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Hormone ausgleichen

Gendergesundheit: Warum Frauen anders krank werden – und was du dagegen tun kannst

Folge #35 · mit Dr. Martina Kloepfer

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Das Wichtigste in Kürze

Frauen leben länger als Männer – das steht in jeder Statistik. Was selten dabei steht: Wir leben oft schlechter länger, mit einer längeren Phase der Krankheit. Woran das liegt und was jede:r konkret tun kann, erklärt Dr. Martina Kloepfer, Gründerin eines Instituts für Gendergesundheit. Es geht um Herz, Hormone, Vorsorge – und darum, beim Arztbesuch die richtigen Fragen zu stellen.

Warum leben Frauen länger, aber schlechter

Frauen stehen in jeder Statistik als die Glücklichen da, die länger leben. Doch beim Blick vom Lebensende her zeigt sich: Frauen haben eine längere Phase der Krankheit. Sie leben zwar länger, aber einen grösseren Teil dieser Zeit nicht in guter Gesundheit.

Ein wichtiger Grund liegt in der jahrhundertelangen Vernachlässigung weiblicher Körper in der Medizin. Männer wurden über lange Zeit als Standard für Studien, Diagnostik und Therapie genommen. Bei Frauen muss vieles erst nachgeholt werden – auch wenn das Wissen über Unterschiede heute rasant wächst.

Warum ist der Herzinfarkt bei Frauen so gefährlich

Der Herzinfarkt bei Frauen war die Keimzelle der Gendermedizin – schon in den 1980er-Jahren von Marianne Legato in den USA erforscht. Damals galt es als Novität, dass Frauen überhaupt einen Herzinfarkt bekommen können – auch die Frauen selbst hielten das oft nicht für möglich.

Die Zahlen sind eindeutig: Frauen bekommen insgesamt seltener einen Herzinfarkt, sterben aber häufiger daran als Männer. Dieser Frage ist das Versorgungsforschungsprojekt „Heart Gap" (Herzlücke) nachgegangen. Ein Grund: Die Symptome bei Frauen sind oft andere – und werden im Versorgungsalltag, in Ausbildung und Weiterbildung noch zu wenig berücksichtigt.

Was bedeutet es, wenn Frauenbeschwerden als Gedöns abgetan werden

„Gedöns" ist eine Abwertung – und genau das ist das Problem. Alles Weibliche wurde lange als Schwäche empfunden: die Frau mit Periodenschmerzen, die Schwangere im neunten Monat, die Frau nach der Geburt. Diese Abwertung setzt sich bis heute fort, auch im Arbeitsleben, wo Karrieren noch immer männlich definiert sind.

Das wirklich Problematische: Unter „Gedöns" werden teils auch echte Krankheitsbeschwerden subsummiert. Frauen mit Herzbeschwerden werden nicht ernst genommen, ihre Symptome werden psychologisiert. Frauen kommunizieren ihre Symptome teils anders, empfinden sie anders – und das darf nicht über einen Kamm geschoren werden.

Was ändert sich für Frauen mit den Wechseljahren

Mit dem fallenden Östrogenspiegel verändert sich sehr vieles im Körper. Der Schutz, den Östrogen bietet – auch der Immunschutz –, sinkt. Damit steigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Ein konkretes Beispiel ist der Blutdruck: Frauen mit lebenslang niedrigem Blutdruck können nach den Wechseljahren steigende Werte bekommen. Das muss nicht zu hohem Blutdruck führen – aber man sollte ein Auge darauf haben. Auch das Demenzrisiko ist bei Frauen höher, und Muskulatur und Gehirn stehen über ein Hormon miteinander in Verbindung. Wichtig: Die Wechseljahre beginnen als Lebensthema nicht erst mit 50, sondern betreffen schon junge Frauen.

Welche drei Säulen helfen beim gesunden Älterwerden

Was jede:r selbst tun kann, lässt sich auf drei Säulen stellen: Bewegung, Ernährung und soziale Kontakte.

  1. Bewegung: Bewegung ist entscheidend für Körper, Kopf und Seele. Mit zunehmendem Alter muss es nicht mehr anderthalb Stunden Fitnessstudio sein – auch ein guter Spaziergang tut gut. Für Frauen ist Krafttraining besonders wichtig, um Muskulatur zu erhalten und vor Stürzen geschützt zu sein.
  2. Ernährung: Viel Gemüse, wenig Fleisch – und besonders bei älter werdenden Menschen auf den Eiweisslevel achten, vor allem bei vegetarischer oder veganer Ernährung. Bei Proteinprodukten auf die Zusammensetzung und künstliche Stoffe achten.
  3. Soziale Kontakte: Gerade Frauen, die Beruf, Familie und Pflege von Angehörigen stemmen, haben wenig Zeit für Freundschaften. Doch wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Rente kommt, ist es wichtig, der Einsamkeit vorzubeugen.

Wie stelle ich beim Arztbesuch die richtigen Fragen

Eine einfache, aber wirkungsvolle Frage lautet: „Was ist bei mir als Frau anders als bei einem Mann?" – und ergänzend: „Was ändert sich mit meinem Alter?" Wenn ein Arzt ehrlich sagt, dass er es nicht weiss und sich belesen muss, ist das ein gutes Zeichen. Problematischer ist die pauschale Antwort „Das ist für alle gleich".

Wir brauchen das Bewusstsein von zwei Seiten: von den Fachkreisen und von den Patientinnen und Patienten selbst. Für verlässliche, fundierte Informationen kann man sich an Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Geschlechterspezifische Medizin (DGSGM) oder den Deutschen Ärztinnenbund wenden – auch um Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung zu finden. Im offenen Internet kursiert dagegen viel – teils gefährlicher – Blödsinn.

Geht es bei Gendergesundheit nur um Frauen

Nein. Gendergesundheit betrifft alle Geschlechter. Männer hatten zwar die letzten Jahrhunderte den Vorteil, Standard der Medizin zu sein – aber gerade bei der Vorsorge sind sie schlecht aufgestellt und müssen oft ganz anders angesprochen werden. Auch psychische Erkrankungen können sich bei Männern komplett anders äussern.

Ein gesunder Mann ist wichtig für sich selbst, die Partnerin und die Familie. Wer ganzheitlich auf den Menschen schaut, kommt automatisch zu einer individualisierten Medizin – der kleinste gemeinsame Nenner ist dabei die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern.

Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wie Druck oder Ziehen im Brust- und Rückenbereich solltest du nicht abwarten, sondern ärztlich abklären lassen – Herzinfarkt-Symptome äussern sich bei Frauen oft anders als bei Männern. Entscheidungen wie eine Hormontherapie oder Schönheits-OP gehören sorgfältig abgewogen und ärztlich begleitet.

Der 100+ Expertentipp

Auf Nicolas 100+-Standardfrage nach der einen Massnahme für ein besseres, gesünderes und längeres Leben antwortet Dr. Martina Kloepfer:

„Dankbarkeit und eine positive Lebenseinstellung."

Nicolas Selbsttest

Was nehme ich aus diesem Gespräch mit? Vor allem eines: Hartnäckigkeit lohnt sich. Bei der Veranstaltung, bei der Frau Dr. Kloepfer und ich uns kennengelernt haben, erzählte die Moderatorin eine Wahnsinnsgeschichte – zwischen den Jahren spürte sie ein Ziehen in Bauch und Rücken. Ihr Mann (Arzt) und eine befreundete Ärztin beruhigten sie. Sie blieb hartnäckig, liess sich Blut abnehmen – und bekam die Diagnose: mittelschwerer Herzinfarkt. Diese Hartnäckigkeit schenkt uns Frauen Lebenszeit.

Ich habe mich bestätigt gesehen, bei jedem Arztbesuch weiter nachzufragen: Gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, muss ich etwas Besonderes beachten? Und der Kern der Gendergesundheit liegt für mich an der Herzgesundheit – weil wir Frauen mit den Wechseljahren und dem sinkenden Östrogenspiegel herzinfarktgefährdet werden, was vielen noch nicht bewusst ist.

Ich glaube, wir Frauen müssen uns selbst ein bisschen wichtiger nehmen – nicht im Sinne von Achtsamkeit, sondern weil wir uns aus unserer pflegerischen Seite oft zurücknehmen: erst die Kinder, dann der Mann, dann die Eltern. Bei existenziellen Gesundheitsfragen dürfen wir mehr Fürsorge für uns selbst haben. Und am Ende geht es um die positive Grundeinstellung – wie ich damit klarkomme, dass sich mein Körper verändert. Das macht einen riesigen Unterschied.

Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen

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Stell bei jedem Arztbesuch die Frage: „Was ist bei mir als Frau anders als bei einem Mann – und was ändert sich mit meinem Alter?" Das kostet nichts und schärft den Blick auf beiden Seiten.

bündeln & koppeln

Nutze offizielle Vorsorgeangebote deiner Krankenkasse und informiere dich bei fundierten Quellen wie DGSGM oder Deutschem Ärztinnenbund – auch um Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung zu finden.

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Hinterfrage mit zunehmendem Alter, was sich zu den Themen Bewegung, Ernährung und Regeneration ändern sollte. Und besprech dich in den Vorsorge Terminen mit deinem Arzt darüber - und Männer werden am besten gleich mitgenommen.

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Häufige Fragen

Warum leben Frauen länger, aber schlechter als Männer?

Frauen haben statistisch eine höhere Lebenserwartung, verbringen aber am Lebensende eine längere Phase in Krankheit. Ein Grund ist die jahrhundertelange Vernachlässigung weiblicher Körper in Forschung, Diagnostik und Therapie – Männer galten lange als Standard. Vieles muss bei Frauen erst nachgeholt werden.

Sind Herzinfarkt-Symptome bei Frauen anders?

Ja. Die Symptome eines Herzinfarkts können sich bei Frauen anders äussern als bei Männern. Frauen bekommen insgesamt seltener einen Herzinfarkt, sterben aber häufiger daran. Im Versorgungsalltag werden die weiblichen Symptome noch zu wenig berücksichtigt – deshalb ist es wichtig, Beschwerden ernst zu nehmen und abklären zu lassen.

Was passiert mit dem Körper in den Wechseljahren?

Mit dem fallenden Östrogenspiegel verändern sich viele Prozesse im Körper. Der Schutz durch Östrogen, auch der Immunschutz, sinkt. Dadurch steigen Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, und auch der Blutdruck kann sich verändern. Das Thema betrifft nicht erst Frauen ab 50, sondern beginnt schon in jungen Jahren.

Warum ist Krafttraining für Frauen so wichtig?

Krafttraining hilft, die Muskulatur zu erhalten. Das schützt im späteren Alter vor Stürzen und ermöglicht banale, aber wichtige Bewegungen wie Hinsetzen und Aufstehen. Zudem stehen Muskulatur und Gehirn über ein Hormon miteinander in Verbindung – Bewegung wirkt also auch auf den Kopf.

Wo finde ich verlässliche Informationen zu Gendergesundheit?

Fundierte Auskünfte geben Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Geschlechterspezifische Medizin (DGSGM) und der Deutsche Ärztinnenbund. Dort findet man auch Ärzt:innen mit geschlechterspezifischer Zusatzausbildung. Im offenen Internet kursiert dagegen viel ungesicherte und teils gefährliche Information.

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