Gendergesundheit: Warum Frauen anders krank werden – und was du dagegen tun kannst
Folge #35 · mit Dr. Martina Kloepfer
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Das Wichtigste in Kürze
- Frauen leben statistisch länger, aber schlechter – mit einer längeren Phase der Krankheit am Lebensende.
- Der Herzinfarkt bei Frauen war die Keimzelle der Gendermedizin: Frauen bekommen ihn seltener, sterben aber häufiger daran.
- Mit dem Abfall des Östrogenspiegels in den Wechseljahren steigen die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und mehr.
- Drei Säulen für gesundes Älterwerden: Bewegung, Eiweiss-reiche Ernährung und soziale Kontakte.
- Krafttraining ist für Frauen besonders wichtig, um Muskulatur zu erhalten und im Alter vor Stürzen geschützt zu sein.
- Wechseljahre sind kein Tabu und kein Gedöns – und das Thema beginnt nicht erst mit 50, sondern betrifft schon junge Frauen.
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Nicola00:00
Hallo und herzlich willkommen zurück zum Podcast zu Langlebigkeit, unserem gemeinsamen Weg der neuesten Erkenntnisse. Für das beste, das schönste und hoffentlich längste Leben. Und apropos, wir Frauen sind ja in jeder Statistik die Glücklichen, die länger leben. Meist steht aber nicht drin, dass wir zwar länger leben, aber schlechter länger. Was bedeutet das? Dass wenn wir vom Ende her drauf gucken, wir Frauen eine längere Phase der Krankheit haben. Und in dieser Podcast-Folge will ich die Frage und die Antworten erkunden. Woran liegt das eigentlich und was können wir alle dagegen tun?
Nicola00:43
Glücklicherweise wächst ja das Wissen darüber, wie Männer und Frauen sich auch gerade in gesundheitlichen Fragen unterscheiden, täglich rasant. Also über Vorsorge, Diagnostik, aber auch Therapie. Aber das ist gar keine Selbstverständlichkeit und das weiß niemand besser als meine Expertin heute, die sich seit Jahren dafür einsetzt, mit viel Leidenschaft, mit viel Energie, mit viel Zeit. Genau das in die öffentlichen, offiziellen Leitlinien reinzubekommen, sodass jeder von uns automatisch davon profitieren kann. Darüber wollen wir heute sprechen. Nämlich was wir schon wissen, wie sich Mann und Frau unterscheiden in den gesundheitlichen Belangen. Mit einer, ja, mit der Gründerin eines Instituts für Gendergesundheit. Und dieses Institut ging hervor aus einem Bundeskongress, den sie schon vor Jahren ...
initiiert haben. Also als dieses ganze Thema Gender Gesundheit eigentlich noch gar nicht auf der Tagesordnung war, umso spannender bin ich auf Ihre Erkenntnisse. Liebe Frau Dr. Martina Klöpfer.
Dr. Martina Kloepfer01:56
Ja, danke. Ich freue mich, dass ich heute dabei sein darf bei dem Podcast oder Videocast, wie ich gerade gelernt habe. Tatsächlich widme ich mich dem Thema seit 2013. Also wo eben Gender Medizin, so hieß das damals heute, man Geschlechter sensible oder geschlechter spezifische Medizin oder auch Versorgung, wo das überhaupt noch nicht auf der Tagesordnung war und schon gar nicht auf der gesundheitspolitischen. Und das war eigentlich mein, das war unser Ziel,
Nicola02:10
Vielen
Dr. Martina Kloepfer02:23
dass wir das wirklich in die Politik bringen. Und wir freuen uns jetzt, dass es tatsächlich ziemlich rasch in Koalitionsverträge aufgenommen wurde. Und jetzt natürlich mit Nina Warken im Bundesgesundheitsministerium und mit Dorothee Bär im Forschungsministerium wirklich jetzt so eine prominente Rolle eingenommen hat.
Nicola02:43
Da sind wir alle froh, wir Frauen erstmal, weil wir sind so ein bisschen vernachlässigt worden, aber Ich glaube, ist Ihnen auch wichtig, hinzuweisen, es geht nicht nur um die Frauen, es geht natürlich genauso gleichberechtigt um die Männer. Nur die haben in den letzten Jahrzehnten, Jahrhunderten meistens den Vorteil gehabt, dass sie immer genommen wurden für alle Studien und was man so alles testen wollte. Insofern müssen wir da für die Frauen das ein oder andere nachholen, weil jeder von uns kennt ja wahrscheinlich Statistiken, wo immer drin steht, warum Frauen leben doch länger. Was habt ihr denn?
Es steht aber meistens in den Statistiken auch drin wird aber selten erwähnt, wir leben meistens schlechter länger. Und warum das so ist, da kommen wir sicherlich auch noch mal drauf zu sprechen. Ganz persönlich an Sie zum Einstieg die Frage, wenn Sie Ihr jüngeres Ich beraten könnten, was würden Sie sich empfehlen, zu Ihrer eigenen Frauengesundheit schon anders zu machen?
Dr. Martina Kloepfer03:44
Also für mich waren die Wechseljahre eine sehr herausfordernde Zeit. Insofern würde ich meinem jüngeren Ich empfehlen, sich darüber zu erkundigen. Insofern freue ich mich auch, dass jetzt dieses Thema Menopause Wechseljahre aus der Tabuecke geholt wird, dass es diskutiert wird, dass die Symptomatiken, auftreten können, nicht jede Frau hat sie, es muss nicht so notwendig zu sein, aber einige Frauen leiden sehr darunter unter einem dem einen oder anderen Symptom.
Nicola04:06
Ja.
Vielen
Dr. Martina Kloepfer04:14
Ich wusste damals nicht mal, was mit mir los war. Und hab also
Nicola04:14
Dank.
Dr. Martina Kloepfer04:18
gelitten unter Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, also die ganze Palette. Und hätte mich also wirklich gefreut, wenn entweder die Hausärztin oder die Gynäkologin mein Geburtsdatum und meine Beschwerden zur Deckung gebracht hätten und gesagt hätten, Frau Klöpfer, entspannen Sie sich. Das ist nicht schön, aber es ist keine Krankheit, sondern es die Wechseljahre. Und jetzt gucken wir mal, was wir tun können.
Nicola04:21
Mhm. Mhm.
Dr. Martina Kloepfer04:42
Und dieses sich beschäftigen mit dem eigenen Körper für Frauen hat eine andere Bedeutung als für Männer.
Nicola04:43
Mmh.
Ja. Ja.
Dr. Martina Kloepfer04:51
Weil Frauen natürlich mit Eintritt der Periode, mit Eintritt der monatlichen Blutung einfach anders durch die eigene Biologie, durch den eigenen Körper, determiniert werden. Das haben Männer so nicht. Also, haben auch noch ihre Probleme, aber diese Besonderheit, das ist wirklich...
Frau sein. Und dazu gehört die Periode, die auch für manche Frauen sehr belastend ist. Und dazu gehört die Schwangerschaft, dazu gehört die Geburt und danach natürlich die Versorgung des Säuglings und des Kleinkindes. Und da gehört natürlich am Ende dazu, irgendwann, dass man in die Wechseljahre kommt. Und dieses Bewusstsein, das ist nicht in die Ecke zu schieben, das ist nicht zu leugnen, was wir so lange Zeit getan haben, mehrere Jahrhunderte eigentlich.
Das, glaube ich, hilft, würde ich jungen Frauen auf jeden Fall empfehlen. wenn es akut keine Spaß macht, sich in jungen Jahren mit den Wechseljahren zu beschäftigen.
Nicola05:51
Das stimmt wohl, das stimmt wohl. Aber das Thema Fruchtbarkeit ist ja das, was drüber steht und das beschäftigt die ein oder andere doch sehr. Nämlich gerade, wenn es ums Thema Kinderkriegen geht und das nicht so läuft, wie man gerne wollte. Aber wir sind schon bei diesen, ich sag mal, wir hatten mal einen Kanzler, der hat das Gedönsthemen genannt.
Lassen Sie uns mal da kurz verweilen, dann haben wir das abgeräumt und dann können wir wieder ernsthaft. Was sind denn so Gedönsthemen, wo man bislang immer so sagt, ja, die Frauen, sollen nicht so, die hat vielleicht so bisschen an den Nerven, die sollen sich nicht so anstellen. So solche Aussprüche. Was hat sich aus Ihrer Sicht, aus Ihrer Erfahrungswelt? Ich möchte noch einen Einschub machen. Ihnen war wichtig zu kommunizieren. Sie sind keine Medizinerin, aber habe ich gesagt, mach gar nichts, weil Sie ja seit Jahren so in den Themen drin stecken und uns genau sozusagen das weitergeben können, wo das Wissen und die konkrete Umsetzung eigentlich für jeden von uns relevant wird, da stecken Sie voll drin. Also die Gedönsthemen. Was hat sich aus Ihrer Sicht da schon gebessert? Sie haben ja die politische Sicht genauso wie eine persönlich-private Sicht.
Dr. Martina Kloepfer07:01
Also Gedöns ist eine ganz schwierige Frage. Ich sage mal, aufgrund der Diskussion, die wir jetzt führen dürfen über spezielle Frauengesundheit, was natürlich für jemanden, der keinen weiblichen Körper hat, erstmal befremdlich ist. Das ist natürlich, das ist menschlich, das ist nicht schlimm. Aber die Abwertung ist schlimm und Gedöns ist eben eine Abwertung. Und diese Abwertung erleben wir halt.
Nicola07:15
Vielen Dank.
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer07:27
Ich sage mal, seit vielen Jahrhunderten und diese Abbildung erleben wir, setzt sich halt auch fort in dem Moment, wo Frauen im Arbeitsleben stecken, Karriere machen. Das heisst also, Karrieren sind immer noch männlich definiert, so kann man es vielleicht sagen. Also man fängt an von der Schule, man macht eine Ausbildung, man macht ein Studium und dann geht man seinen Weg ohne Unterbrechungen.
Nicola07:36
Ja. Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer07:54
Das ist jetzt ganz grob gezeichnet ein Karriereweg. Das ist Frauen so nicht möglich. Schon allein durch die Schwangerschaft klappt einfach nicht. Und dieses Gedöns hängt natürlich damit zusammen, dass das alles, was weiblich ist, als Schwäche empfunden wird. Eine Frau, die unter Periodenschmerzen leidet oder diesen Hormonschwankungen erlegen ist, stimmungsmäßig, kräftemäßig etc. ist schwach.
Eine Frau, die schwanger ist im neunten Monat, ist nicht besonders beweglich. Die kann auch kein Schwert
Nicola08:27
Ja, ja.
Dr. Martina Kloepfer08:30
schwingen. Das würde schwer fallen. Eine Frau, die gerade geboren hat, ist abhängig. Einfach mal zu gucken, wo das eigentlich herkommt. Das Problematische und das richtig Problematische und nach wie vor ist, dass wir trotz aller Diskussionen um Wechseljahre, Endometriose, Schwangerschaft oder das wirklich Problematische, sehe ich darin, dass
Nicola08:33
Ja.
Dr. Martina Kloepfer08:52
unter Gedöns in Subkutanem, also das heißt unterbewusst bei mir, auch Symptome bzw. Äußerungen von Frauen subsummiert werden, die wirklich echte Krankheitsbeschwerden haben. Dass sie also einfach nicht ernst genommen werden, wenn sie zum Beispiel über Herzbeschwerden sprechen. Wir haben ja jetzt die ganze Diskussion daran, das war ja im Grunde die Keimzelle der Gendermedizin, der Herzinfarkt bei Frauen.
Nicola09:05
Okay. Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer09:21
Das hat der Marianne Legate in den USA schon in 1980er Jahren analysiert, erforscht und so weiter. Und Wunder, Frauen können Herzinfarkt haben. Das war wirklich eine Novität. Das hielt man nicht für möglich, inklusive die Frauen selber. Und das lese ich, erlebe ich auch an eigener Erfahrung immer wieder, dass wenn Frauen mit Symptomen, die jetzt gar nichts mit dem weiblichen Körper zu tun haben, primär zum Arzt gehen oder auch meine Teilen zur Ärztin, dass das oftmals nicht ernst genommen wird.
Nicola09:24
Und
Dr. Martina Kloepfer09:51
Und weil
Nicola09:53
Ja.
Dr. Martina Kloepfer09:53
das wird dann psychologisiert, das ist ach, Gedöns halt so. Und das finde ich eben problematisch, sondern dass Frauen kommunizieren einerseits anders ihre Symptome, weil die auch teilweise anders sein können. Und sie empfinden sie auch anders. Ich glaube, das Körperempfinden zwischen Männer und Frauen ist auch fundamental unterschiedlich. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Es ist ja sogar zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen unterschiedlich.
So, also dass das in der Diskussion. Und deswegen müssen wir sie aufrechterhalten, jetzt eben mit zwei Bundesministerinnen, dass es eben kein Gedöns ist, sondern einfach Teil der Wirklichkeit. Also wir stellen die Hälfte der Bevölkerung .
Nicola10:23
Das stimmt, das stimmt. Nehmen Sie uns noch mal mit, was heißt es denn offiziell, bevor wir dann ganz konkret mal in unseren Alltag abtauchen, Behandlungsleitlinien.
Dr. Martina Kloepfer10:43
Also die Behandlungsleitlinien ist eine Anweisung für Ärzte, dass wenn man mit bestimmten Symptomen zum Arzt kommt, dass sie die sollten auf dem neuesten Stand der Forschung sein. Die werden ja von Fachgesellschaften beschrieben. Die sind teilweise sehr, sehr umfangreich. Das ist einerseits gut, andererseits aber auch ein Problem, weil wer liest das?
Nicola10:54
Mh.
Ja.
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer11:08
Diese Behandlungsleitlinien geben Ärzten und Ärztinnen in der Versorgungspraxis eine Richtung, wie man Symptome einzustufen hat, man eine evtl. Therapie anzulegen hat usw. Da gibt es eine ganze Menge. Wir haben gerade abgeschlossen ein Innovationsforschungsprojekt. Der Innovationsfonds vergibt Forschungsgelder, ⁓ eben nicht nur für geschlechter- sensibler Gesundheit zu forschen, sondern für viele Indikationen oder Versorgungsformen. Und wir hatten jetzt gerade ein Versorgungsforschungsprojekt beendet, Heart Gap, also Herzlücke. Und wir haben uns gefragt, warum denn Frauen bei einem ersten Herzinfarkt, also bei einem Herzinfarkt, doch eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, daran zu versterben als Männer. Insgesamt in Toto haben Frauen seltener einen Herzinfarkt.
Nicola11:40
⁓ genau.
Dr. Martina Kloepfer12:04
Wenn es aber dazu kommt, der Point of No Return, die Versterbung, die Möglichkeit, das Risiko zu versterben, sehr viel höher als bei Männern. Obwohl es nach langer Zeit, aber auch die Symptomatiken des Herzinfarktes bei Frauen Eingang gefunden haben in die Leitlinien. Und da wollten wir eben wissen, woran liegt das eigentlich.
Nicola12:06
.
Ja.
Dr. Martina Kloepfer12:27
In der Versorgung ist es komplizierter, ist es bekannt überhaupt, ist es in der Ausbildung von Ärzten und Ärztinnen überhaupt vorhanden. Und da haben wir Umfragen durchgeführt und sind eben auf die Klassiker, also das eben Ausbildung, Weiterbildung. Und das eben, und das ist das Problem manchmal bei Leitlinien, dass sie zu umfangreich sind, dass man also nicht bei jeder Indikation gleich mal 200, 250 Seiten Leitlinien durchlesen kann. So, das sind also diese Behandlungs...
Und die Leitlinien dafür verantwortlich sind eben die Fachgesellschaften, zum Beispiel für Kardiologie oder für Onkologie und dann eben auch die bestimmten Formen.
Nicola12:57
Also dann ist es quasi offiziell. Dann kann sich theoretisch, aber hoffentlich auch praktisch, jeder Arzt und jede Ärztin danach ausrichten. Das bedeutet ja für mich in meinem Alltag, dass wenn ich, egal zu welchem Facharzt, Fachärztin ich gehe, ich bin zum Beispiel jemand, der immer irgendwann mal im Gespräch die Frage stellt, okay, was ist jetzt bei mir anders als bei einem Mann?
Und inzwischen auch die zweite Frage, was ist bei mir in meinem Alter 55 plus anders als bei 20 oder 30-Jährigen? Meine Erfahrung ist über die letzten Jahre, die Überraschung ist nicht mehr so groß, wenn ich die Frage stelle. Und ich bin immer froh, wenn ein Arzt auch sagt, boah, das ist eine interessante Frage, da kann er aber gar keine Auskunft drüber geben, weil er selbst nicht weiß. Denke ich mir immer, zumindest offen und ehrlich.
Weil so schnell kann man ja alles gar nicht nachholen, wie es vielleicht bislang die Lücke so groß war. Aber das ist ja schon etwas, was eigentlich jeder von uns machen kann. Oder immer wieder selbst zu hinterfragen, muss vielleicht etwas anders draufgeguckt werden als ich selbst vielleicht auch über die letzten Jahre und Jahrzehnte. Wir sind ja alle geframed, also wir sind ja alle beeinflusst von dem Wissen, was wir uns angelesen haben. Und das war ja auch gerade auch jetzt in KI-Zeiten ja immer irgendwie nicht geschlechtsneutral. Sagen wir es mal so.
Dr. Martina Kloepfer14:30
Also das ist eine sehr gute Frage. Da sollte jeder Patient, jede Patientin natürlich auch, weil bei Männern kann auch was anders sein. Also wenn wir da an ganzen psychischen Erkrankungen denken zum Beispiel, die können sich bei Männern komplett anders äußern. Also da haben wir ein großes Defizit in der Diagnosestellung oder aber auch in der Herangehensweise. Also ich glaube Männer brauchen wirklich auf dem Gebiet ganz was anderes.
Nicola14:39
Na?
Dr. Martina Kloepfer14:55
Aber das ist eine gute Frage. Und dann kann ich nur zu den Ärzten und Ärztinnen gratulieren, die sie haben, wenn sie sagen, interessante Frage, weiß ich noch nichts. Also das sind sie ehrlich und muss ich mich belesen oder so. Also das ist sehr, sehr gut. Viele Ärzte, also viele Frauen kriegen auch die Antwort, nee, das ist für alle gleich. Wenn man dann eben über nichtmedizinisches Wissen verfügt
Nicola15:06
.
Mhm.
Dr. Martina Kloepfer15:18
weiß man nicht genau, man machen muss. Gerade Frauen mit Herzproblemen, ich habe kürzlich eine Artikel gelesen, war eine sehr junge Frau, die einen Herzfehler hatte und die Beschwerden beschrieben hat und jahrelang nicht ernst genommen wurde. Gott sei Dank war sie jung und einigermaßen resilient und robust. Aber dass das immer irgendwie in die Psychologie-Ecke reingeschoben worden ist. Diese Frage ist wichtig, weil wir brauchen...
Nicola15:21
Ja. Ja.
Dr. Martina Kloepfer15:47
im Grunde das Bewusstsein von zwei Seiten, also von oben, also von den Fachkreisen, als auch von unten von den Patientinnen in dem Fall und in anderen Fällen natürlich auch von den Patienten, dass man wirklich hinterfragt. Und Alter ist ein ganz besonders wichtiger Aspekt dabei, weil eben bei Frauen durch den Abfall des Östrogenspiegels sich so viel verändert, dass natürlich auch andere Risikofaktoren steigen, für Herz-Kreislaufer-Krampf, für Diabetes etc. Also das ist
Nicola15:50
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer16:16
Ich zum Beispiel bin eine Person, hatte ich Zeit meines Lebens einen zu niedrigen Blutdruck. Also ich sage immer, der war unter Null. Der war unter Null. Das
Nicola16:20
Ja, ich auch. Ja, genau.
Dr. Martina Kloepfer16:26
muss nach den Wechseljahren nicht so bleiben. Das kann steigen. Es muss nicht notwendig ein hoher Blutdruck werden, aber man muss ein Auge drauf haben. Weil mit dem Östrogen, mit dem fallenden Östrogen, ganz, ganz viele andere Sachen einhergehen und das beeinflusst viele, viele Prozesse im Körper.
Nicola16:29
Mh.
Ja.
Dr. Martina Kloepfer16:45
Der Schutz, der durch das Östrogen, auch der Immunschutz, der durch das Östrogen ausgelöst wird, sinkt. Das heißt, für Frauen ist es dann wirklich gefordert, was heißt denn das für mich in meiner Ernährung, in meinem Verhalten, Gesundheit. Ich zum Beispiel weiß, da kommen wir schon fast an unser Thema, dass wenige Frauen wissen, dass sie Krafttraining machen müssen.
Nicola16:56
Mmh.
Dr. Martina Kloepfer17:13
damit die Muskulatur aufrechterhalten bleibt. Was heißt das? Muskulatur aufrechterhalten heißt natürlich im späteren Alter vor Stürzen auch besser geschützt zu sein.
Nicola17:17
Vielen Dank.
Allein schon hinsetzen und wieder aufstehen. Meine Mutter konnte das die letzten Jahre nicht mehr. Dramatisch.
Dr. Martina Kloepfer17:30
Ja, so dramatisch. Was macht das aber auch mit dem Kopf? Also, Frauen haben ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Und die Muskulatur, ich hab neulich selber was gehört, die Muskulatur und das Gehirn sind über ein anderes Hormon, es ist kein Sexualhormon, miteinander stehen die miteinander in Verbindung. Also, das ist dermaßen komplex, was da mit zusammenhält. Und das finde ich schon wichtig, dass man das frühzeitig adressiert dass man nicht erst, ich sage mal, dem lang keinen Sport gemacht hat und sich dann mit Mitte 50 dran gewöhnen muss. Das ist dann wirklich schwer.
Nicola18:06
Ja, ja.
Das ist das Schöne an diesem Modethema Longevity, dem ich mich hier offiziell widme, der Langlebigkeit. Es ist aber letztendlich auch ein anderer Begriff dafür, besser, gesünder, älter werden zu wollen. Wie lange wir leben, haben wir nicht richtig in der Hand. Die letzte Entscheidung liegt woanders. Aber eben dieses bessere Leben, dann will man ja auch der Regel gerne länger leben. Und meistens geht es ja auch um diese letzte Phase, wie man die erlebt und davor möglichst alles mitnehmen, was das Leben bietet. Wir haben aber auch oder ich habe noch eine gute Nachricht für Männer nur damit hier das Thema auch diese Austarierung erfolgt. Ich wusste zum Beispiel nicht, als ich letztens mit der Krebsforscherin gesprochen habe, dass unsere 2xx-Chromosomen uns Frauen schützen, weil das wie so eine Art Puffer ist. Wenn man es evolutionär betrachtet, macht es irgendwie Sinn.
Weil die Evolution sagt, die Mutter ist wichtiger als der Vater. ⁓ das Kind, die Brut bis ins Erwachsenenleben zu begleiten. Deswegen muss da ein doppelter Puffer ran. Also es gibt beide Sichtweisen, die aber wichtig sind, damit wir uns gut aufgehoben fühlen bei der medizinischen Behandlung. Aber was kann jeder von uns in der Vorsorge lernen? Was haben Sie in all Ihren Themen? Sie hatten jetzt Herz-Kreislauf ist mit das Sterbethema Nummer eins. Dann kommt, glaube ich, danach Krebs mit all seinen Facetten. Aber was können Sie jetzt schon für die Vorsorge zum Beispiel mitgeben? Sie hatten dieses Krafttraining, was generell beim Älterwerden Thema ist. Mehr noch bei den Frauen, weil die Männer meistens das schon eher früher gemacht haben.
Aber wenn Sie die Vorsorge-Themen noch mal nehmen, was können Sie uns da mit schon auf den Weg geben, was schon klar ist?
Dr. Martina Kloepfer20:05
Also Vorsorge ist ja, ich muss mal bisschen differenzieren. Vorsorge ist natürlich ein Begriff, der jetzt im Gesundheitswesen ein bisschen anders verstanden wird. Das heißt, Vorsorge ist zum Beispiel eine Untersuchung wie Mammografie beispielsweise. Oder Darmkrebsuntersuchungen oder das, was man eben alles wahrnehmen kann. Um da mal dabei zu bleiben, ist es eben wichtig, dass man sich erkundigt bei der Krankenkasse, die hat dann ganz gut auf den Webseiten
Nicola20:19
Aber gerne auch mal draus gucken.
Dr. Martina Kloepfer20:34
haben die da ganz gutes Angebot, was man eben so mitnehmen kann an Vorsorgeuntersuchungen, um da eben ganz sicher zu gehen, um die onkologischen Fragestellungen abzugleichen. Dann ist es eben wichtig, sich zu erkundigen, wie gesagt, Wechseljahre für Frauen. Bei Männern manchmal wird eben auch Wechseljahre diskutiert. Das ist so nicht. Also der Testosteronspiegel kann sinken, das passiert aber sehr viel langsamer und stetiger als bei Frauen, wo das relativ plötzlich geht. Auch für die ist natürlich Sport, Bewegung, ad 1, auch wenn es schwerfällt. Und die Meinungen gehen auseinander. Also jetzt muss man sich das nicht so vorstellen. Mit steigendem Alter, mit zunehmendem Alter muss man vielleicht auch jetzt nicht mehr anderthalb Stunden irgendwie im Fitnessstudio schwitzen, sondern da reicht ein guter Spaziergang. Das ist für den Kopf gut, das ist für den Körper gut, das ist auch für die Seele gut.
Nicola21:07
Mh.
Dr. Martina Kloepfer21:32
Das ist entscheidend. Bewegung ist eine ganz entscheidende Sache. Und dann tatsächlich auch mal erkundigen. Ernährung ist in aller Munde natürlich Gemüse und möglichst wenig Fleisch und so weiter. Aber was wichtig ist gerade für ältere oder älter werdende Menschen, was ich selber von meiner Ärztin gehört habe, deswegen kann ich das weitergeben, Eiweiß.
Nicola21:40
Mhm.
Mh.
Dr. Martina Kloepfer21:56
Also dass man guckt, dass man eben gerade, wenn man sich eher vegetarisch oder vielleicht sogar vegan ernährt, dass man schaut, dass man irgendwie auf seinen Eiweißlevel kommt, ⁓ eben die Muskulatur, die man für die Bewegung braucht und für alles mögliche sonst auch, da eben aufrecht zu erhalten. Was ich auch noch empfehlen würde, was natürlich ungleich schwieriger ist, ist, dass man sich aufbaut,
Nicola22:16
In
Dr. Martina Kloepfer22:25
soziale Kontakte. Gerade als Frauen, die im Berufsleben stehen, die dann vielleicht auch die Familie, die Kinder versorgt haben und möglicherweise noch Angehörige pflegen, haben natürlich wenig Zeit, sich einen großen Freundeskreis aufzubauen. Ich meine irgendwann ist man auch erschöpft. Also da will man einfach nur vor dem Fernseher sitzen oder weiß nicht, was, in der Badewanne liegen. Also das ist so.
Nicola22:42
und alle Bezüge.
Dr. Martina Kloepfer22:53
Aber das ist ganz, ganz wichtig, weil irgendwann sind die Kinder aus dem Haus und dann ist man vielleicht auch, kommt man in die Rente. Also man hat auch den Anspruch mit den Arbeitskollegen und Kolleginnen nicht mehr. Und das ist, das ist, glaube ich, ganz, ganz entscheidend, ⁓ eben Einsamkeit vorzubeugen. Also das würde ich, das, was man, was jeder selber tun kann, also auf diese drei, auf diese drei Säulen würde ich, würde ich stellen Bewegung, Ernährung, soziale Kontakte.
Nicola23:23
Weil sie Proteine erwähnt haben, das finde ich ganz spannend, weil sie auch sagen, sie waren ganz überrascht. Also das eine ist ja per se älter werden, Muskelabbau sozusagen vorbeugen über Krafttraining und dann Eiweiß und Proteine. Aber ich hatte jetzt kürzlich eine Expertin zum Thema Hormonbauch, die auch ganz eine junge Ärztin, die sagt, es ist wirklich ganz neue Erkenntnisse, wie früh eigentlich gerade Frauen auf Protein achten sollten, weil ich auch immer sage, boah, wenn ich hier meine...
Patensöhne sehe mit so großen, sie wissen schon, und dann riecht es da so komisch raus und irgendein Pulver und ich mal sag so, wie kann man das essen oder trinken? Ich glaub's gar nicht. Aber mein Blick darauf beginnt sich auch so langsam zu ändern. Also auf jeden Fall ein Thema, was sich gerade auch geschlechtsspezifisch anfängt zu diskutieren.
Dr. Martina Kloepfer24:18
Ja, es gibt ja bestimmte Proteinprodukte. Ich wäre vorsichtig, da würde ich wirklich auf die Zusammensetzung achten, was da eigentlich drin ist, auch an künstlichen Stoffen, die dann auch nicht mehr gesund sind. Da gibt es sicher Alternativen dazu, aber darauf ist zu achten. Ich glaube, das ist noch weniger bekannt. Wie gesagt, für mich war das überraschend. Ich habe mir da keine Gedanken drüber gemacht.
Nicola24:28
Vielen Dank.
absolut.
Amen.
Dr. Martina Kloepfer24:48
Aber ist wichtig und was mir noch ganz besonders wichtig ist jetzt in unserem ganzen Gespräch, dass das Selbstbild von Frauen natürlich auch sich verändert. Wenn man sich anguckt, wenn man mal am Bahnhof ist oder am Flughafen und sich die ganzen Modezeitschriften, dass sich ein Cover mal schnell Revue passieren lässt, dann sieht man ja nur junge Frauen da drauf. Auch an den Zeitungen, die sich an ein etwas älteres Semester richten.
Und da, finde ich, müssen wir noch ein bisschen was dafür tun, dass ältere Frauen nicht einfach in der Versenkung verschwinden in der Öffentlichkeit. Sei es auf Covern von Journalen, sei es eben in Fernsehsendungen als Moderatoren etc. Bei Männern, die haben da ein bisschen den Vorteil, da wird ein älterer Mann als kompetent, als honorig und so weiter verstanden. Da müssen wir noch ein bisschen hinkommen.
Nicola25:24
Mhm. Mhm. Mhm.
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer25:45
Da ist es eben wichtig zu sagen, okay, ich verändere mich und da immer wieder den Wert daraus ziehen. Also jetzt manche Frauen wählen den Weg zur Schönheits-OP, die durchaus Sinn machen kann, aber abgewogen sein will in der Entscheidung. Und für Frauen finde ich es eben wichtig, ein anderes Selbstbewusstsein auszustrahlen. Ich habe selber in einem anderen Podcast gehört, wie wichtig, und dann komme ich noch mal zu den sozialen Kontakten, wie wichtig eine positive Einstellung ist. Das ist nicht alles, aber ein ganz großer Teil. Das ersetzt auch kein Fitnessstudio. Das ist das Entscheidende.
Nicola26:23
Ja, das stimmt.
Und es wäre das Fundament, vielleicht genügend Selbstbewusstsein zu haben, ⁓ sowohl in der Vorsorge als auch dann in dem Fall, dass man eine Diagnose und eben Therapie braucht, sich in unserem Gesundheitssystem doch auch als Frau, sag ich mal, aufzustellen. Was ich damit meine, wir hatten es jetzt von den Vorsorgethemen, die man wirklich bei den Krankenkassen überall abrufen kann. Die meisten sind wirklich...
werden bezahlt und werden zum größten Teil nicht wahrgenommen. Das gehört auch zur Wahrheit dazu. Aber auch da kann man sich noch mal informieren. Die eigenen Ärzte herausfordern, oder? Wer so meint, die einfach fragen und sagen, wissen sie das? Wenn nicht, können wir mal darüber reden. Gucken sie mal. Vielleicht kommt man sogar auch zu dem Entschluss, man wechselt vielleicht auch einen Arzt, weil man denkt, vielleicht werde ich in meiner Gesamtheit gar nicht mehr so gesehen.
Wenn es dann doch der Fall, den wir ja alle vermeiden wollen, aber nicht immer klappt, zu Krankheit oder Beschwerden kommen, was können Sie in unserem Gesundheitssystem, was können Sie da raten? Kann man da als Frau, außer dass man nachfragt und darauf hinweist, man ist ja dann schon so bisschen ausgeliefert, wie könnte man da
Dr. Martina Kloepfer27:54
Also es gibt, man kann sich auf jeden Fall erkundigen, es gibt Organisationen, Verbände, Vereine, also wie zum Beispiel die DGSGM, Deutsche Gesellschaft für Schlechter- spezifische Medizin. Da kann man auf jeden Fall erkundigen. Der Deutsche Ärztinnenbund hat auch auf der Webseite abrufbare Informationen und man kann sicherlich dort auch mal anrufen oder hinschreiben, zu sagen, ich habe hier ein Problem.
Nicola28:08
Mhm.
Dr. Martina Kloepfer28:24
Und ich könnte mir gut vorstellen, dass da eine Antwort kommt aus ärztlicher Sicht. Also das sind sozusagen verlässliche Informationen. Das ist ja so bisschen die Schwierigkeit im World Wide Web. Da ist auch manchmal ziemlich viel Blödsinn unterwegs und auch gefährlicher Blödsinn. Ich würde den Deutschen Ärztinbund empfehlen.
Nicola28:30
Vielen Ja, das stimmt.
Die zwei Links geben wir noch weiter, genau in den Show Notes.
Dr. Martina Kloepfer28:48
Genau, ich schreibe sie Ihnen gerne. Da kann man sich gut erkundigen. Das ist fundiert, das hat Hand und Fuß. Und man kann sich da eben auch informieren, wer denn, sagen wir mal, eine geschlechter-spezifische Zusatzausbildung hat. Leider Gottes ist es in Deutschland so, dass wir das eben noch nicht normal in dem Ausbildungscurriculum drin haben, also bei den werdenden Ärzten und Ärztinnen
Nicola29:03
Mhm.
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer29:13
als auch bei denen, die schon welche sind und sich zum Facharzt weiterbilden, beispielsweise. Das ist in Österreich anders. Da kann man ein Diplom zum Gendermediziner erwerben. Aber die DGS-GM vergibt eben auch solche Zertifikate, weil sie sagt, okay, wir haben hier eine Weiterbildung gemacht und die sind da eben zertifiziert. Also da kann man sich erkundigen, wenn man sagt, ich fühle mich gerade ganz schlecht aufgehoben, irgendwie komme ich dann nicht durch mit meinen Fragen
Nicola29:15
Ja, ach was.
Dr. Martina Kloepfer29:39
und das würde ich raten. Ich will noch was zu Männern sagen. Auch die sollen ja lange gesund leben. Also einmal ihrer Selbstwillen, aber auch ihrer Familie willen. Das ist nämlich auch wichtig. Bei der Vorsorge sind die gar nicht gut aufgestellt. Da haben wir noch bisschen was. Wir haben uns bei dem letzten Bundeskongress für Gendergesundheit um Prävention gekümmert im Mai.
Nicola29:43
Mhm.
Mhm.
Mh.
Ja.
Mhm.
Dr. Martina Kloepfer30:06
Und da wurde immer wieder diskutiert, dass Männer zum Beispiel auch ganz anders angesprochen werden müssen, die also ganz anders adressiert werden müssen. Und ich freue mich eigentlich, klar, jetzt, manche Männer beschweren sich, jetzt macht ihr nur Frauengesundheit, was ist denn eigentlich nur mit der Männergesundheit? Und ich sage, naja, Männergesundheit hatten wir die letzten paar hundert Jahren, habt ihr nur nicht gemerkt. Aber was mich freut, ist, dass ihr anfangt, anders über eure Gesundheit nachzudenken in dieser ganzen Diskussion. Also insofern ist das ein großer Gewinn.
Nicola30:14
Vielen Genau.
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer30:36
Und für beide, natürlich, für beide Geschlechter, das ist total wichtig. Ein gesunder
Nicola30:36
Für beide, für alle Geschlechter.
Dr. Martina Kloepfer30:42
Mann ist wichtig auch für die Partnerin, für die Familie, für alle. Die stehen ja auch in einem sozialen Kontext. Das ist mindestens genauso wichtig. Wir müssen nur noch andere Instrumente dafür entwickeln.
Nicola30:51
Ja.
Genau.
Da lässt sich nur erahnen, wie es denen geht, die noch dazwischen sind. Zwischen Klar Mann und Klar Frau. Da sieht es noch intransparenter aus. Aber auch hoffentlich da gibt es dann entsprechend, dass man davon profitieren kann, dass zumindest das Wissen größer wird. Nicht nur theoretisch, sondern auch in der Anwendung. Mir fällt da immer ein, ich bin viel auch in Asien schon unterwegs gewesen. Da muss ich sagen, sind zwei Sachen anders.
Man muss Asien nicht mögen. Also wenn man so sagt, ist mir so ein bisschen zu fremd. Aber die Ganzheitlichkeit, der Blick auf den Menschen, der hat noch nie, sag ich mal, einen Unterschied gemacht zwischen Mann und Frau, was den Blick betrifft. Aber in der Differenzierung dann schon. Das merkt man direkt, wenn man mal die traditionelle chinesische Medizin da eine Anwendung wahrnimmt. Da wird klar unterschieden. Und das Zweite ist dass ältere Menschen Seniorität gewertschätzt wird.
Dr. Martina Kloepfer32:01
Das ist ein ganz, ganz großer Punkt im asiatischen, teilweise auch im afrikanischen Kontext, dass da die Ganzheitlichkeit noch gesehen wird. Und ich sage, wenn ich wirklich ganzheitlich betrachte, komme ich automatisch zu einer individualisierten Medizin. Also das war mein Ansatz beim ersten Bundeskongress, da ging es personalisierte Medizin vor 13 Jahren. Der kleinste gemeinsame Nenner ist
Nicola32:20
Genau.
Mhm. Ja. Ja. Ja.
Dr. Martina Kloepfer32:29
man das unter die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern. So und dann können wir noch mal weitergranulieren. Und diese Ganzheitlichkeit und diese Einstellung, gesellschaftliche Einstellung zu Alter, zu Frauen, zu Männern, Seniorität macht natürlich auch was mit der Gesundheit der Menschen, die eben älter werden. Also wenn da eine positive Konnotation mit verbunden ist, teilen sich viele Beschwerden gar nicht mit.
Nicola32:31
Ja.
Dr. Martina Kloepfer32:54
Also klar, meine, das musste man noch mal untersuchen, also die unterschiedliche hormonelle Zusammensetzung bei den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Ethnien ist natürlich auch noch mal eine Untersuchung wert, aber insgesamt eine positive Einstellung zum eigenen Alter. Ich habe kürzlich gerade was gelesen, Menschen, egal Männer oder Frauen, dass Menschen,
Nicola33:15
Vielen Dank.
Dr. Martina Kloepfer33:19
eine positive Einstellung zu ihrem Älterwerden haben, also sich damit immer wieder neu arrangieren muss man ja immer, gerade wenn dann irgendwelche Fähigkeiten allmählich abnehmen oder verloren gehen, dass die deutlich besser leben, also deutlich besser ihr Alter erleben als jemand, immer dagegen ankämpft. Da haben wir gesamtgesellschaftlich durchaus noch was vor uns.
Nicola33:22
Vielen Dank.
Aber Sie haben eine schöne Perspektive aufgezeigt, dass aus dem Ganzheitlichen dieses individuelle Persönliche kommt. Wir müssen da gar keine ideologischen Diskussionen darüber führen. Und dass aber die zunehmenden Möglichkeiten individuelle Daten aufzunehmen, Stichwort Tracking, diese auch auszuwerten, Stichwort künstliche Intelligenz. Ja, da müssen wir, glaube ich, nochmal ein extra Thema machen. Aber es geht eigentlich, ja, wenn man es so betrachtet, ja in eine gute Richtung.
Dr. Martina Kloepfer34:20
Insgesamt ja. Wir müssen dranbleiben. Sie haben gerade Tracking erwähnt. Ich hatte auch mal so ein Armband. Da ist auch zum Beispiel zu hinterfragen beim Anbieter, inwieweit das auch geschlechterspezifisch ausgewertet wird.
Nicola34:34
Das ist es nämlich, die Auswertung ist natürlich Macht, das Gift oder
Dr. Martina Kloepfer34:38
Das heißt, wenn ich jetzt einen Armband oder Uhr habe, die meinen Blutdruck misst und die Auswertung geschlechterspezifisch und alterspezifisch bei Frauen, fängt der hohe Blutdruck bei 140 an. Das ist aber in den meisten Lehrbüchern, in den älteren, der normale Blutdruck. Also für Frauen nach den Wechseljahren ist es das eben nicht mehr. Da geht es nach oben. Und da gibt viele andere Sachen natürlich auch, die man...
Nicola34:41
Ja. Ja. Ja.
Ja.
Ja, Ja, ja,
Dr. Martina Kloepfer35:07
berücksichtigen muss.
Also dieses one size fits all und KI ist ja erstmal nur eine 01 Entscheidung von dem Algorithmus. Da bin ich mir manchmal nicht so sicher, dass bei diesen Trackern das so berücksichtigt wird. Also das wäre noch mal zu erforschen.
Nicola35:14
Ja, ja.
Die Qualität der Diagnostik, da sind viele Fragezeichen zu setzen. Aber es ist, glaube ich, zumindest schon mal eine Grundlage, dass das Einzige für mich persönlich, auch was ich immer so als positives mitnehme von diesem ganzen Tracking Wahn, dass wir endlich mal mehr Daten bekommen, auch von Frauen. Obwohl natürlich das Tracking auch sehr männlich dominiert ist. Wenn man mal in die Zahlen guckt, das machen Männer einfach lieber als Frauen. Aber in meiner Umgebung ...
hat inzwischen auch mindestens jede zweite Frau irgendwas, was sie trackt. Und so bekommen wir zumindest mal die Daten, weil erst wenn wir die Daten haben, können wir ja auch in der Auswertung sagen, okay, da kann jetzt auch mal medizinisches Fachpersonal drauf gucken und nicht nur irgendeine KI. So, wir sind aber schon leider bei der letzten Frage angelangt. So, die allerletzte Frage, die ich jedem Experten, Expertin stelle, ist die 100 plus Empfehlung, wenn sie uns nur eine Maßnahme mit auf den Weg geben können, ein besseres, gesünderes und damit vielleicht auch längeres Leben zu leben. Welche eine Maßnahme ist das aus Ihrer Sicht?
Dr. Martina Kloepfer36:34
Eine positive Lebenseinstellung. Dankbarkeit und eine positive Lebenseinstellung.
Nicola36:42
Das ist ein sehr schöner Abschluss für dieses Thema, das ja schnell so in den Verruf kommt, feministische emanzipatorische Reflexe bedienen zu wollen. Bei Ihnen merkt man, ist überhaupt gar nicht der Fall, sondern es geht darum, wie Sie so schön schon gesagt haben, es geht um die Hälfte der Menschheit und da sollte man differenzierter drauf gucken und am besten sozusagen ganz individuell behandeln.
Frau Dr. Klöpfer, herzlichen Dank für Ihre Zeit, für Ihr Wissen, das Sie uns reingegeben haben und für Ihren, ja, will nicht sagen Kampf, aber vielleicht ist es doch die Energie, die Zeit, die Emotionen, die Aufmerksamkeit, überhaupt dieses Thema, sich so früh eigen zu machen. Dafür ein Riesendankeschön an Sie. Das kommt wahrscheinlich ganz selten, weil man ja immer so als Kämpfer, der für etwas steht, wahrgenommen wird, aber Sie sind keine ...
reine Lobbyistin, sondern Sie sind jemand, der mit Herz und Verstand einfach sagt, das ist ein wichtiges Thema, da müssen wir uns darum kümmern und ich habe es zu meiner Lebensaufgabe gemacht. Ich glaube, das kann man sagen.
Dr. Martina Kloepfer37:52
Ja, das kann man sagen. Ich danke herzlich, dass ich hier dabei sein durfte. Hat mir viel Freude gemacht und wir bleiben dran.
Nicola37:59
Wir bleiben dran. Sehr schön. Genau so machen wir das. Bis zum nächsten Mal.
Nicola38:06
Tja, und dass sich dranbleiben lohnt, das kann ich mit einer kleinen Anekdote unterstreichen. Bei der Veranstaltung, bei der Frau Dr. Klöpfer und ich uns kennengelernt haben, da hat die Moderatorin eine Wahnsinnsgeschichte von sich selbst erzählt. Weihnachten 2025. Die Tage zwischen den Jahren. Sie merkt schon so ein Ziehen und Beschwerden im Bauch, aber auch in der Rückengegend.
Dachte aber, zwischen den Tagen dann ins Krankenhaus, nicht so wichtig nehmen. Die Familie will ja schöne Zeit miteinander verbringen. Der Mann von ihr, Arzt, beruhigt sie auch und sagt, nee, nee, ist nicht so dramatisch. Eine gute Freundin von ihr, auch Ärztin, sagt ihr dann, na ja, komm doch zwischen den Jahren, ich hab die Praxis auf, komm doch mal bei mir vorbei. Beruhigt sie auch beim Besuch.
Sie bleibt aber hartnäckig und sagt, nee, nimm mir doch auch noch Blut ab, irgendwas stimmt da nicht. Und dann genau Herzinfarkt, ein mittelschwerer Herzinfarkt, die Diagnose im Krankenhaus. Ist das nicht eine unglaubliche Geschichte? Alle denken ja, weil wir jetzt schon eine Zeit lang über Gendergesundheit, was unterscheidet Mann und Frau, reden, hätten sich schon Dinge geändert. Aber nein, selbst in unseren eigenen Köpfen ist das noch nicht so.
Dranbleiben ist also nicht nur ein Motto, was so dahingesagt werden sollte, ne. Diese Hartnäckigkeit, die schenkt uns Frauen jetzt in diesem Fall Lebenszeit, Lebensjahre. Nicht nur längere Lebensjahre, sondern wie schon eingangs erwähnt hoffentlich auch bessere Lebensjahre.
Deswegen, was nehme ich an neuer Erkenntnis aus diesem Gespräch, aus dieser Podcast-Folge mit? Hartnäckigkeit lohnt sich, ja. Und dass der Kern der Gender-Gesundheit wirklich an der Herzgesundheit liegt. Weil wir Frauen eben mit den Wechseljahren und dem Absinken des Oestrogen Spiegels ja, auf einmal auch herzinfarktgefährdet sind. Was wir davor eben nicht so stark waren, weil wir geschützt waren.
Ist noch nicht bis zu jedem durchgedrungen und schon gar nicht, dass die Herzinfarktbeschwerden oder Anzeichen ganz andere sind.
Ich habe mich noch mal bestätigt gesehen, ja, weiterhin nachzufragen bei jedem Arztbesuch, bei jedem Gespräch über mein Wohlbefinden, meine Gesundheit wirklich zu sagen, gibt es da Unterschiede zwischen Mann und Frau, muss ich etwas Besonderes beachten. Und der dritte Punkt, wirklich auch noch mal der Hinweis, die Wechseljahre bei uns Frauen und die Themen, die damit zusammenhängen. Die beginnen eben nicht ab 50 plus, sondern die beginnen schon bei der jungen Frau. Hab ich auch rückblickend überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt und auch ich bin ganz froh, dass dieses Thema ja inzwischen kein Tabuthema mehr ist. Für ältere Frauen genauso wenig wie für Jüngere und dass die ärztliche Versorgung und Fürsorge sich entsprechend auch so langsam ein bisschen darauf einstellen.
Was ich nicht unbedingt dabei haben muss, da bin ich auch ganz ehrlich, dieser ganze Tobawo, der sich jetzt mit Lösungen rund um die Wechseljahre auf einmal aufzeigt, wo ich sage, na ja, da geht es auch so ein bisschen ums reine Geldverdienen, ob wir das alles brauchen. Ich bin da immer ein bisschen kritisch.
Trotzdem, alle Fragen rund um Frauengesundheit sind eben kein Gedöns, weil sie neben der Frau eben ja auch die ganze Familie betreffen und den dazugehörigen Partner. Und deshalb ist diese Fragestellung, was ist anders bei Frauen und bei Männern und was ändert sich auch mit zunehmendem Alter, nicht nur berechtigt, sondern wir müssen sie eigentlich bei jedem Arztgang auch einfordern. Das ist so ein Quick Win den jeder in seinen Alltag direkt mitnehmen kann.
Und dass Frauen ja vielleicht sich selbst auch ein bisschen wichtiger nehmen. Ich meine das jetzt nicht so im Sinne von Achtsamkeit und Gedöns. Ich meine es im Sinne von wir sind ja durch unsere pflegerische Seite in uns ja oft dazu verleitet. Ja, ich nehme ich selbst ein bisschen zurück. Erst mal kommen die Kinder und dann kommt der Mann und dann kommen vielleicht noch die Eltern. Also die sind alle wichtiger als ich selbst, die oft den ganzen Trupp da auch am Laufen hält. Und das war eben auch bei dieser schon erwähnten Veranstaltung, da war dieser Dr. Wimmer da. Ich glaube, die meisten von uns kennen ihn aus TV oder von YouTube-Videos. Und der hat auch noch mal bestätigt aus seinem Alltag, dass es oft die Frauen sind, die sich selbst so zurücknehmen, dass sie auch dazu beitragen, dass wir so ein bisschen übersehen werden.
Und deswegen, glaube ich, müssen wir uns da selbst auch so ein bisschen am Riemen reißen und am Schopf packen und sagen, also bei solchen wichtigen Lebens- und existenziellen Fragen müssen wir so ein bisschen mehr Fürsorge für uns selbst auch haben.
Der, sag ich mal, bisschen anstrengendere Schritt ist ja ein anderer.
Nämlich generell drüber nachzudenken beim Älterwerden. Was muss ich eigentlich in meinem Leben grundsätzlich ändern? Weil sich mein Körper ändert, weil vieles, was ich als normal und selbstverständlich hingenommen habe in jungen Jahren, jetzt nicht mehr funktioniert. Das fängt bei der Bewegung an. Wir hatten es ja im Gespräch auch von dem Krafttraining, das auf einmal existenziell für uns wird, damit wir auch im hohen Alter weiterhin überhaupt uns...
hinsetzen können und auch wieder hochkommen. Also so ganz banale Sachen. Auch Ernährung ist in Zukunft beim Älterwerden ja nicht mal davon getrieben, schmeckt mir etwas oder nicht oder was gibt es für einen neuen Trend, sondern unter der Fragestellung, was lässt mich besonders lange selbstbestimmt alt werden. Deswegen dieses Thema Proteine, wo ich doch denke, da muss ich noch mal bisschen tiefer bohren auch für mich selbst.
Und natürlich das Thema Regeneration wird ein ganz anderes. Wir alle merken beim Älterwerden ja, alles geht nicht mehr so easy peasy. Aber das muss gar nicht schlimm sein. Das ist ein normaler Prozess. Das Schöne ist, es betrifft uns alle. Da kann sich niemand davon freikaufen. Es ist eine sehr demokratische Entwicklung.
Deswegen fand ich den Abschluss des Gesprächs auch nochmal besonders schön, nämlich diese positive Grundeinstellung bei aller realer gesundheitlicher Vorsorge und Krankheiten und Symptomen, die wir genderspezifisch zu beachten haben. Es geht um die Lebensfreude, es geht um die positive Einstellung und es geht auch um unseren eigenen Blick darauf zu sagen, wie komme ich damit klar, dass sich mein Körper verändert?
Das ist erstmal ganz normal und wie ich aber draufgucke und wie ich jeden Tag da rangehe, das macht doch nochmal einen riesen Unterschied. Ein schöner Appell, ein schöner 100 plus Experten-Tipp zumindest aus meiner Sicht und wie schon die Expertin, die ich erwähnt habe, geht es bei den nächsten Podcast-Folgen ein bisschen weiter um die frauenspezifischen Themen, weil die so ein bisschen Nachholbedarf haben. Und apropos positive Lebenseinstellungen, wir können uns hier alle davon nicht lossagen, dass das Äussere für uns eine wichtige Rolle spielt. Und einer der nächsten Gespräche wird wirklich sein, was macht den Hormonbauch eigentlich aus und wie kriegt man ihn auch wieder weg? Und ich bin wirklich ⁓ einiges schlauer aus dem Gespräch rausgekommen.
Danke einer jungen Ärztin, die sich genau diesem Thema gewidmet hat. Darum geht es im nächsten Podcast. Bis dahin wünsche ich natürlich uns allen eine super schöne warme Sommerzeit. Eure Nicola aus Düsseldorf.
Transkript der Folge „Gendergesundheit: Warum Frauen anders krank werden – und was du dagegen tun kannst“ — automatisch erstellt und redaktionell geprüft.
Frauen leben länger als Männer – das steht in jeder Statistik. Was selten dabei steht: Wir leben oft schlechter länger, mit einer längeren Phase der Krankheit. Woran das liegt und was jede:r konkret tun kann, erklärt Dr. Martina Kloepfer, Gründerin eines Instituts für Gendergesundheit. Es geht um Herz, Hormone, Vorsorge – und darum, beim Arztbesuch die richtigen Fragen zu stellen.
Warum leben Frauen länger, aber schlechter
Frauen stehen in jeder Statistik als die Glücklichen da, die länger leben. Doch beim Blick vom Lebensende her zeigt sich: Frauen haben eine längere Phase der Krankheit. Sie leben zwar länger, aber einen grösseren Teil dieser Zeit nicht in guter Gesundheit.
Ein wichtiger Grund liegt in der jahrhundertelangen Vernachlässigung weiblicher Körper in der Medizin. Männer wurden über lange Zeit als Standard für Studien, Diagnostik und Therapie genommen. Bei Frauen muss vieles erst nachgeholt werden – auch wenn das Wissen über Unterschiede heute rasant wächst.
Warum ist der Herzinfarkt bei Frauen so gefährlich
Der Herzinfarkt bei Frauen war die Keimzelle der Gendermedizin – schon in den 1980er-Jahren von Marianne Legato in den USA erforscht. Damals galt es als Novität, dass Frauen überhaupt einen Herzinfarkt bekommen können – auch die Frauen selbst hielten das oft nicht für möglich.
Die Zahlen sind eindeutig: Frauen bekommen insgesamt seltener einen Herzinfarkt, sterben aber häufiger daran als Männer. Dieser Frage ist das Versorgungsforschungsprojekt „Heart Gap" (Herzlücke) nachgegangen. Ein Grund: Die Symptome bei Frauen sind oft andere – und werden im Versorgungsalltag, in Ausbildung und Weiterbildung noch zu wenig berücksichtigt.
Was bedeutet es, wenn Frauenbeschwerden als Gedöns abgetan werden
„Gedöns" ist eine Abwertung – und genau das ist das Problem. Alles Weibliche wurde lange als Schwäche empfunden: die Frau mit Periodenschmerzen, die Schwangere im neunten Monat, die Frau nach der Geburt. Diese Abwertung setzt sich bis heute fort, auch im Arbeitsleben, wo Karrieren noch immer männlich definiert sind.
Das wirklich Problematische: Unter „Gedöns" werden teils auch echte Krankheitsbeschwerden subsummiert. Frauen mit Herzbeschwerden werden nicht ernst genommen, ihre Symptome werden psychologisiert. Frauen kommunizieren ihre Symptome teils anders, empfinden sie anders – und das darf nicht über einen Kamm geschoren werden.
Was ändert sich für Frauen mit den Wechseljahren
Mit dem fallenden Östrogenspiegel verändert sich sehr vieles im Körper. Der Schutz, den Östrogen bietet – auch der Immunschutz –, sinkt. Damit steigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Ein konkretes Beispiel ist der Blutdruck: Frauen mit lebenslang niedrigem Blutdruck können nach den Wechseljahren steigende Werte bekommen. Das muss nicht zu hohem Blutdruck führen – aber man sollte ein Auge darauf haben. Auch das Demenzrisiko ist bei Frauen höher, und Muskulatur und Gehirn stehen über ein Hormon miteinander in Verbindung. Wichtig: Die Wechseljahre beginnen als Lebensthema nicht erst mit 50, sondern betreffen schon junge Frauen.
Welche drei Säulen helfen beim gesunden Älterwerden
Was jede:r selbst tun kann, lässt sich auf drei Säulen stellen: Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte.
- Bewegung: Bewegung ist entscheidend für Körper, Kopf und Seele. Mit zunehmendem Alter muss es nicht mehr anderthalb Stunden Fitnessstudio sein – auch ein guter Spaziergang tut gut. Für Frauen ist Krafttraining besonders wichtig, um Muskulatur zu erhalten und vor Stürzen geschützt zu sein.
- Ernährung: Viel Gemüse, wenig Fleisch – und besonders bei älter werdenden Menschen auf den Eiweisslevel achten, vor allem bei vegetarischer oder veganer Ernährung. Bei Proteinprodukten auf die Zusammensetzung und künstliche Stoffe achten.
- Soziale Kontakte: Gerade Frauen, die Beruf, Familie und Pflege von Angehörigen stemmen, haben wenig Zeit für Freundschaften. Doch wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Rente kommt, ist es wichtig, der Einsamkeit vorzubeugen.
Wie stelle ich beim Arztbesuch die richtigen Fragen
Eine einfache, aber wirkungsvolle Frage lautet: „Was ist bei mir als Frau anders als bei einem Mann?" – und ergänzend: „Was ändert sich mit meinem Alter?" Wenn ein Arzt ehrlich sagt, dass er es nicht weiss und sich belesen muss, ist das ein gutes Zeichen. Problematischer ist die pauschale Antwort „Das ist für alle gleich".
Wir brauchen das Bewusstsein von zwei Seiten: von den Fachkreisen und von den Patientinnen und Patienten selbst. Für verlässliche, fundierte Informationen kann man sich an Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Geschlechterspezifische Medizin (DGSGM) oder den Deutschen Ärztinnenbund wenden – auch um Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung zu finden. Im offenen Internet kursiert dagegen viel – teils gefährlicher – Blödsinn.
Geht es bei Gendergesundheit nur um Frauen
Nein. Gendergesundheit betrifft alle Geschlechter. Männer hatten zwar die letzten Jahrhunderte den Vorteil, Standard der Medizin zu sein – aber gerade bei der Vorsorge sind sie schlecht aufgestellt und müssen oft ganz anders angesprochen werden. Auch psychische Erkrankungen können sich bei Männern komplett anders äussern.
Ein gesunder Mann ist wichtig für sich selbst, die Partnerin und die Familie. Wer ganzheitlich auf den Menschen schaut, kommt automatisch zu einer individualisierten Medizin – der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wie Druck oder Ziehen im Brust- und Rückenbereich solltest du nicht abwarten, sondern ärztlich abklären lassen – Herzinfarkt-Symptome äussern sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Entscheidungen wie eine Hormontherapie oder Schönheits-OP gehören sorgfältig abgewogen und ärztlich begleitet.
Der 100+ Expertentipp
Auf Nicolas 100+-Standardfrage nach der einen Massnahme für ein besseres, gesünderes und längeres Leben antwortet Dr. Martina Kloepfer:
„Dankbarkeit und eine positive Lebenseinstellung."
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Stell bei jedem Arztbesuch die Frage: „Was ist bei mir als Frau anders als bei einem Mann – und was ändert sich mit meinem Alter?" Das kostet nichts und schärft den Blick auf beiden Seiten.
Nutze offizielle Vorsorgeangebote deiner Krankenkasse und informiere dich bei fundierten Quellen wie DGSGM oder Deutschem Ärztinnenbund – auch um Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung zu finden.
Hinterfrage mit zunehmendem Alter, was sich zu den Themen Bewegung, Ernährung und Regeneration ändern sollte. Und besprech dich in den Vorsorge Terminen mit deinem Arzt darüber - und Männer werden am besten gleich mitgenommen.
Damit du morgen früh noch daran denkst
Der tägliche 100+ Funke: ein Impuls am Morgen, in zehn Sekunden gelesen — und du bist wieder bei deinem nächsten kleinen Schritt.
So sah der Funke am 16. Juli aus:
„Heute eine einzige Sache, nur für dich: fünf Minuten Stille, ein Glas Wasser am offenen Fenster, ein tiefer Atemzug — bewusst, ohne schlechtes Gewissen. Wer für alle sorgt, vergisst sich selbst zuerst. Heute nicht. Tipp auf „Gemacht". 💛“
Nicolas Selbsttest
Was nehme ich aus diesem Gespräch mit? Vor allem eines: Hartnäckigkeit lohnt sich. Bei der Veranstaltung, bei der Frau Dr. Kloepfer und ich uns kennengelernt haben, erzählte die Moderatorin eine Wahnsinnsgeschichte – zwischen den Jahren spürte sie ein Ziehen in Bauch und Rücken. Ihr Mann (Arzt) und eine befreundete Ärztin beruhigten sie. Sie blieb hartnäckig, liess sich Blut abnehmen – und bekam die Diagnose: mittelschwerer Herzinfarkt. Diese Hartnäckigkeit schenkt uns Frauen Lebenszeit.
Ich habe mich bestätigt gesehen, bei jedem Arztbesuch weiter nachzufragen: Gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, muss ich etwas Besonderes beachten? Und der Kern der Gendergesundheit liegt für mich an der Herzgesundheit – weil wir Frauen mit den Wechseljahren und dem sinkenden Östrogenspiegel herzinfarktgefährdet werden, was vielen noch nicht bewusst ist.
Ich glaube, wir Frauen müssen uns selbst ein bisschen wichtiger nehmen – nicht im Sinne von Achtsamkeit, sondern weil wir uns aus unserer pflegerischen Seite oft zurücknehmen: erst die Kinder, dann der Mann, dann die Eltern. Bei existenziellen Gesundheitsfragen dürfen wir mehr Fürsorge für uns selbst haben. Und am Ende geht es um die positive Grundeinstellung – wie ich damit klarkomme, dass sich mein Körper verändert. Das macht einen riesigen Unterschied.
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Häufige Fragen
Warum leben Frauen länger, aber schlechter als Männer?
Frauen haben statistisch eine höhere Lebenserwartung, verbringen aber am Lebensende eine längere Phase in Krankheit. Ein Grund ist die jahrhundertelange Vernachlässigung weiblicher Körper in Forschung, Diagnostik und Therapie – Männer galten lange als Standard. Vieles muss bei Frauen erst nachgeholt werden.
Sind Herzinfarkt-Symptome bei Frauen anders?
Ja. Die Symptome eines Herzinfarkts können sich bei Frauen anders äussern als bei Männern. Frauen bekommen insgesamt seltener einen Herzinfarkt, sterben aber häufiger daran. Im Versorgungsalltag werden die weiblichen Symptome noch zu wenig berücksichtigt – deshalb ist es wichtig, Beschwerden ernst zu nehmen und abklären zu lassen.
Was passiert mit dem Körper in den Wechseljahren?
Mit dem fallenden Östrogenspiegel verändern sich viele Prozesse im Körper. Der Schutz durch Östrogen, auch der Immunschutz, sinkt. Dadurch steigen Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, und auch der Blutdruck kann sich verändern. Das Thema betrifft nicht erst Frauen ab 50, sondern beginnt schon in jungen Jahren.
Warum ist Krafttraining für Frauen so wichtig?
Krafttraining hilft, die Muskulatur zu erhalten. Das schützt im späteren Alter vor Stürzen und ermöglicht banale, aber wichtige Bewegungen wie Hinsetzen und Aufstehen. Zudem stehen Muskulatur und Gehirn über ein Hormon miteinander in Verbindung – Bewegung wirkt also auch auf den Kopf.
Wo finde ich verlässliche Informationen zu Gendergesundheit?
Fundierte Auskünfte geben Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Geschlechterspezifische Medizin (DGSGM) und der Deutsche Ärztinnenbund. Dort findet man auch Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung. Im offenen Internet kursiert dagegen viel ungesicherte und teils gefährliche Information.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:

