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Selbstfürsorge

Pflanzenheilkunde im Alltag: Wie du mit Wildkräutern Vorsorge betreibst und besser durch die Wechseljahre kommst

Folge #5 · mit Ruby Nagel

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Das Wichtigste in Kürze

Heilwissen über Pflanzen ist älter als die Schulmedizin – und lässt sich erstaunlich leicht in den modernen Alltag holen. Heilpraktikerin Ruby Nagel zeigt, wie du Wildkräuter und Küchenkräuter nutzt, um Vorsorge zu betreiben, und welche konkreten Heilpflanzen Frauen in den Wechseljahren und Männern in der Andropause helfen. Du nimmst mit, wie du die empfohlenen 30 Pflanzenarten pro Woche ganz nebenbei isst.

Was ist der Unterschied zwischen Wildkräutern und kultivierten Heilpflanzen?

Eine kultivierte Pflanze wird vom Gärtner umsorgt: Bei zu viel Sonne wird gegossen, bei Kälte kommt eine Folie drüber. Sie muss sich also nie in vollem Umfang selbst schützen. Eine Wildpflanze hingegen muss sich allein verteidigen – gegen Rehe, Trockenheit, Feuchtigkeit, Bakterien, Viren und Pilze.

Dadurch bildet sie viel stärkere Stoffe aus: Sie ist stärker antiviral, antibakteriell und besser an ihre Umgebung angepasst. Genau deshalb hat sie eine dichtere Nährstoffdichte und mehr Mineralien. Trotzdem gilt: Im Ergebnis sind beide besser als nichts, und nicht jede Heilpflanze wächst bei uns wild.

Wo liegt die Grenze zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin?

Bei der Vorsorge gibt es kaum Grenzen – hier ist Pflanzenheilkunde besonders stark. Es ist viel leichter, präventiv zu arbeiten, als etwas auszumerzen, das sich über Jahre ins System eingeschlichen hat. Wer sich ausgewogen ernährt, gut atmet, sich bewegt, auf Schlaf achtet und den Stresslevel tief hält, beugt vielen Krankheiten vor.

Die Grenze liegt bei akuten oder lebensbedrohlichen Situationen: Bei Herzinfarkt, Schlaganfall, schweren Infektionen oder Unfällen hat die Schulmedizin Vorrang – ein Tee hilft da nicht. Naturheilkunde kann diese aber gut begleiten. Wichtig ist Ruby Nagels Ansatz: nicht eine Pflanze für ein Symptom, sondern die Ursache verstehen und beheben.

Wie integriere ich Heilkräuter ganz einfach in mein Essen?

Der einfachste Weg: rausgehen, eine Handvoll Wildkräuter sammeln, klein schneiden und übers Essen streuen oder in den Salat geben. Ohne grosses Aufheben. Alternativ eine Kanne Tee für den ganzen Tag aufbrühen und tagsüber trinken. Frisch schmeckt vieles intensiver – ein frischer Minztee ist anders als getrocknet.

Zum Haltbarmachen kannst du Kräuter trocknen. Beachte dabei:

Welche Heilpflanzen helfen Frauen in den Wechseljahren?

Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern der normale Lauf der Dinge – die Phase, in der eine Frau wieder beginnt, sich um sich selbst zu kümmern. Wer im Hustle-Modus bleibt, arbeitet gegen die eigene Natur; Stress, schlechte Ernährung und wenig Schlaf belasten den Hormonhaushalt und verstärken Beschwerden. Ruby Nagel schaut deshalb zuerst auf Leber, Nieren, Verdauung, Schlaf und Stresslevel und gibt dann gezielt Pflanzen obendrauf.

Was kann die Natur für Männer in der Andropause tun?

Auch Männer haben eine Art Wechseljahre, die Andropause – ihr hormoneller Zyklus läuft etwa über 33 Tage. In dieser Phase verschiebt sich das Gleichgewicht zu weniger männlichen und mehr weiblichen Hormonen, was Erektionsstörungen, Libidoverlust und Haarausfall mit sich bringen kann.

Welche Pflanze ist für Mann und Frau gleichermassen gut?

Ruby Nagels Geheimtipp sind Brennnesselsamen – nicht die Blätter, an denen man sich verbrennt, sondern die Samen, die nach der Blüte entstehen. Sie sind sehr proteinreich, gut für den Haarwuchs und bringen Energie. Man erntet und trocknet sie für den Winter und streut dann einfach einen Teelöffel übers Essen; sie schmecken angenehm nussig.

Auch Rotklee ist proteinreich und hat eine östrogene Wirkung – frisch von der Wiese in den Salat, Quark-Dip oder aufs Butterbrot. Für eine spürbare hormonelle Wirkung braucht es allerdings oft ein standardisiertes, hochdosiertes Produkt aus der Apotheke. Das Fazit: Es gibt kein Unkraut, sondern nur das Nicht-Wissen über das, was am Wegesrand wächst.

Wichtig: Diese Tipps ersetzen keine ärztliche Behandlung. Bei akuten oder lebensbedrohlichen Situationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, schweren Infektionen oder Unfällen hat die Schulmedizin Vorrang. Hormonwirksame oder hochdosierte Pflanzenpräparate (z. B. Traubensilberkerze, Rotklee, Damiana, Yohimbe) gehören in ärztliche bzw. apothekerliche Begleitung – besonders bei starker Regelblutung, einer Krebsgeschichte oder bestehenden Erkrankungen. Beim Sammeln nur sicher bestimmte Pflanzen verwenden.

Der 100+ Expertentipp

Ruby Nagels wichtigster Grundsatz für die ganze Pflanzenheilkunde lautet:

„In meiner Arbeit gebe ich nicht die Pflanze für das Symptom, sondern meine Arbeit besteht wirklich darin zu verstehen, was die Ursache ist, und dann die Ursache zu beheben. Wenn eine Heilpflanze nicht hilft, heisst das nicht, dass Pflanzenheilkunde nicht wirkt, sondern nur, dass man noch nicht die richtige Pflanze benutzt hat.“
Ruby Nagel

Nicolas Selbsttest

Ich habe das Gespräch mit Ruby als so amüsant, aber so alltagstauglich empfunden – sie kann ihr ganzes Wissen über die Kraft der Natur so schön erzählen. Auf einmal merke ich: Schau mal, die Brennnesselsamen oder selbst ein Rosmarin, den fast jeder zu Hause hat, kann ich nutzen, um auf die besagten 30 Pflanzenarten pro Woche zu kommen.

Was mich besonders erfüllt, ist die Erkenntnis, welche Vorsorge ich damit eigentlich schon betreibe – als Frau bessere Gesundheitsvorsorge, als Mann wieder das Rappeln in der Kiste, und selbst Themen wie Knochendichte lassen sich über die Natur bestärken. Es gibt eben kein Unkraut, sondern nur das Nicht-Wissen darüber, was die Pflanze am Wegesrand kann. Bei jedem Spaziergang halte ich jetzt die Augen offener.

Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen

Quick Win

Streu ab heute frische Kräuter – auch aus dem Supermarkt oder vom Balkon – klein geschnitten über dein Essen oder in den Salat. Damit holst du sofort mehr von den 30 Pflanzenarten pro Woche.

bündeln & koppeln

Nimm dir bei jedem Spaziergang vor, ein sicher bestimmtes Wildkraut mitzubringen (z. B. Brennnesselsamen), und koppel das mit dem Trocknen für den Winter – so hast du ganzjährig Heilkräuter aufs Brot.

next Level

Bei konkreten Beschwerden wie Wechseljahren oder Andropause gezielt mit der passenden Heilpflanze arbeiten – idealerweise mit standardisierten Präparaten aus der Apotheke und nach dem Ursachen-Prinzip statt nur gegen Symptome.

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Häufige Fragen

Sind Wildkräuter wirklich besser als Kräuter aus dem Supermarkt?

Wildkräuter haben eine höhere Nährstoffdichte und mehr Mineralien, weil sie sich gegen Trockenheit, Frassfeinde und Krankheitserreger selbst schützen müssen und dafür stärkere Stoffe ausbilden. Kultivierte Kräuter werden vom Gärtner umsorgt und brauchen diese Abwehr weniger. Im Ergebnis sind aber beide besser als nichts – auch Supermarkt-Kräuter bringen Heilkraft.

Welche Heilpflanze hilft am besten bei Hitzewallungen?

Als Klassiker gilt die Traubensilberkerze, die Hitzewallungen bis zu 50 % reduzieren kann und auch ohne Östrogen wirkt. Zusätzlich hilft Salbeitee, wenn man ihn abgekühlt bis kalt trinkt – abends ein bis zwei Tassen lindern nächtliche Hitzewallungen. Ein Rosenhydrolat auf Gesicht und Dekolleté wirkt kühlend in der Nacht.

Wie trockne ich Kräuter richtig zu Hause?

Trockne Kräuter nicht in direkter Sonne, da UV-Strahlen die Wirkstoffe zerstören können, und sorge für einen gut belüfteten Raum, damit die Feuchtigkeit abzieht und kein Schimmel entsteht. Praktisch sind ein Dörrapparat, ein Stoffstück auf dem Wäscheständer oder kleine, über Kopf aufgehängte Sträusschen. Den Ofen nur als Notlösung bei maximal 40 Grad mit eingeklemmtem Kochlöffel nutzen.

Kann Pflanzenheilkunde die Knochendichte verbessern?

Die Traubensilberkerze wird in den Wechseljahren auch deshalb geschätzt, weil sie neben Hitzewallungen, Stimmung und Schlaf auch die Knochendichte verbessern kann. Wichtig ist eine ausreichend hohe Dosierung über einen längeren Zeitraum, idealerweise als Standardpräparat aus der Apotheke. Wer sich mit Osteoporose beschäftigt, sollte das zusätzlich ärztlich begleiten lassen.

Was hilft Männern in der Andropause aus der Natur?

Bei Erektionsstörungen können Damiana, Ginseng, Yohimbe oder schlicht Rosmarin helfen, der die Durchblutung im kleinen Becken fördert. Bei Müdigkeit und Abgespanntheit eignet sich ein Eichenknospen-Mazerat, das Geschlechtsdrüsen und Nebennieren anregt – allerdings nur morgens bis mittags eingenommen, sonst stört es den Schlaf. Brennnesselsamen sind proteinreich und gut für den Haarwuchs.

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