn zur Vergrößerung der Hämorrhoiden geführt? Warum blutet es denn beim Stuhlgang? Warum ist denn Juckreiz da? Das heißt, man stellt eine Diagnose, dann muss ich rausfinden, warum hat der Patient diese Veränderungen, wie sind die aufgetreten. Häufig sind die Patienten verblüfft, weil ich weiß das meistens, bevor ich die Patienten frage, was dazu geführt hat. Weil die Veränderungen sehr typisch sind und ich das dann auch wirklich häufig...
Nicola21:07
Ja.
Ingo21:21
kann, weil dann das Vertrauen wiederum erhöht, weil der Patient denkt, okay, da scheint er wirklich bisschen Ahnung zu haben, der Doktor.
Und dann spreche ich mit dem Patienten und dann merke ich natürlich, ist das ein Patient, der nun wirklich was ändern möchte, ist ein Patient, der bereit ist, auch ein bisschen was zu investieren. wenn ich, Freunde von mir sind Orthopäden, da kommen die Patienten mit Rückenschmerzen und sagen, ja nee, Sportstudio, Krafttraining,
Nicola21:40
Mhm. Mhm.
Ingo21:52
zu langweilig, schaffe ich nicht, möchte ich nicht, können wir nicht operieren. Da ist die Erwartung bei mir natürlich auch so. habe Patienten heute, jetzt ich eine Patientin, der habe ich gesagt, mehr trinken können, Ballaststoffe, so bisschen Analhygiene. Ach, Doktor, können Sie mich nicht lieber operieren? Das ist mir alles zu anstrengend. Ich habe gesagt, nein, das ist nicht die richtige Lösung. Und natürlich mache ich keine Operation, wenn ich nicht davon überzeugt bin, dass die Operation auch den Patienten wirklich
Nicola21:53
Ja, okay. Genau. Ja.
Okay, Gibt keine Veränderungen.
Ingo22:23
Beschwerden verbessert oder beseitigt. Und ein Patient, der zu mir kommt und nicht bereit ist, sein Verhalten zu ändern, wo ich weiß, dass zwei Jahre nach der Operation der gleiche Befund wieder da sein wird, den darf ich auf keinen Fall operieren, weil nach der Operation bin ich an allem schuld, was der Patient hat, an allen Beschwerden. Und ich möchte nicht schuld sein.
Nicola22:35
Ja.
Sie tun mir fast schon... also, die paar... ich hör zumindest raus, auch wenn Sie jetzt eine Patientin erwähnt haben von heute, hatte ich doch den Eindruck, es sind mehr Männer, zu Ihnen kommen als Frauen oder... ich will das...
Ingo22:48
Haha!
hält sich tatsächlich die Waage. Aber die Beschwerden, Patienten haben, sind tatsächlich sehr, unterschiedlich. Frauen haben anderes Stuhlgangsverhalten als Männer. Frauen zum Beispiel, also Männer sehen gerne mit dem Handy auf der Toilette, sowas machen Frauen nicht. Also, wenige Frauen, sehr, sehr viel seltener. Und dadurch entstehen andere Beschwerden. Und Männer sind dann auch viel jünger in der Regel, wenn die Beschwerden haben als Frauen.
Nicola23:05
Ja.
Ja.
Was hat das, da muss ich jetzt nochmal eingreifen, Handy. Also was hat jetzt das Handy mit dem Unterschied der Beschwerde zu tun? weil ich länger sitze, habe ich automatisch etwas, was Sie dann direkt diagnostizieren können.
Ingo23:36
Ja, Beschwerden treten häufig dadurch auf, nicht dass sich die Hämorrhoiden verändern. Hämorrhoiden sind ja Teil der Schleimhaut im Enddarm, sondern dass die Hämorrhoiden zu weit außen liegen, dass die ganze Schleimhaut zu weit nach außen rutscht. Und dafür gibt es viele mögliche Ursachen. Mehr gibt es gar nicht. Die häufigste Ursache bei Frauen ist starkes Pressen auf der Toilette. Häufig, weil die Frauen zu wenig trinken. Nur eine mögliche Ursache, gibt aber andere, aber der Stuhl ist in der Regel hart. Frauen pressen viel. Männer
Nicola23:43
Ja.
Mhm.
Ingo24:06
sitzen sehr lange auf der Toilette. Das machen auch junge Männer sehr gerne. sehe zum Teil bei 19-Jährigen schon deutliche Veränderungen, weil die lange auf dem Klo sitzen. Früher hatten viele von uns eine Zeitung auf der Toilette. Da hängte der Spiegel und die Zeit und die Titanic. Und da konnte man dann ein bisschen in der Zeitung blättern. Aber heute haben alle ihr Handy eingeschaltet und lesen Zeitung oder spielen irgendwas und sitzen eine halbe Stunde, Stunde auf der Toilette, verstecken sich da auch.
Nicola24:30
Ist aber nicht gut.
Genau.
Ingo24:34
Das aber nicht gut, weil durch das Sitzen auf der Toilettenbrille der Beckenboden entspannt. Das gibt einem auch so ein Gefühl der Entspannung, ist so ein wohliges Gefühl. Frauen haben das nicht, weil Frauen einen anderen Beckenboden haben als Männer. Der ist anders aufgebaut, weil Männer ja eine Prostata da haben, keine Gebärmutter. Und dann über die Jahre oder Monate, wenn man lange sitzt, Blut sich immer staut im Beckenboden. Die Beckenbodenmuskulatur sich entspannt, das Blut in den Beckenboden fließt.
Nicola24:38
Ich
Ingo25:03
dann dehnt sich das Bindegewebe und die Hämorrhoiden rutschen immer weiter nach draußen. Und das ist etwas, was Frauen ganz selten haben, bei Männern aber sehr häufig. Und dann
Nicola25:08
Okay.
Ingo25:15
haben wir natürlich Kraftsportler auch in der Behandlung. die machen halt mehr Männer als Frauen. Genau, die machen halt mehr Männer als Frauen. Aber es ist auch bei Frauen ein Problem, wenn der, wenn man beim
Nicola25:17
Also die muss ich haben. Ja.
Ingo25:32
Kraftsport nicht wirklich gut auf den Beckenboden aufpasst, also nicht den Beckenboden immer sehr gut angespannt hält bei den Übungen, insbesondere bei Beinpresse oder Kniebeugen, wenn mit hohem Gewicht gearbeitet wird, dann ist das sehr häufig so, dass eben diese Hämorrhoidensenkung, diese Schleimhautsenkung dann auch stattfindet. Dann haben wir Patienten, die chronische Darmentzündung haben, da tritt das auch häufig auf, einfach weil das Bindegewebe
Nicola25:34
Ja.
Ja, ja.
Ingo26:01
sehr weich ist, sehr häufig entzündet ist und dadurch diese Veränderungen schneller auftreten. Und die fünfte Gruppe sind Patienten mit Analverkehr, passiven Analverkehr. Da wird das Bindegewebe direkt geschädigt und auch das führt dazu, dass die Schleimhaut eben leichter nach außen rutscht.
Nicola26:08
Ja.
Okay.
Okay.
Wen Sie jetzt noch nicht erwähnt haben, Sie haben jetzt Sportler erwähnt, auch eher männlich, dann Sexualpraktiken oder Vorlieben, dann die, die mit dem Handy länger sitzen, dann schon so männlich, weibliche, sag ich mal rein anatomische Unterschiede. Was mir jetzt auffällt, wen Sie noch nicht erwähnt haben, sind eher so die jungen Frauen. Die haben keine Probleme.
Ingo26:42
Was ich nicht erwähnt habe, sind die Schwangeren. Das ist absichtlich so, weil die Schwangerschaft die Besonderheit hat, die natürlich auch viel Beschwerden auf dem Bereich auftreten. Auch Schwangere trinken zu wenig, viele Mütter trinken viel zu wenig und deswegen wird das Stuhl dann gerne hart und dann muss man viel pressen und dann entstehen diese Hämorrhoidenprobleme. Aber das Besondere an der Schwangerschaft ist, dass es reversibel ist. Das Bindegewebe wird ja sehr
Nicola26:55
Ja. Ja. Ja. Ja.
Okay.
Ja.
Ja. Okay. Ja. Ja. Ja.
Ingo27:11
weicher vor der Geburt, damit die Geburt noch geht.
Und man hat dann etwa ein Jahr Zeit nach der Geburt, das Bindegebiet der Nieren. Deswegen sind die Befunde reversibel in der Schwangerschaft. Das ist in allen anderen Fällen nicht so. Bei jungen Frauen ist es so, dass Stuhlgang häufig ein Problem ist. Die meisten Patientinnen, junge Frauen, die zu mir kommen, kommen wegen Verdauungsbeschwerden. Klassisch Thema Reizdarm.
Nicola27:19
Okay.
Mhm.
Ingo27:40
Häufigste Alter von Patientinnen, diese Reizdarmbeschwerden 18 bis 25, 18 bis 30. Natürlich nicht ausschließlich, aber das ist ein sehr, häufiges Alter, weil da eben auch die psychologische Komponente eine sehr, große Rolle spielt und häufig in der Entwicklungsphase, der Selbstfindungsphase, in der Identitätsbildung, das sehr stark belastend ist, was
Nicola27:55
Mh.
Ingo28:06
zu Stuhlgangsbeschwerden führt. Und das erlebe ich bei Patienten, die zu mir kommen. Da muss ich natürlich sehr einschränkend sagen, ich kann nur die Patienten beurteilen, die zu mir kommen. Und das sind zum großen Anteil Frauen. Das mag anderswo anders sein. Aber obwohl wir auch eine Frau, eine Kollegin, ja in der Praxis haben, sehe ich trotzdem viele Frauen, die da nicht zu ihr, sondern zu mir kommen. Und das ist ein sehr, sehr häufiges Thema.
Nicola28:08
Ja.
Ja.
Ingo28:34
Auch draußen, auch bei Patienten, wie ich es natürlich von anderen Ärzten weiß oder auch natürlich aus der Literatur, dass das ein Thema ist, sehr, sehr viele junge Menschen beschäftigt und da eben ein Großteil auch Frauen und viele davon sind eben auch tatsächlich nicht gut betreut. Weil Patienten, die viel Zeit brauchen, wo man eben viel reden muss und das ist heute, wo ich vier Minuten für einen Kassenversichertenpatienten habe, riesiges Problem.
Nicola28:43
Mhm. Mhm.
Ja.
Ja, ja.
Ingo29:04
Weil wenn man sich die Zeit nimmt, muss man die anderswo einsparen.
Nicola29:08
Verstehe ich. Also lernen sie fast schon zum Seelen-Doktor, weil es dann doch auch Dinge geht, die psychisch belastend sind, Stresssituationen, die sich bei Frauen dann eher niederschlagen.
Ingo29:24
Ja, wir müssen die ...
Ihr muss natürlich das Schlagwort Darm-Hirn-Achse fallen. Das ist natürlich ein ganz, ganz großes Thema. Das klingt jetzt für viele Patienten noch esoterisch, wenn nicht wie Darm-Hirn-Achse. Es gibt eine Leitlinie für eine Fachgesellschaft, Breitsdarm-Syndrom, da ist das erwähnt. Also das existiert, das ist keine Homöopathie und keine Esoterik. Es gibt eine direkte Verbindung vom Gehirn zum Darm.
Nicola29:30
Ja.
Ingo29:52
die beiden sprechen den ganzen Tag miteinander. Und diese Darmhirnachse kann gestört sein, wenn die Kommunikation nicht gut funktioniert. Das ist wie wenn ich im Auto habe, ich habe ein Motor und ich habe das Fahrwerk, habe die Räder. Aber wenn das Getriebe nicht da ist, dann bringe ich die Kraft, die der Motor aufbringt, nicht auf die Straße. das Getriebe ist kaputt bei Patienten oder gestört bei Patienten mit einer Störung der Darmhirnachse. Und typische Symptome sind eben diese
Nicola29:58
Vielen Dank.
Vielen Dank.
Ingo30:22
sogenannten Reizdarm-Symptome. Ich mag das Wort nicht, weil der Darm ist eigentlich gereizt. Das ist einfach eine Steuerungsstörung.
Nicola30:25
Ja.
Ingo30:28
dann mal Durchfall, mal Verstopfung, viel Blähungen, mal Bauchschmerzen. man spricht da, die Amerikaner haben noch neutralen Begriff, die sprechen von Disorders of the Gut-Brain Interaction. Also es ist nicht nur eine Achse sondern eine Zusammenarbeit aus Gehirn und Darm. Und Disorder ist
Nicola30:33
Ja.
Okay. Ja.
Ingo30:51
Da läuft irgendwas nicht ganz gerade. ist einfach
Nicola30:53
Ja.
Ingo30:56
ein Bruch entstanden, dass es nicht mehr reibungslos funktioniert. da ist die Aufgabe natürlich, meine Aufgabe als Proktologe, Patienten oder die Patienten darauf hinzuweisen, wie die Zusammenhänge sind. spreche ich an das Thema Organik. Also der Darm muss gesund sein, klar. Deswegen machen wir viel Darmspiegelung. ⁓
Nicola31:10
Ja.
Ingo31:20
auszuschließen. Dann Thema Ernährung, das spreche ich an. Ich habe aber natürlich Ernährungsberater, mit denen ich zusammenarbeite. Das nichts ist, weiß ich mal, die drei Minuten nehmen wir, essen wir mehr Ballaststoffe, dann wird es
Nicola31:31
Genau, das hatten wir aber schon. Ernährung. muss leider schon zu meiner Schlussfrage kommen, aber aus ihren Ausführungen. Also ich glaube, wir könnten noch Stunde Stunde. Also was ich gut finde, ist mal so einen Überblick zu bekommen, eigentlich was qua Alter, Geschlecht und ich sag mal Gewohnheiten, aber auch von sportlichen Aktivitäten, dass das doch ganz unterschiedliche Blickwinkel darauf gibt. Also sie einen sehr abwechslungsreichen Beruf haben, muss ich zumindest.
Ingo31:37
Ja.
Danke.
Nicola32:00
schließe ich daraus und das eigentlich dieser ganzheitliche Blick als Mediziner und auch als Schulmediziner glaube ich immer wichtiger wird, gerade auch in diesem Bereich und es hört sich so an, wenn sie dann starker Verfechter wären, dass man da nicht nur tunnelartig draufblicken kann, aber die Langlebigkeit, die möchte ich noch mal zum Schluss in die Waagschale werfen, wenn sie mal so den Durchschnitt ihrer Patienten nehmen und auf den Mensch an sich gucken, der vorhat, gut selbstbestimmt mobil alt zu werden und möglichst auch die Lebensspanne zu verlängern. Wenn Sie dem eine Maßnahme mit auf den Weg geben, mir mit auf den Weg geben, welche wäre das?
Ingo32:56
Wenn es eine Maßnahme ist, dann ist es Sport. Das ist Ausdauersport. Die wichtigste Maßnahme für ein gesundes Leben ist Ausdauersport, den ich aber nicht anfange im Altenheim, sondern den ich idealerweise die ganze Zeit mache, spätestens in den 40ern, 50ern anfangen. Es geht nicht Hochleistungssport, es geht ⁓ Ausdauersport.
Nicola33:00
Dann abgeben wir das.
Ja.
Ingo33:23
mit dem Hund spazieren gehen sein, kann Golfspiel sein, kann Rudern sein, das Schwimmen sein, das kann Joggen sein. Dann kommt natürlich dazu, umso wichtiger je älter man wird, der Kraftsport, Muskeltraining. Also nicht nur spazieren gehen, sondern ganz aktives Muskeltraining. Und natürlich stört mich die Exklusivität dieser Aussage, weil die vernünftige Ernährung ist natürlich wichtig. Eine gute Ernährung ist wichtig. Für die Genik haben wir
Nicola33:36
Ja.
Genau, Genau, aber sie haben ja schon selbst gesagt, zu viel können wir gar nicht. Deswegen gibt es die eine Bewegung und es ist immer wieder erstaunlich, dass es eher die Bewegung bislang ist. Wenn ich das verraten darf, wir hatten auch letztens über Demenz, auch da war es nicht die Ernährung, sondern der Tipp zu sagen, zu laufen, zu bewegen. Sie gehen jetzt in dieselbe Kerbe rein. Insofern, das nehmen wir auf jeden Fall mit. Also bewegen würde schon viel ändern und vielleicht auch eine
Ingo33:56
He!
Nicola34:19
Sensibilisierung für das, was ich dann esse nach der Bewegung, bringt das vielleicht auch schon mit. Also vielleicht ist das gar nicht so einseitig zu betrachten. ja, also vielleicht müssen wir einfach noch mal einen Termin machen ⁓ die Darm-Hirnachse. Die ist natürlich jetzt zu kurz gekommen. Das wird aber, glaube ich, vielleicht auch ein Aspekt sein, wo man in Zukunft auch mehr darüber lesen wird, weil sie ein bisschen mehr auch in die Diskussion kommt.
Ingo34:26
Genau.
Nicola34:48
Und für heute aber, Professor Alldinger, ganz herzlichen Dank. Danke, dass Sie Ihren Feierabend verschoben haben für unser Gespräch.
Ingo35:00
Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank.
Nicola35:02
Und ich verweise natürlich auf ihren Podcast, wo sie noch ganz viel mehr Dinge natürlich ganz konkret aus ihrem Praxisalltag erzählen und auch Empfehlungen geben. Darüber hinaus, dass wird Shownotes natürlich vermerkt von mir. Aber für heute erst mal ein großes Dankeschön und einen ja noch sonnigen, schön erholsam, vielleicht bewegten laufenden Feierabend.
Ingo35:27
Vielen Dank! Und immer dran denken, am Ende wird alles gut!
Nicola35:31
Das ist es.
Nicola35:34
so herrlich oder? Dieser badische Slang, den hatte meine Mutter auch und ich liebe es einfach. Aber ich finde, dem Professor Alldinger ist das nicht ein total nahbarer Typ? Also so wünsche ich mir einen Arzt, der auch tacheles redet, echt, der auch sagt, nicht jede OP ist sinnvoll geschweige denn, löst sie dein Problem. Das hatten wir ja auch schon in Podcast Folge 12 mit dem Professor Schöttle zum Thema Orthopädie.
und Regenerationsmedizin, der ja auch der Meinung war, nicht bei jedem ist dieselbe OP auch wirklich sinnvoll. Das machen, finde ich, Ärzte viel zu selten. Aber auch dieses Konkrete, das konnte uns ja direkt schon mitgeben, oder? Also dieses, ich presse auf der Kloschüssel oder ich daddle. Nee, direkt damit aufhören. Für mich war es natürlich eine total neue Erkenntnis, dass ihr Jungs auf der Kloschüssel, wo ihr ein wohliges Gefühl habt, dass es kein Wunder ist, dass ihr so viel länger als wir Mädels da drauf sitzen bleibt. Also das ist natürlich für uns Frauen eine Erkenntnis gewesen, die mir zumindest so überhaupt noch nicht bewusst war. Und auch noch die tausend anderen Tipps und Empfehlungen, die ihr uns mitgegeben hat habe ich in einem Takeaway zu diesem Podcast von Professor Alldinger aufgeschrieben. Also ihr kriegt da die Fakten noch mal aus seinem Praxisleben, die Karotte, die ihr uns mitgibt, wie wir uns motivieren, damit wir hintenrum wirklich schmerzfrei und flutschiger werden und die Schweine-Hacks, die uns dazu motivieren, auch wirklich da vom Reden ins Machen zu kommen.
Einfach mal in den Show Notes gucken, da könnt ihr das downloaden. Das, was mich bisschen traurig gemacht hat, ist dieses Reizdarm Thema und dieser Zusammenhang, dass das ja oft einfach einen mentalen Ursprung hat und es so wenig, ja auch Ärzte gibt, die sich dafür zuständig fühlen, genau diesen Zusammenhang uns zu erklären und dann nach Lösungen suchen.
Eins ist zumindest gut, dass auch in den Medien inzwischen, wenn ihr nach Darm-Hirn-Achse oder Darm-Gehirn-Achse mal googelt, inzwischen sehr viel mehr berichtet wird, weil es geht um die Ernährung. Und was hier ankommt, hat einen Einfluss auf unseren ganzen Körper. Nicht nur auf den Reizdarm, nicht nur aufs Gehirn, sondern auf alle Organe. Und insofern kann ich total nachvollziehen.
dass sich der Professor Alldinger letztendlich mehr als Ernährungscoach oder Lifecoach versteht, finde ich aber auch gut, weil wenn er damit den Ursprung trifft und die Behandlung dann einfach auch besser uns näher bringen kann als Patient, dann ist es doch eine super Sache. Und mit der Vielfalt, die in unserem Darm, in unserer Verdauung landen sollte, das ist auch ein Thema jetzt mit der zweiten Expertin. Die Vielfalt aber beginnt ja schon in der Natur und das wird ganz schön spannend, weil selbst mir, die sich, ich sage jetzt mal viel mit Lieferketten und Naturzutaten aus aller Welt ja schon seit Jahrzehnten beschäftigt, war da noch einiges Neues und vieles, naja, was einem nicht so gut gefällt.
mit dabei. Wir hören jetzt mal rein.
Nicola39:25
Ja, hallo und herzlich willkommen Frau Dr. Frauke Fischer.
Frauke Fischer39:30
Ja, hallo, vielen Dank für die Einladung.
Nicola39:32
Sehr gerne und ich bin selbst sehr gespannt über unser heutiges Thema und unser Gespräch. Es geht nämlich nicht nur um uns Menschen, sondern eben auch um den Planeten und die Natur. Und mit Ihnen möchte ich gerne die Frage besprechen, inwieweit die Langlebigkeit von uns Menschen nicht eigentlich von der Vielfalt der Natur abhängt.
Frauke Fischer39:54
Ja genau, also Langlebigkeit hat ja was mit Gesundheit zu tun und unsere Gesundheit ist absolut abhängig von den Leistungen der Natur. Also sehr vereinfacht kann man sagen, jeden Schluck Wasser, wir trinken, jeden Atemzug, den wir tun. Alles, was wir essen, verdanken wir den Leistungen der Natur. Und ja, wenn man sieht, warum Menschen früh sterben, dann hat das natürlich häufig mit einem ungesunden Lebenswandel zu tun. Also wenig von dem essen oder nutzen, was die Natur bereitstellt und viel Verändertes zu sich nehmen und dann hat es natürlich, wenn es ganz dramatisch wird, wirklich das was damit zu tun, dass aus welchen Gründen auch immer die Natur ihre Leistung nicht mehr erbringen kann, wenn Menschen kein sauberes Trinkwasser mehr haben, nicht genug zu essen etc.
Nicola40:24
Ja, genau.
Sehr schön.
Sie steigen direkt ein, da merkt man, dass sie eine preisgekrönte Biodiversitätsexpertin sind. Und das Schöne ist, dass sie nicht nur die Theorie abdecken, nämlich als Dozentin an der Universität Würzburg, sondern auch andere Unternehmen beraten zum Thema Biodiversität in den Unternehmen, aber auch selbst unternehmerisch tätig sind und zwar in dem Bereich Kakaobohne.
Da kommen wir gleich später noch dazu. Zum Start die Frage, wenn Sie so über Ihre eigene persönliche Langlebigkeit nachdenken und dann auf die aktuellen Nachrichten gucken zum Thema wie Nachhaltigkeitsthemen, gerade eher zurückgefahren werden, wie die Biodiversität, naja, eher leidet, denn das besser wird. Was denken Sie da für Ihre eigene Langlebigkeit? Machen Sie sich Sorgen?
Frauke Fischer41:35
Ja, ich denke dann tatsächlich, es ist ja fast ein bisschen negativ, da denke ich tatsächlich ein Glück, dass ich schon so alt bin. Ja, also leider muss man sagen, wir die Natur dermaßen und die Leistung der Natur dermaßen zerstören und damit ja unsere Lebensgrundlage zerstören, dass es für Menschen, die jünger sind oder gar nachfolgende Generationen immer schwieriger sein wird, diesem Planeten gesund und friedlich und lange zu leben.
Nicola42:05
Kommen wir mal genau. Versuchen wir mal den Aspekt auf das Positive. Was können wir denn noch tun? Auch als junge Menschen gerade, aber auch wir Älteren, die ja ich sag jetzt mal einiges verbockt haben und vielleicht dann noch so ein bisschen was nachholen können. Wenn wir drüber nachdenken, dass die Vielfalt unserer Gesundheit, Sie haben es angesprochen, gerade auch des Mikrobioms. Das ist ja inzwischen ein Begriff, der jedem so flockig aus dem Mund fällt. Das heißt, unser Darm hängt davon ab, dass er eine blühende Wiese ist, sag ich mal. Und wenn wir dann in die Natur gucken und die Prognosen schon haben für den Sommer, dass es vielleicht gar nicht so viel blüht, sondern mehr vor sich hin dörrt. Was haben wir denn als Konsumenten, als Verbraucher? Was können wir tun, wenn wir im Supermarkt stehen? Was würdest Sie uns da raten?
Frauke Fischer42:58
Genau, ich würde, das habe ich ja schon eingangs gesagt, also zunächst mal raten, Lebensmittel zu kaufen, die nicht weiterverarbeitet sind. Das ist ja eigentlich absurd, dass Menschen, also keine Ahnung, sich eine Tiefkühlpizza kaufen, anstatt Mehl, Hefe, Tomaten und Käse und Pilze und sich selber eine Pizza machen. Wir wissen ja, dass diese Weiterverarbeitung natürlich, dass diese Lebensmittel häufig
Nicola43:19
So.
Frauke Fischer43:28
alles, was sehr wichtig ist für die Ernährung, eigentlich verloren haben, alles, was gesund ist, also nur noch wenige Ballaststoffe, noch wenige Vitamine, dass sie dafür aber umso voller sind mit irgendwelchen chemischen Komponenten, die sie länger haltbar, leichter transportierbar etc.
machen. Also das wäre schon mal das Allerwichtigste. Davon retten wir natürlich noch lange nicht unsere Lebensgrundlage. was wir, also, oder wir kommen sicher später noch mal bisschen darauf, was ich mache in Peru zum Beispiel.
kommt es natürlich auch darauf an. ja, wenn man sich über Anbau und Tierwohl etc. Gedanken macht, dann ja.
Nicola44:02
Lassen Sie uns einsteigen, weil das, wir kaufen, wir können auf der Zutatenliste lesen, was drin ist. Wir können auch hergestellt in
Frauke Fischer44:08
Mhm.
Nicola44:11
dann lesen und jeder von uns weiß, wenn er im Supermarkt steht, sowohl die Kakaobohne als auch die Kaffeebohne sind beides Bohnen, die extrem teuer geworden sind. Also Zutaten, die nicht gestiegen sind, weil sie auf einmal ja und so viel mehr wert sind. Doch indirekt schon, weil eben das Klima schon das Angebot begrenzt. Sie haben jetzt in Kakaobohne investiert.
Frauke Fischer44:25
Ja.
Ich habe nicht investiert, ehrlich gesagt verblase ich da mein Privatvermögen. Also Investition hört sich ja so an, dass man etwas macht, ⁓ mehr Geld zu verdienen, irgendeine Rendite zu erzeugen. Und das ist eben so nicht, sondern wir haben eine kleine Firma gegründet, weil Kakaobauern in Peru, die aktiv Biodiversität schützen, Regenwald schützen, die demokratische Strukturen haben, eine Frauenkooperative, die Schulen unterstützen.
Nicola44:52
Vielen
Frauke Fischer45:07
Die hatten keinen Zugang zum europäischen Markt mit ihren hervorragenden Kakaobohnen. Und dann haben wir gesagt, okay, dann gründen wir eine Firma, Perupuro heißt die. Und da geben wir den Kleinbauern mit diesen wirklich sehr, sehr hervorragenden Kakaobohnen jetzt einen Zugang zum europäischen Markt.
Nicola45:16
Ja.
Okay, das ist erstmal für den Bauern vor Ort. Erstmal sehr gut. Wenn wir jetzt auf das Thema Biodiversität, Sie haben es erwähnt, Schokolade kennt jeder, also die Base von Schokolade sollte Kakaobohne sein. Was bedeutet das im Anbau, wenn Sie sagen, da wird auch das Thema Biodiversität unterstützt und gefördert?
Frauke Fischer45:48
Also man sollte vielleicht erst sagen, die normale Anbaumethode von Kakao ist. Kakao aufgrund der Feuchtigkeit, Kakao braucht, aufgrund der Sonnenintensität, Kakao braucht, die Tageslänge etc. wächst Kakao nur in den Tropen. Und wenn man sich anguckt, wo Kakao wachsen kann oder wo Kakao angebaut wird, überlagert sich das leider mit dem Tropenwaldgürtel. Und die klassische Anbaumethode ist, dass man im Regenwald rodet, meistens durch Brandrodung.
dass man dann Kakao in Monokultur anbaut. Der ist dann ein paar Jahre ertragreich. Danach ist der Boden ausgelaugt und dann brennen die Menschen das nächste Stück Regenwald ab und bauen wieder Kakao. Genau, es gibt einen Brandrodungs-Wanderfeldbau. Und die meisten Menschen haben das sicher schon mal gehört, dass tropische Regenwälder nicht einfach sich so leicht wieder regenerieren.
Nicola46:20
Ja, Ach so, und wandern.
Frauke Fischer46:42
In tropischen Regenwäldern ist der meiste Kohlenstoff in den Pflanzen gebunden und kaum etwas im Boden, anders als bei uns. Also wenn man aufhört, seinen Garten zu mähen, dann entsteht da über kurz oder lang wieder so ein Feldgehölz und irgendwann auch wieder ein Wald. Das ist in den Tropen eben ganz anders. Das, einmal zerstört ist, das regeneriert sich von selber vielleicht über Jahrtausende oder, wenn man sehr viel Glück hat, auch mal über Jahrhunderte, aber eben nicht über Jahre oder Jahrzehnte.
Nicola46:58
Das ist.
Frauke Fischer47:09
Und das bedeutet, Kakao, obwohl das ja jetzt nicht ein Grundnahrungsmittel ist wie viele andere, unter den Top 5 der Landwirtschaftlichen Rohstoffe die hauptsächlich verantwortlich sind für die Zerstörung tropischer Regenwälder.
Nicola47:25
Das heißt, jedes Stück Schokolade was ich genieße, ist letztendlich etwas, was zwar von uns weit entfernt, aber direkt Einfluss nimmt auf den Erhalt von Pflanzen und Pflanzenarten.
Frauke Fischer47:40
Genau, oder eben leider, ja genau, aber leider eben normalerweise eben genau das Gegenteil, also genau eher auf die Zerstörung. Das kann man sogar sehr genau berechnen. Es gibt eine wissenschaftliche Studie, die sich das angeguckt hat und statistisch zerstört jeder Deutsche pro Jahr 40 Quadratmeter Regenwald durch den Konsum von billiger Schokolade. Also da kommt über die Jahre also schon einiges zusammen und da kommt natürlich auch viel zusammen, wenn man bedenkt, dass wir über 80 Millionen Menschen sind.
Nicola48:00
Ja.
Frauke Fischer48:09
Aber was Positives zu sagen, man kann es eben auch ganz anders machen und das ist, was wir eben in Peru machen. Kakao wächst ursprünglich, ist eine Pflanze, die im Unterwuchs tropischer Regenwälder wächst. Das ist so ein Baum, aber eben kein Baumriese. Und dieser Kakao, hat das gerne schattig, der hat das gerne feucht, der hat das auch gerne relativ dunkel. das bedeutet, also was wir gemacht haben ist,
Nicola48:23
Mh.
Mhm.
Frauke Fischer48:38
Wir haben eben Kakao dann nicht in Monokulturen angebaut, sondern in solches, wie man nennt es, Agro-Forstsystem, wo Kakao zusammen mit vielen anderen einheimischen Pflanzenarten wächst. Also wir haben Schattenbäume gepflanzt, die dann über die Jahrzehnte, Jahrhunderte riesig werden. Wir haben andere, wir haben schnellwachsende Arten gepflanzt, die die Menschen als Bauholz oder Brennholz verwenden können. Wir haben aber auch viele andere Lebensmittelpflanzen gepflanzt, also zusammen mit dem Kakao wächst.
Nicola49:07
Ja.
Frauke Fischer49:08
Also da wachsen Bananen gut, da wächst Papaya gut, da wächst Zimt gut, da wachsen Avocados gut, da wächst Chili gut und das kann man da eben alles zusammen auf einer Fläche anbauen.
Nicola49:21
Wie hab ich
Frauke Fischer49:24
Also vielleicht nur noch, das weiterzuführen, weil das das Interessante ist. Und das war natürlich am Anfang irgendwie das Interessante ist, dass die Kakaoernte, der Ertrag auf solchen Flächen höher ist als in Monokulturen. Das ist ja zunächst mal unlogisch. Also man würde ja denken, also das haben die Bauern da natürlich auch gedacht. Die haben gedacht, ja Moment mal, jetzt sagt ihr mir, ich soll nur ein Zehntel Kakao pflanzen machen und dann soll ich da alle möglichen anderen Sachen pflanzen. Erstens haben die Bauern gesagt, sieht das sehr unordentlich aus, das möchte ich nicht.
Nicola49:46
Genau.
Frauke Fischer49:53
Ich möchte nicht, dass meine Nachbarn, denke ich, sein schlampiger Landwirt. Und außerdem will ich ja Kakao ernten. Jetzt sagt die mir, ich soll da ganz wenig Kakao pflanzen. Und tatsächlich ist das so, weil eben dieser Kakaobaum ja keine Pflanze ist, die in der Sonne gut gedeiht. Und weil sie vor allen Dingen einen ganz besonderen Bestäuber hat, hat sie relativ geringe Erträge, wenn man sie in Monokulturen anbaut. Und eben sehr viel höhere Erträge, wenn man sie in so einem Agro-Forstsystem anbaut.
Nicola50:09
Ja.
Ja.
Ja, das heißt, können Sie sich vorstellen, warum ist das? Aber es wird mehr Arbeit sein oder warum gehen auch die größeren nicht auf den Mischanbau drauf?
Frauke Fischer50:29
Noch nicht mal.
Ja, also ich glaube der Grund ist, dass wir, also auch die großen Schokoladenproduzenten, die sind ja keine Kakaoproduzenten, sondern die kaufen einen Rohstoff auf dem Weltmarkt. Wie der hergestellt wurde, ist für sie eigentlich irrelevant. Ob da Regenwald zerstört wird, das spielt in ihren Bilanzen überhaupt keine Rolle. Und es ging immer nur um die Frage, wo bekommen wir möglichst viel Kakao? Wo bekommen wir möglichst billigen Kakao?
Nicola50:40
Mmh.
Frauke Fischer51:00
und ob damit gigantische Regenwaldzerstörungen einhergehen oder nicht, das war ja leider auch dem Konsumenten und der Konsumentin in Deutschland auch eigentlich egal. Und das ist der eine Grund, dass also nie nachgefragt wurde, bei den Kleinbauern das anders zu machen oder sie sozusagen zu sagen, wir möchten lieber biologisch hergestellten Kakao. Es wurde nie nachgefragt und zum anderen
Nicola51:09
Ja.
Frauke Fischer51:25
ist es eben, wie gesagt, es ist ja eigentlich unlogisch, dass man weniger Kakao anbaut, um mehr Kakao zu ernten. Und deswegen ist es auch nicht etwas, worauf man einfach mal so von selber kommt. Und bei uns war das auch so. Ja, also es ist eben unlogisch. wenn ich, also man denkt ja, also wenn ich einen Apfel, wenn ich in Deutschland Apfel haben will und man sagt mir, ja dann pflanze am besten nur ganz wenig Apfelbäume und pflanze alle möglichen anderen Bäume, dann würden wir denken, nee, das ist doch irgendwie unlogisch. Ich will ja viele Äpfel ernten.
Nicola51:35
Das muss man auch verstehen.
Frauke Fischer51:55
Und das Gleiche haben die Menschen natürlich da gedacht. Es hat sieben Jahre gedauert, bis der erste Kleinbauer da gesagt hat, er macht da mal mit. Er findet das irgendwie interessant, was wir da erklärt haben. Er war dann auch mal bei einem anderen Projekt, wo er sich so was angucken konnte. Und dann hat er gesagt, okay, dann probiere ich das mal aus. Und eine Sache habe ich ja noch quasi verheimlicht, was diesen Ertrag oder warum der Ertrag auch so groß ist. Und das hat mit dem besonderen Bestäuber zu tun.
Kakao wird nämlich hauptsächlich von zwei Arten von Mücken bestäubt. Die Mücken mögen es ja eben feucht und dunkel. Sie können nicht so besonders weit fliegen etc. Und das bedeutet, wenn man gesunde Mückenpopulation hat in so einem Agroforst-System, dann hat man eben auch eine hohe Bestäuberrate
Nicola52:35
Ja.
Frauke Fischer52:40
und dann erntet man auch viel
Nicola52:43
Gut, also ich sag mal, das mit dem Bestäuben kommt ja auch so langsam bei uns in Deutschland an. Wenn man sich wundert, immer weniger Bienen und warum blüht zwar mein Apfelbaum, aber ich habe keinen Apfelertrag mehr oder die Erntemenge ist nicht mehr so. Das sickert glaube ich so langsam ein bisschen, hoffe ich, ins Allgemeinwissen ein. hat denn bei
Frauke Fischer52:53
Mhm. Ja.
Mhm.
Genau, aber da sieht man natürlich auch schon, wenn die Menschen denken, dass Bienen bestäuben, also Bienen leisten nur einen ganz, ganz, ganz kleinen Teil, also Honigbienen vor allem, einen ganz kleinen Teil der Bestäubungsleistung. Wir brauchen Fliegen, brauchen Mücken, wir brauchen Schmetterlinge. In den Tropen brauchen wir Fledermäuse, wir brauchen Vögel. Es gibt Pflanzen, die werden sogar von Fischen bestäubt. die Honigbiene, eine Honigbiene zum Beispiel, ist nicht in der Lage, eine Kakaoblüte zu bestäuben.
Nicola53:17
Ja, Einschränkungen.
Frauke Fischer53:33
Also wenn man, wenn man, man kann da jede Menge Honigbienen reinstellen in so eine Kakaoanbau-Methode, man keine einzige Blüte, die könnten Bienen bestäuben.
Nicola53:43
Also ist das, was wir eher so als im Sommer, jetzt kommen wieder die Mücken und Fliegen und dieses ganze Fliegetier, eigentlich müssen wir ein bisschen groß sein. Wenn wir von der Autobahn kommen und das Auto ist dreckig vorne. Bei mir fällt spätestens dann auf, wenn ich mal ganz selten auf der Autobahn fahre, denke ich mir so, wow, ein sauberes Auto, wie geht das eigentlich?
Frauke Fischer53:50
Ja.
Genau. Ganz genau.
Ja, ja.
Nicola54:05
Aber nochmal zurück zur Kakaopflanze. Ist es auch so, dass besondere Arten, Sorten von Pflanzen dann auch dafür genutzt werden oder ist das bei den Kakaobohnen nicht so relevant?
Frauke Fischer54:19
Doch, doch. Wir verwenden ausschließlich Chuncho. Das ist die älteste Kakaosorte der Welt, die in Peru wahrscheinlich schon seit 4.000 Jahren von Menschen angebaut wird. Interessanterweise nicht, um die Kakaobohne zu nutzen, das sind ja die Samen der Kakaoschote, sondern das Fruchtfleisch zu nutzen. Und das merkt man eben auch bei unseren Schokoladen, weil die Menschen haben diesen Chuncho so ausgewählt, dass möglichst fruchtiges Fruchtfleisch da drumrum ist.
Nicola54:46
Ja, das ist doch lecker.
Frauke Fischer54:47
Und das bedeutet, auch unsere Schokoladen, genau, unsere Schokoladen schmecken eben sehr fruchtig. Und Chuncho ist heute eigentlich auch eine Pflanze, also sie ist jetzt nicht vom Aussterben bedroht aber ist eben sehr, sehr, sehr selten, weil man sagen kann, dass ja wahrscheinlich 95 Prozent der Kakaopflanzen auf der Welt, aus denen der Kakao in den Schokoladen kommt, das sind solche Hybrid-Sorten. Das sind so industrielle Kakaopflanzen, so Hochleistungspflanzen, die zwar Kakaobohnen, große Kakaobohnen erzeugen, aber eben nicht besonders wohl schmecken.
Nicola55:21
Mhm. Mhm. Mhm.
Frauke Fischer55:23
Und genau so wie bei uns bei Äpfeln, gibt viele verschiedene Äpfelsorten oder Birnensorten so es natürlich, ist es eben bei Kakao auch so. Oder es gab ursprünglich sehr, sehr viele verschiedene Kakaosorte.
Nicola55:33
Das heißt, so als kleines Zwischenfazit, also wir Verbraucher haben es jetzt gerade zum Thema Schokolade oder vielleicht auch zum Thema Kaffee doch irgendwie ein bisschen in der Hand, was wir nachfragen, was wir kaufen und auch wenn solche Schokolade schon immer ein bisschen teurer war als vielleicht die Schokolade, die immer im Angebot ist, so lohnt sich doch, weil man zum einen bisschen Hüftgold spart dafür, aber das was man isst an Qualität und Genuss vielleicht auch nochmal doppelt genießen kann.
Frauke Fischer56:05
Genau, also eigentlich muss man sagen, alle Schokoladen auf der Welt kosten genau gleich viel. Die Frage ist nur, wer zahlt. Und bei unseren Schokoladen zahlt eben die Person, die die Schokolade kauft, zum Wohle der Natur und der Menschen in Peru. Und bei anderen Schokoladensorten bezahlt letzten Endes die Natur und die Menschen in den Herkunftsländern dafür, dass wir es eben so besonders billig an diese Produkte...
Nicola56:25
Ja.
Ja, das ist eine wunderbare Überleitung genau zu dem Aspekt, was Unternehmen betrifft, die ihre Lieferketten genauer angucken sollten, müssen. Zumindest die großen, wenn sie in Unternehmen sind und beraten. Und jetzt, ich versuche es mal, einfache Frage, die wahrscheinlich gar nicht so einfach zu beantworten ist. Was ist bei Unternehmen der größte Hebel, ⁓ möglichst in kurzer Zeit weniger Schaden anzurichten.
Frauke Fischer57:02
Na ja, eigentlich muss man natürlich schon in seine eigene Lieferkette gucken. Denn es bringt ja wenig, wenn man im Zuge seiner eigenen Lieferkette gigantische Schäden erzeugt und dann einen Bruchteil davon nimmt, die einer Naturschutzorganisation zu spenden. Also und was denn der größte Hebel ist, es hängt dann natürlich von dem Kerngeschäft des Unternehmens ab. Also ein Unternehmen, was Lebensmittel produziert, das greift ja oder das kann natürlich direkt über die Erzeuger
Nicola57:17
Ja, ich bin.
Mmh.
Frauke Fischer57:32
zu sehen, dass da ökologischer und biodiversitätsfreundlich angebaut wurde, aber auch andere Sektoren. Also wenn wir zum Beispiel mal Wasser nehmen, es gibt keine einzige industrielle Produktion, die ohne sauberes Wasser auskommen könnte. Wasser wird erstens von Wäldern gefiltert und es wird und von Mooren und auch Feuchtgebieten und es wird vor allen Dingen nur von Wäldern weltweit verteilt. Das heißt, wenn wir Wälder zerstören, dann haben also wir zum Beispiel sind abhängig
Nicola57:46
Ja.
Frauke Fischer58:02
von den Wäldern auf der einen Seite im Kongobecken und auf der anderen Seite in Sibirien zum Beispiel oder in den sehr nördlichen Urwaldgebieten. Und die liefern uns Wasser.
Das heißt, wenn ich hier eine industrielle Produktion habe und mich in Zukunft aber nicht darum kümmern werde, dass diese Wälder erhalten werden, werde ich hier kein Wasser mehr haben. das verstehen viele Menschen nicht. Oder natürlich, wenn man es ihnen erklärt, verstehen sie es schon.
Aber viele Menschen, als ich in den 80er Jahren in der Schule war, da haben sich alle darüber lustig gemacht und immer gesagt, der Strom kommt aus der Steckdose. Aber heute ist es so, dass viele auch in Unternehmen, viele Menschen denken, der Wasser kommt doch aus dem Wasserhahn. Aber so ist es eben nicht. Wasser kommt von Ökosystemen.
Nicola58:46
Ja, ist eine unendliche Ressource und ist eine unendliche Ressource, was ja indirekt nimmt.
Frauke Fischer58:51
Hahahaha
Nicola58:54
Genau, wir sind gut, dass Sie das Thema Wasser ansprechen, weil das ja doch etwas ist, was uns Menschen zu Hause ja eher trifft als so was wie CO2. Also das ist so etwas diffuses. kann sagen, hat auch mit Feinstaub zu tun. Aber es ist so etwas, wo wir immer das Gefühl haben, wir haben es gar nicht so richtig selbst in der Hand selbstwirksam. Aber Wasser ist natürlich etwas, wenn es heißt, wie jetzt schon in Gemeinden, auch in Deutschland, nicht nur in Südspanien, sondern auch in Deutschland, die jetzt schon sagen,
Frauke Fischer59:05
Ja,
Nicola59:23
Wir müssen zum Wassersparen aufrufen, dass sie mir nicht nur beim Pool nicht gefüllt werden darf, sondern oft auch stundenweise nur noch größere Mengen abgefiltert werden kann. Ist Wasser etwas, was wir als Privatperson besser
Frauke Fischer59:28
Ja.
Nicola59:48
regulieren können, weil man ja doch auch immer hört, wenn ich weniger Trinkwasser zu Hause verbrauche oder bei der Klo-Spülung spare, sind die Rohre gar nicht drauf ausgelegt und es muss dann trotzdem Millionen von Liter Wasser durchgespült werden, damit es wieder sauber wird.
Frauke Fischer59:57
Mhm.
Ja, aber trotzdem müsste sich da ja was, also trotzdem sollte man, also das gleiche hatten wir übrigens auch mal mit Müll. Da hieß es dann ja, wenn man Müll vermeidet und so wenig und Müll trennt, wir haben ja riesige Müllkraftwerke gebaut, wovon, was sollen wir da jetzt eigentlich noch verbrennen. Aber das kann natürlich nicht sein, dass wir als Verbraucher dann denken, ja, okay, dann machen wir es weiter falsch, weil die Industrieanlagen oder die Anlagen sind dafür ausgerichtet. Also wir müssen auf jeden Fall heute fällt mir ein, ich zum ersten Mal bewusst im Wetterbericht gehört, dass der Meteorologe gesagt hat, am Wochenende wird es heiß, aber zum Glück wird es vorher noch regnen. Und das ist ja etwas, woran man auch sieht, was sich verändert hat. Also meinen, ich ein Kind war, da wäre man im Sommer, niemals hätte ein Meteorologe im Sommer gesagt, ach, ein Glück
Nicola1:00:55
Ja.
Frauke Fischer1:00:56
regnet es nochmal, sondern im Sommer hätte man immer gesagt,
Nicola1:00:56
Ja.
Frauke Fischer1:00:59
Hoffentlich regnet das im Sommer nicht so viel. Das hat sich schon in meiner Lebenszeit extrem gewandelt. Wir müssen alle wissen, das was wir kaputt machen, können wir nicht einfach wieder zurückdrehen. Es ist nicht so, wie wenn man ein Glas zerdeppert, dann ist das Glas kaputt. Es gibt keine technische Möglichkeit, das Glas wieder heil zu machen. So ist es mit Ökosystemen und den Leistungen der Ökosysteme auch.
Wir leben in dem Traum, in so einer Unendlichkeitsvermutung, dass das alles immer vorhanden ist. Aber das ist alles immer nur vorhanden, wenn wir wirklich ganz massiv die Natur anfangen zu schützen.
Nicola1:01:39
Ja, und wie Sie gesagt haben, wenn kein Wasser mehr da ist zum Trinken oder es voller Mikroplastik ist, wenn die Luft nicht mehr sauber ist, die wir atmen, Dann ist auch die Frage, wie diese ganze Longevity-Maßnahmen, die man manchmal liest, die einem vorkommen wie abgespaced, man denkt so Ja, was hat das noch für ein Ziel?
Frauke Fischer1:02:01
Man möchte ja lange gesund leben und nicht lange krank leben. sind so bisschen darauf, so wie wir mit dem Planeten umgeben, wird es dazu führen, dass sehr viele Menschen sehr viel kürzer leben. Vor allem in Ländern, nicht Industrienation sind, aber letzten Endes bei uns auch. Diese Hitzewellen führen bei alten Menschen zum Beispiel zu einer absolut verstärkten Todesrate.
Nicola1:02:06
Very fast!
Frauke Fischer1:02:30
Das merkt man dann vielleicht gar nicht so, aber ich kann mich erinnern, letztes oder vorletztes Jahr sind allein in Frankreich gab es 40.000 Hitze Tote. Weil das eben häufig ältere Menschen betrifft, denkt man, naja, die sind halt alt, die wären jetzt sowieso gestorben sozusagen. Aber so ist das eben nicht. Das hat mit dieser großen Hitze vor allem den langen natürlich auch in Städten zu
Nicola1:02:42
Genau.
Also wir denken ja bei Hitze dann immer so, das Gras ist jetzt so steppig und nicht mal grün, sondern gelb und die Tiere muss man jetzt auch so ein bisschen nicht nur füttern, sondern auch bewässern, sondern dass es auch uns Menschen dann endlich inzwischen schon trifft. Einerseits kann man sagen, okay, da gibt es vielleicht eine höhere Sensibilisierung dafür, dass wir nicht unabhängig davon sind, was in der Natur passiert.
Frauke Fischer1:03:00
Mhm.
Ja.
Nicola1:03:20
Aber es ist natürlich im Gesamten gesehen ein Drama, weil eben jeder Schritt weiter nach vorne nicht wieder zurückgenommen werden kann. Aber trotzdem, also bei der Schokolade haben wir gelernt, dass man schon darauf achten kann, welche Schokolade man kauft, woher die Kakaobohnen kommen und diejenigen, die es gut machen, die haben das meistens auch auf ihrer Verpackung draufgeschrieben.
Das ist nicht in irgendwelchen Zutatenlisten unter ferner liefen gar nicht mehr erwähnt. Zum Schluss nochmal...
Frauke Fischer1:03:53
Also bei der Zutatenliste, vielleicht kann man bei der Zutatenliste bei Schokolade kann man schon auch erkennen, ob das eher eine bessere oder schlechtere Je kürzer die Zutatenliste ist, umso besser.
Nicola1:04:01
Ja, das sowieso immer generell. Also je Kürzer, in der Kürze liegt die Würze, sage ich mal, der Zutatenliste und wenn ich sie schon gar nicht mehr verstehe, dann sollte man eigentlich das Produkt eher wieder weglegen. So ist zumindest mein Ansinnen da immer. Wir sind leider schon fast am Ende, aber das heißt auch, gibt noch eine spannende
Frauke Fischer1:04:18
Ja.
Nicola1:04:27
Experten 100 plus Frage und zwar, wenn Sie uns nur eine Maßnahme mit auf den Weg geben, wie wir unsere eigene Gesundheit in Verbindung mit der Gesundheit der Natur, des Planeten verbinden können zu einem besseren und vielleicht sogar längeren Leben. Was würden Sie uns damit auf den Weg geben?
Frauke Fischer1:04:50
Wenn es die einzige Maßnahme ist, dann würde ich sagen, legen Sie sich alle mal in eine Hängematte in einem schönen naturnahen Garten. Dann wird das Ihr Leben verlängern und wenn Sie einen naturnahen Garten haben, dann hilft das ja auch der Natur.
Nicola1:05:07
Sehr schön. Vielen Dank. Das kann man sich direkt schon bildhaft vorstellen. Vielleicht kann sich der eine oder andere direkt schon am Wochenende jetzt und die nächsten Tage, wo es wärmer werden soll, direkt in die Tat umsetzen. Ganz herzlichen Dank, Frau Dr. Frauke Fischer. Alles, was Sie erwähnt haben, auch Ihr Kakao-Projekt in Peru verbinde ich, verlinke ich in den Show Notes, sodass alle, die da drin Interesse gefunden haben, da direkt nachgucken können.
Frauke Fischer1:05:34
Schön.
Nicola1:05:36
Ansonsten ja, es ist ein sehr weites Feld, das Thema Biodiversität. konnten es leider nur ankratzen, aber immerhin vielen Dank dafür für Ihre Ideen.
Frauke Fischer1:05:44
Genau. Sie können ja gerne zu meinen Büchern auch verlinken, dann können die Leute das alles nochmal in Ruhe nachlesen. Super.
Nicola1:05:52
Das mache ich auf jeden Fall. Jeder Leser mehr hilft vielleicht auch diese Welt ein bisschen. Ja, naturnaher wieder zu machen. Für heute ganz herzlichen Dank und viele Grüße.
Frauke Fischer1:06:06
Danke sehr, tschüss!
Nicola1:06:09
Also die nächste Hängematte, die ist meine. Ich habe ja tatsächlich mal ein halbes Jahr lang in der Hängematte übernachtet. Nämlich als ich durch Südamerika gereist bin in Brasilien, da war die Hängematte sozusagen mit im Rucksack und das war die einfachste, die hygienischste ehrlich gesagt und die billigste Art und Weise dort zu übernachten. ja gut, aber in letzten Jahren habe ich das jetzt auch nicht mehr gemacht. Ich versuche das wieder nachzuholen.
Und ich werde mich auch zügeln, in Zukunft mich über fliegende Insekten zu beschweren, weil, ja, es stimmt ja echt, ne? Wir müssen ja inzwischen froh sein, wenn welche da sind. Mir war aber nicht bewusst, dass selbst eine Fledermaus ein Bestäuber ist. Keine Ahnung gehabt. Was ich aber dagegen wusste, ist, ja, irgendjemand bezahlt immer.
Und ich finde es schon immer schlimm, dass auch große Firmen, bekannte Marken oftmals damit werben, dass sie irgendwas spenden oder ja, irgendwo Bäume anpflanzen. Und das ist für mich so ein Wegspenden von eigener Verantwortung. Ich war ja selbst Unternehmerin und ich weiß, wie schwierig es ist, manchmal in der Umsetzung. Aber wenn wir nicht zu unserer Verantwortung stehen, auch ja.
für die Natur auch gute Verhältnisse zu schaffen, weil wir dauernd von ihr entnehmen, dann wird das eben nichts. Naja, aber die Zutatenliste, die ist wirklich immer spannend. Und wer von euch eine Zutatenliste bislang noch nicht so ausführlich liest im Supermarkt, wenn du was einkaufst?
Vielleicht machst du das bitte in Zukunft, denn es ist wirklich so, je kürzer die ist, umso besser ist im Zweifel das Produkt, weil nicht so viel Mist mit an Zusatzstoffen reingepanscht wurde. Und du kriegst ein bisschen Gefühl dafür auch, woher kommen eigentlich die Produkte, also welchen Weg haben die eigentlich hinter sich. Und man kommt vielleicht auch mal auf den Gedanken zu hinterfragen, wenn aus einem trockenen Land wie Peru die ganzen Avocados kommen oder inzwischen ich habe gesehen Heidelbeeren und Himbeeren, dann denke ich mir auch so, kann doch nicht sein, dass Kleine Nicola hier in Düsseldorf die Himbeeren isst, die aus Peru kommen, oder? Also, ja, also das sind wir schon ein bisschen auch in der Verantwortung, finde ich zumindest. Aber deswegen gibt es ja auch ganz neu die 30 Pflanzen pro Woche Challenge.
Nicola1:09:02
Der Hintergrund der 30 Pflanzen pro Woche Challenge ist ja ein ganz einfacher. Wer von euch den Podcast regelmäßig hört, der ist ja schon vertraut mit den Themen, ja, also mehr Pflanzen essen tut nicht nur uns gut, sondern eben auch dem Planeten. Und dass die Vielfalt eine sehr große Rolle spielt und dass alles, was bei uns in der Körpermitte landet, wirklich zum Kraftwerk Immunsystem beiträgt.
das uns gesünder durchs Leben trägt, weil eben die Selbstheilungskräfte damit auch angekurbelt werden können. Und noch ganz viel mehr. Ich will jetzt gar nicht alles ausbreiten, aber euch dazu motivieren, es mal anzugucken. Also die 30 Pflanzen pro Woche Challenge ist eine Challenge, da musst du auf nichts verzichten. Es geht nicht um Verbote. Wir sprechen nicht über Fleisch ja oder nein, Alkohol oder Koffein? Nein. Das einzige, worauf du achten kannst, ist zu sagen, bekomme ich das hin, mit meiner Nahrung eben 30 unterschiedliche Pflanzenarten zu essen pro Woche? Weil wenn das der Fall ist, dann ist es wissenschaftlich wirklich ganz fundiert in mehreren Studien nachgewiesen, dass dann hier eine blühende Wiese ist. Und wenn in deinem Darm eine blühende Wiese ist, Ja, dann kann es eigentlich besser gar nicht mehr sein. So, und da muss man ein bisschen hingucken. Da kommen wir auf die Zutatenlisten, dass man da drauf liest. Das hat auch das Thema, dass eben weniger hochverarbeitete Lebensmittel gegessen werden, weil da weißt du ja gar nicht mehr was drin ist, sondern dass du auch vielleicht eher frisch zubereitest oder zumindest frisch einkaufst. Und ja, so ein bisschen Gefühl bekommst dafür.
was du eigentlich über den Tag alles deinem Körper gibst und idealerweise, und da sind wir wieder bei Professor Alldinger, flutscht es auch umso besser hinten wieder raus und so geht der Kreislauf in Gang, weil das geht ja wieder in die Natur zurück, bestenfalls als Dünger. Da wächst die Vielfalt und diese Vielfalt nehmen wir auf und landet hier. Also ihr habt schon verstanden, ich muss hier nicht immer wieder den Kreis drehen.
Auch dazu gibt es ein Wochen-Tracking-One-Pager, einer Seite, wo ihr wirklich eintragen könnt, was nehmt ihr denn jeden Tag zu euch. Das ist wie so ein kleines Tagebuch, ist gar nicht aufwendig und dann könnt ihr sehen, ihr habt schon 5 von 30 oder 8 von 30 da gegessen und ich kann euch einen Tipp geben. ein einfaches Butterbrot, aber eben mit einem Vollkornbrot hat schon neun Zutaten, also neun von 30, also nicht Zutaten, sondern Pflanzen, die auf diese Challenge einzahlen. Dazu gibt es auch eine neue Community 100+ weil ja, dir geht es vielleicht so wie mir. Ich finde, gemeinsam geht es immer einfacher und jeder hat schon so seine Hacks und Erfahrungen und kann sich austauschen und auch Fragen stellen, wenn er unsicher ist bei dem einen oder anderen. Und deswegen gibt es jetzt die How to enjoy 100 + Community auf WhatsApp. Mit den beiden Challenges auch. Einmal die, die uns in Bewegung bringen soll. Vier Stunden gegen Demenz und auch eben jetzt diese 30 Pflanzen pro Woche. Guck einfach mal rein. Mir geht es darum und da würde ich mich total freuen, wenn wir es gemeinsam einfach schaffen, diese vielen Erkenntnisse von all den tollen Experten auch heute wieder einfach ins Machen zu bekommen und dass wir direkt merken bei der Umsetzung, egal ob wir uns mehr bewegen oder eben mal auf die Pflanzenarten und Vielfalt gucken, die wir zu uns nehmen, dass wir merken, es kann uns damit direkt schon besser gehen und diese Langzeiteffekte mit Demenzvorsorge oder eben Gesundheit, Selbstheilungskräfte auch langfristig aufrechtzuerhalten und schwere Gesundheit.
schwere Krankheiten im Zweifel damit zu vermeiden. Das ist so die große Karotte, aber ja, wir gucken mal, was wir Tag für Tag eigentlich schon für Fortschritte spüren. Ich würde mich freuen, wenn ihr alle mal reingucken würdet, mal sehen, ob es was für euch ist. Ansonsten, ja, in zwei Wochen gibt es den nächsten Podcast mit wieder zwei tollen Experten und so viel kann ich schon verraten.
Die werden uns helfen so ein bisschen noch mal an unserem inneren Schweinehund zu arbeiten. Also bis dahin, ich freue mich auf eure Kommentare, eure Ideen und habt eine ganz wunderbare Zeit, eure Nicola.
Transkript der Folge „Biodiversität und Langlebigkeit: Warum deine Gesundheit von der Vielfalt der Natur abhängt“ — automatisch erstellt und redaktionell geprüft.
Langlebigkeit hat mit Gesundheit zu tun – und unsere Gesundheit hängt komplett von der Vielfalt der Natur ab. Biodiversitätsexpertin Dr. Frauke Fischer zeigt am Beispiel Schokolade, wie eng unser Einkauf mit Regenwald, Wasser und Bestäubern verknüpft ist, und gibt einen überraschend entspannten Tipp für ein längeres Leben.
Was hat Biodiversität mit meiner Langlebigkeit zu tun
Sehr viel. Langlebigkeit hat mit Gesundheit zu tun – und unsere Gesundheit ist absolut abhängig von den Leistungen der Natur. Vereinfacht gesagt: Jeden Schluck Wasser, jeden Atemzug, alles, was wir essen, verdanken wir der Natur.
Wenn die Natur ihre Leistung nicht mehr erbringen kann – kein sauberes Trinkwasser, nicht genug zu essen – sterben Menschen früher. Und ein ungesunder Lebenswandel bedeutet oft: wenig von dem nutzen, was die Natur bereitstellt, und viel Verändertes zu sich nehmen.
Wie viel Regenwald zerstört billige Schokolade
Eine wissenschaftliche Studie hat es berechnet: Statistisch zerstört jeder Deutsche pro Jahr 40 Quadratmeter Regenwald durch den Konsum billiger Schokolade. Bei über 80 Millionen Menschen kommt über die Jahre enorm viel zusammen.
Der Grund: Die klassische Anbaumethode rodet Regenwald – meist durch Brandrodung –, baut Kakao in Monokultur an, bis der Boden ausgelaugt ist, und brennt dann das nächste Stück ab. Tropische Regenwälder regenerieren sich erst über Jahrhunderte bis Jahrtausende. Kakao gehört damit zu den Top 5 der Rohstoffe, die für die Zerstörung tropischer Regenwälder verantwortlich sind.
Warum bringt Mischanbau mehr Ertrag als Monokultur
Das klingt zunächst unlogisch – auch die Bauern in Peru waren skeptisch: weniger Kakao pflanzen, um mehr zu ernten? Doch genau so funktioniert das Agroforst-System, bei dem Kakao zusammen mit vielen einheimischen Pflanzen wächst.
- Kakao ist ursprünglich eine Pflanze des Regenwald-Unterwuchses – sie mag es schattig, feucht und relativ dunkel, nicht die pralle Sonne.
- Im Mischanbau wachsen Schattenbäume, schnellwachsende Holzarten und Lebensmittelpflanzen wie Bananen, Papaya, Zimt, Avocado und Chili auf einer Fläche.
- Entscheidend ist der Bestäuber: Kakao wird hauptsächlich von zwei Mückenarten bestäubt, die es feucht und dunkel mögen. Eine gesunde Mückenpopulation im Agroforst bedeutet eine hohe Bestäuberrate – und damit höhere Erträge.
Warum machen es die Grossen nicht so? Schokoladenproduzenten kaufen einen Rohstoff auf dem Weltmarkt – wie er entsteht, spielt in ihren Bilanzen keine Rolle. Und biodiversitätsfreundlicher Kakao wurde von Konsument:innen lange nicht nachgefragt.
Welche Rolle spielen Bestäuber wirklich
Wir denken bei Bestäubung sofort an Bienen – dabei leisten Honigbienen nur einen winzigen Teil. Eine Honigbiene kann eine Kakaoblüte gar nicht bestäuben. Du könntest beliebig viele in eine Kakaoplantage stellen, ohne dass eine einzige Blüte bestäubt würde.
Bestäubung leisten Fliegen, Mücken, Schmetterlinge – in den Tropen auch Fledermäuse und Vögel, manche Pflanzen werden sogar von Fischen bestäubt. Das «lästige Fliegetier» im Sommer ist also wertvoll: Ein sauberes Auto nach der Autobahnfahrt ist eher ein schlechtes Zeichen.
Warum kommt unser Wasser nicht aus dem Wasserhahn
Keine industrielle Produktion kommt ohne sauberes Wasser aus – und Wasser kommt aus Ökosystemen, nicht aus dem Wasserhahn. Es wird von Wäldern, Mooren und Feuchtgebieten gefiltert und vor allem von Wäldern weltweit verteilt.
Wir sind abhängig von Wäldern etwa im Kongobecken oder in Sibirien. Zerstören wir sie, fehlt uns hier das Wasser. Und was einmal kaputt ist, lässt sich nicht zurückdrehen – wie ein zerbrochenes Glas, das man technisch nicht wieder heil machen kann. Die Folgen sind längst spürbar: Hitzewellen erhöhen die Todesrate, allein in Frankreich gab es in einem Jahr rund 40.000 Hitzetote.
Was kann ich als Verbraucher:in konkret tun
- Wenig verarbeitete Lebensmittel kaufen – lieber Mehl, Hefe, Tomaten und Käse als die fertige Tiefkühlpizza.
- Die Zutatenliste lesen: Je kürzer sie ist, desto besser das Produkt. Was du nicht mehr verstehst, lieber zurücklegen.
- Bei Schokolade auf Herkunft und Anbau achten – wer es gut macht, schreibt es meist auf die Verpackung.
- Saisonal und regional denken: Hinterfragen, warum Avocados, Heidel- oder Himbeeren aus einem trockenen Land wie Peru kommen.
- Möglichst 30 verschiedene Pflanzenarten pro Woche essen – gut für das Mikrobiom und für die Vielfalt.
Wichtig ist die Verantwortung: Alle Schokoladen kosten eigentlich gleich viel – die Frage ist nur, wer zahlt. Bei fairer Schokolade zahlt die kaufende Person zum Wohle von Natur und Menschen; bei billiger Schokolade zahlen die Natur und die Menschen in den Herkunftsländern.
Der 100+ Expertentipp
Auf Nicolas Schlussfrage nach der einen Massnahme, die eigene Gesundheit mit der Gesundheit der Natur zu verbinden, antwortet sie überraschend entspannt:
«Wenn es die einzige Massnahme ist, dann würde ich sagen, legen Sie sich alle mal in eine Hängematte in einem schönen naturnahen Garten. Dann wird das Ihr Leben verlängern und wenn Sie einen naturnahen Garten haben, dann hilft das ja auch der Natur.»
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Beim nächsten Einkauf die Zutatenliste lesen – je kürzer, desto besser – und ein hochverarbeitetes Produkt gegen eine frische Alternative tauschen.
Bei Schokolade, Kaffee und Co. bewusst auf Herkunft und Anbau achten und sich einen naturnahen Garten (samt Hängematte) gönnen – gut für dich und die Natur.
Die 30-Pflanzen-pro-Woche-Challenge starten: mehr Vielfalt für dein Mikrobiom und gleichzeitig mehr Nachfrage nach biodiversitätsfreundlichen Lebensmitteln.
Damit du morgen früh noch daran denkst
Der tägliche 100+ Funke: ein Impuls am Morgen, in zehn Sekunden gelesen — und du bist wieder bei deinem nächsten kleinen Schritt.
So sah der Funke am 16. Juli aus:
„Heute eine einzige Sache, nur für dich: fünf Minuten Stille, ein Glas Wasser am offenen Fenster, ein tiefer Atemzug — bewusst, ohne schlechtes Gewissen. Wer für alle sorgt, vergisst sich selbst zuerst. Heute nicht. Tipp auf „Gemacht". 💛“
Nicolas Selbsttest
Die nächste Hängematte ist meine. Ich habe tatsächlich mal ein halbes Jahr lang in der Hängematte übernachtet, als ich durch Südamerika gereist bin – in Brasilien war sie im Rucksack dabei, die einfachste, hygienischste und billigste Art zu übernachten. In den letzten Jahren habe ich das nicht mehr gemacht, aber ich versuche, es nachzuholen.
Ich werde mich zügeln, mich künftig über fliegende Insekten zu beschweren – wir müssen ja inzwischen froh sein, wenn welche da sind. Dass selbst eine Fledermaus ein Bestäuber ist, hatte ich keine Ahnung.
Was ich dagegen wusste: Irgendjemand bezahlt immer. Ich finde es schlimm, dass grosse Marken damit werben, etwas zu spenden oder Bäume zu pflanzen – für mich ist das ein Wegspenden von eigener Verantwortung. Und ich denke an die Himbeeren aus Peru, die hier in Düsseldorf landen: Da sind wir schon in der Verantwortung.
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Häufige Fragen
Wie hängt Biodiversität mit meiner Gesundheit zusammen?
Unsere Gesundheit ist vollständig von den Leistungen der Natur abhängig: sauberes Wasser, saubere Luft und Nahrung. Langlebigkeit bedeutet, lange gesund zu leben – und das geht nur, wenn die Ökosysteme funktionieren. Zerstören wir die Natur, zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlage.
Wie viel Regenwald zerstört Schokolade?
Laut einer wissenschaftlichen Studie zerstört statistisch jeder Deutsche pro Jahr rund 40 Quadratmeter Regenwald durch den Konsum billiger Schokolade. Kakao zählt zu den Top 5 der Rohstoffe, die für die Zerstörung tropischer Regenwälder verantwortlich sind, weil meist per Brandrodung Monokulturen angelegt werden. Diese Wälder regenerieren sich erst über Jahrhunderte bis Jahrtausende.
Warum bringt der Mischanbau von Kakao mehr Ertrag?
Kakao ist eine Pflanze des Regenwald-Unterwuchses und mag es schattig und feucht, nicht die volle Sonne. Im Agroforst-System wächst er mit vielen anderen Pflanzen und profitiert von seinen besonderen Bestäubern – zwei Mückenarten, die feuchte, dunkle Bedingungen brauchen. Eine gesunde Mückenpopulation sorgt für hohe Bestäubung und damit höhere Erträge als in der Monokultur.
Können Bienen alles bestäuben?
Nein. Honigbienen leisten nur einen kleinen Teil der Bestäubung. Eine Honigbiene kann zum Beispiel eine Kakaoblüte gar nicht bestäuben. Wichtig sind auch Fliegen, Mücken, Schmetterlinge sowie in den Tropen Fledermäuse und Vögel – manche Pflanzen werden sogar von Fischen bestäubt.
Woran erkenne ich gute Lebensmittel im Supermarkt?
Eine einfache Faustregel: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser das Produkt. Was du nicht mehr verstehst, solltest du eher zurücklegen. Kaufe möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel und achte bei Produkten wie Schokolade auf Herkunft und Anbau – seriöse Anbieter schreiben das meist auf die Verpackung.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:

