Blutzucker stabil halten: Wie du die Achterbahn stoppst – ohne auf Süsses zu verzichten
Folge #17 · mit Marie-Luise Huber
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Das Wichtigste in Kürze
- Müdigkeit eineinhalb Stunden nach dem Essen ist ein typisches Anzeichen für eine Blutzuckerspitze – idealerweise wärst du dann noch satt, nicht müde.
- Die Blutzucker-Achterbahn entsteht, wenn der Körper auf einen schnellen Anstieg mit zu viel Insulin reagiert, der Blutzucker abstürzt und Heisshunger nach schnellen Kohlenhydraten folgt.
- Dauerhafte Spitzen begünstigen Insulinresistenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zellalterung (Falten) – manche Forscher nennen Alzheimer sogar Diabetes Typ 3.
- Jeder reagiert individuell auf Lebensmittel – die Expertin verträgt Pasta gut, bei Kartoffeln steigt ihr Blutzucker durch die Decke.
- Bewegung nach dem Essen wirkt stärker auf den Blutzucker als der oft gehypte Apfelessig – und tut Psyche und Muskeln gut.
- Frauen reagieren zyklusabhängig stärker; Intervallfasten ist für viele Frauen eher eine Stressbelastung.
Heisshunger, das Mittagstief nach der Pasta, die Lust auf Gummibärchen am Nachmittag – das alles hat mit deinem Blutzucker zu tun. Ernährungswissenschaftlerin und Diätologin Marie-Luise Huber erklärt, wie die Blutzucker-Achterbahn entsteht, warum stabile Werte dich nicht nur jünger, sondern auch energiegeladener machen – und mit welchen einfachen Hacks du das schaffst, ganz ohne auf Süsses zu verzichten.
Warum sollte ich Blutzuckerschwankungen vermeiden?
Wenn wir Kohlenhydrate essen, steigt der Blutzucker an – das wollen wir auch. Der Körper schüttet dann das Hormon Insulin aus, das Huber als „Schlüssel beschreibt, der unsere Zellen aufsperrt“, damit der Zucker als Energie in die Zellen kommt. Leichte Kurven sind völlig erwünscht.
Problematisch sind die krassen Spitzen: Bei grossen Mengen oder einfachen Kohlenhydraten steigt der Blutzucker schnell und hoch, der Körper schüttet mehr Insulin aus als nötig, und der Blutzucker fällt stark ab. Genau dann kommen Müdigkeit, Kopfschmerzen und der Griff zu den nächsten schnellen Kohlenhydraten – die Achterbahn beginnt.
Was richten dauerhaft hohe Blutzuckerspitzen langfristig an?
Wiederholte krasse Spitzen können dazu führen, dass der Körper insulinresistent wird: Er reagiert irgendwann nicht mehr auf das Insulin-Signal, der Blutzucker bleibt erhöht – ein Kernproblem bei Diabetes.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil der Blutkreislauf nicht mehr richtig funktioniert.
- Zellalterung – Studien verbinden vermehrte Blutzuckerspitzen mit schnellerer Alterung und mehr Falten.
- Manche Forscher bezeichnen Alzheimer als Diabetes Typ 3.
Kurz gesagt: Der Blutzucker geht uns alle an, nicht nur Menschen mit Diabetes. Stabile Werte bedeuten mehr Energie im Alltag und langfristig gesünderes Altern.
Muss ich auf Süsses verzichten?
Nein. Huber selbst isst fast jeden Tag etwas Süsses und betont: „Es gibt gar keine süssen Sünden.“ Es geht nicht um Verzicht, sondern darum zu verstehen, wie der Körper reagiert und wie man damit umgeht.
Ihr Leitprinzip ist die 80-20-Regel: 80 % gesunde, bewusste Entscheidungen, 20 % Genuss. Und ein konkreter Tipp: Süsses nicht einfach zwischendurch essen, sondern als Dessert nach einer Mahlzeit – das wirkt sich deutlich besser auf den Blutzucker aus.
Wie senke ich Blutzuckerspitzen im Alltag?
- Reihenfolge beim Essen: erst Gemüse und Salat, dann Eiweiss (Fleisch, Fisch, Tofu), dann die Kohlenhydrate – und Süsses zum Abschluss statt zwischendurch.
- Kohlenhydrate bekleiden: mit Ballaststoffen, gesunden Fetten und Proteinen kombinieren, damit der Zucker langsamer in die Blutbahn kommt.
- Mehr Biss: je grobblättriger und faserreicher (z. B. grosse Haferflocken), desto besser für den Blutzucker.
- Bewegung nach dem Essen: ein Verdauungsspaziergang wirkt stärker als Apfelessig – und tut zugleich Psyche und Muskeln gut.
Zum oft gehypten Apfelessig sagt Huber klar: Er ist nicht der beste Trick. In ihren Daten hatte der milde, naturtrübe Bio-Apfelessig den geringsten Effekt, während ein scharfer Reinigungsessig stärker wirkte – aber den empfiehlt sie aus Geschmacksgründen nicht. Bewegung schlägt deutlich mehr Fliegen mit einer Klappe.
Reagieren Frauen und Männer unterschiedlich?
Ja. Bei Frauen schwankt die Insulinsensitivität mit dem Zyklus – vor allem die drei, vier Tage vor der Periode können den Blutzucker stärker Achterbahn fahren lassen und Heisshunger auf Schokolade oder Gummibärchen auslösen. Auch Wechseljahre verändern die Lage.
Bei Männern ist der Blutzucker eher stabil über die Jahre. Hier geht es meist eher darum, Gewohnheiten und Ernährungsmuster zu durchbrechen und bei der Hauptmahlzeit anzusetzen. Stress kann allerdings bei beiden Geschlechtern alte Muster reaktivieren – denn Cortisol und Insulin stehen in direktem Austausch.
Lohnt sich Blutzucker-Tracking auch ohne Diabetes?
Huber findet: ja. Ein Sensor ist eine Möglichkeit, sich wieder besser mit dem eigenen Körper in Einklang zu bringen und seine Signale zu verstehen. Man muss ihn nicht dauerhaft tragen – aber immer mal wieder als „Reset-Button“ kann viel bringen.
Auch ohne Sensor geht es: Checke nach 45 und 90 Minuten ein, wie du dich fühlst, und notiere, was du gegessen hast – am besten mit Zettel und Stift. So erkennst du deine ganz persönlichen Muster und gewinnst Selbstwirksamkeit zurück.
Wichtig: Diese Tipps ersetzen keine ärztliche Behandlung. Wer einen erhöhten Langzeitblutzucker (HbA1c) hat oder an Diabetes erkrankt ist, sollte das ärztlich begleiten lassen – allein durch Verzicht auf Süsses verbessert sich der Langzeitwert nicht sofort, er bezieht sich auf rund drei Monate. Intervallfasten ist nicht für jede:n geeignet: Für Frauen vor den Wechseljahren, mit Kinderwunsch oder hormonellen Dysbalancen kann es eine zusätzliche Stressbelastung sein.
Der 100+ Expertentipp
Auf Nicolas Standardfrage nach der einen Maßnahme für ein längeres, gesünderes Leben antwortet Marie-Luise Huber – neben Bewegung – mit bewusstem Essen:
„Sich wirklich die Zeit fürs Essen zu nehmen, sich bewusst hinzusetzen, ein paar tiefe Atemzüge zu machen, mal wieder zu schmecken. Schaut, welche Texturen und Farben ihr auf dem Teller habt – und nicht nebenbei fernsehen oder E-Mails bearbeiten. Wir haben oft verlernt, dass Essen Spass machen kann und nicht nur ein Muss ist. Und das hilft tatsächlich auch dem Blutzucker – indirekt, aber dennoch.“
Nicolas Selbsttest
Ich gebe es zu: Ich habe selbst einen süssen Hieb. Umso beruhigender war für mich, dass selbst die Expertin täglich Süsses isst und mir eben nicht sagt: kein Zucker mehr, egal in welcher Form. Diese 80-20-Regel und das bewusste Essen – das nehme ich mit.
Eine Sache habe ich sofort übernommen: die Reihenfolge beim Essen. Erst Salat und Gemüse, dann Fleisch, Fisch oder Tofu, dann die Beilagen wie Kartoffeln oder Nudeln – und wenn Süsses, dann als Abschluss. So wird der Zucker schön „eingejuckelt“ und schlägt nicht direkt durch wie ein Eis zwischendurch. Das lässt sich super in die Hauptmahlzeiten einplanen und nimmt mir ganz nebenbei das Snacken zwischendurch.
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Iss in der richtigen Reihenfolge: erst Gemüse/Salat, dann Eiweiss, dann Kohlenhydrate – und Süsses als Dessert statt zwischendurch.
Geh nach dem Essen spazieren und kombiniere Kohlenhydrate mit Ballaststoffen, gesunden Fetten und Proteinen – so glättest du die Kurve gleich doppelt.
Mach eine Woche zum Experiment: Tagebuch führen oder zeitweise einen Sensor tragen, nach 45 und 90 Minuten einchecken – und deine ganz persönlichen Muster erkennen.
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Häufige Fragen
Was ist die Blutzucker-Achterbahn?
Sie entsteht, wenn der Blutzucker nach einer Mahlzeit schnell und hoch ansteigt, der Körper daraufhin mehr Insulin ausschüttet als nötig und der Blutzucker stark abfällt. Das löst Müdigkeit, Kopfschmerzen und Heisshunger nach schnellen Kohlenhydraten aus – die wieder eine Spitze verursachen. Ziel ist, diese krassen Spitzen zu vermeiden, leichte Kurven sind dagegen erwünscht.
Muss ich auf Süsses verzichten, um meinen Blutzucker zu stabilisieren?
Nein. Es geht nicht um Verzicht, sondern um den Umgang. Süsses am besten als Dessert nach einer Mahlzeit essen statt zwischendurch, denn dann steigt der Blutzucker weniger stark an. Die 80-20-Regel hilft: 80 % bewusste, gesunde Entscheidungen, 20 % Genuss. So bleibt Essen Genuss und nicht Verzicht.
Hilft Apfelessig wirklich gegen Blutzuckerspitzen?
Apfelessig kann helfen, ist aber nicht der beste Trick. In den Daten der Expertin hatte milder, naturtrüber Bio-Apfelessig den geringsten Effekt, während ein scharfer Essig stärker wirkte – den empfiehlt sie aus Geschmacksgründen aber nicht. Bewegung nach dem Essen hat einen viel grösseren Effekt und tut zugleich Psyche und Muskeln gut.
Warum werde ich nach dem Essen so müde?
Müdigkeit etwa eineinhalb Stunden nach dem Essen ist ein typisches Zeichen für eine Blutzuckerreaktion. Bei vielen Menschen tritt sie auf, wenn der Blutzucker stark abfällt, bei manchen auch beim starken Anstieg. Idealerweise fühlt man sich 90 Minuten nach dem Essen satt, aber nicht müde. Einchecken und notieren, was man gegessen hat, hilft, die Muster zu erkennen.
Ist Intervallfasten gut für stabilen Blutzucker?
Nicht pauschal. Ein kleineres Essensfenster bedeutet nicht automatisch weniger Schwankungen – wenn man darin ständig snackt, kann der Blutzucker sogar erhöht bleiben. Für Frauen vor den Wechseljahren, mit Kinderwunsch oder hormonellen Dysbalancen kann Intervallfasten zusätzlich Stress bedeuten. Sinnvoller sind oft Pausen von drei bis vier Stunden zwischen den Mahlzeiten.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:

