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Vorsorge einhalten

Darmspiegelung gegen Darmkrebs: Wie du eine Erkrankung verhinderst, bevor sie entsteht

Folge #18 · mit Prof. Dr. Alldinger

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Das Wichtigste in Kürze

Darmkrebs ist eines der wenigen Krebsleiden, das sich fast vollständig vermeiden lässt – und trotzdem gehen nur 20 Prozent der Menschen zur Vorsorge. Nicola hat ihre erste Darmspiegelung gemacht und nimmt dich Schritt für Schritt mit: vom Vorgespräch über die Vorbereitung bis zur Untersuchung selbst. Ihr Fazit vorweg: Es ist viel weniger schlimm, als alle erzählen – und es ist der einfachste Quick Win für ein langes Leben.

Warum ist die Darmspiegelung anders als jede andere Krebsvorsorge?

Bei den meisten Vorsorgeuntersuchungen geht es darum, einen Tumor möglichst früh zu entdecken. Bei der Darmspiegelung ist es anders: Hier wird die Vorstufe von Darmkrebs entfernt, bevor überhaupt Krebs entstehen kann.

Wie Prof. Dr. Alldinger es ausdrückt: «Wir machen nicht eine Früherkennung von Krebs, sondern wir beugen einer Krebsentstehung vor.» Möglich ist das, weil es bei Darmkrebs definierte Vorstufen gibt – die Darmpolypen. Wird ein Polyp entfernt, kann sich daraus nichts Gefährliches mehr entwickeln.

Warum merkt man Darmpolypen nicht von selbst?

Der häufigste Irrtum – gerade bei Männern – ist der Gedanke: «Ich habe keine Beschwerden, warum soll ich das machen?» Aber genau darin liegt die Gefahr.

Darmpolypen machen keine Beschwerden. Sie können 5 cm gross sein und du spürst nichts davon. Sie bluten nicht zwingend, verändern den Stuhlgang nicht und verursachen keine Bauchschmerzen. Deshalb ist die Vorsorge so wichtig: Sie stellt sicher, dass nichts da ist, obwohl keine Symptome bestehen.

Wie bereite ich mich auf die Darmspiegelung vor?

Der Darm muss komplett entleert sein, damit die Darmwand überhaupt beurteilt werden kann. Nicola hat es so erlebt:

  1. Am Tag davor ab 8 Uhr morgens nur noch trinken, nichts mehr essen – auch keinen Kaffee.
  2. Den Tag mit viel Wasser, Tee und einer herzhaften Brühe (z. B. Miso) verbringen.
  3. Abends gegen 19 Uhr die erste Portion Abführmittel – schmeckt wie eine Brausetablette mit Zitrone, danach viel Wasser nachtrinken.
  4. Nach ein bis anderthalb Stunden setzt die Entleerung ein; eine ruhige Nacht ist möglich.
  5. Am nächsten Morgen die zweite Portion nehmen.
  6. Zwei Stunden vor dem Termin gar nichts mehr trinken, damit man nicht mit einem Wasserbauch ankommt.

Nicolas Erfahrung: Das Abführen war deutlich weniger schlimm als befürchtet – und der entleerte Darm fühlt sich überraschend gut, flach und «sauber» an, fast wie ein Reset.

Wie läuft die Untersuchung ab und tut sie weh?

Ein dünnes Kabel mit einer winzigen Kamera vorne dran wird über den After eingeführt. Auf dem Hinweg wird der Darm nur durchfahren, auf dem Rückweg werden die Polypen entfernt.

Im Darm selbst gibt es kein Schmerzempfinden – das Wegknipsen der Polypen tut nicht weh, Nicola hat es nur auf dem Bildschirm gesehen. Das einzig leicht Unangenehme waren die «Ecken» des Dickdarms, wo ein Druckgefühl entsteht. Eine erfahrene Mitarbeiterin half dabei mit sanftem Druck und Streicheln am Bauch, sodass die Kamera möglichst schmerzfrei um die Kurven kam.

Bei Nicola wurden drei Polypen entfernt – Wucherungen, aus denen sich eventuell Darmkrebszellen hätten entwickeln können. Den Befund bekommt man direkt nach der Untersuchung.

Brauche ich eine Narkose – und was ist mit CO2?

Die Untersuchung ist auch ohne Narkose möglich. Empfohlen wird grundsätzlich eine leichte Narkose, weil gerade bei jungen, schlanken Frauen der Darm sehr beweglich ist und es beim Zurechtruckeln schmerzhaft werden kann. Bei Narkose betreut ein eigenes Anästhesie-Team mit Pflegekraft, der Arzt kümmert sich nur um die Spiegelung.

Nicola hat sich bewusst gegen die Narkose entschieden – aus persönlichen Gründen, weil sie bei ihrem Vater erlebt hat, wie lange er sich nach Narkosen erholen musste. Sie betont aber: Mit leichter Narkose spürst du nichts und wachst schnell wieder auf.

Zum Aufdehnen des Darms wird Luft oder medizinisches CO2 verwendet. CO2 wird vom Körper aufgenommen und abgeatmet, sodass keine Bauchkrämpfe nach der Untersuchung entstehen. Es kostet einen kleinen Aufpreis – «in Höhe von einer Pizza».

Sieht der Arzt auch mein Mikrobiom und meine Ernährung?

Nein. Der Arzt kann mit blossem Auge weder das Mikrobiom noch Ernährungsgewohnheiten erkennen. Seine Aufgabe ist nachzuweisen, dass der Darm als Organ gesund ist. Verdauungs- oder Reizdarmbeschwerden sind optisch nicht sichtbar – dafür sind Ernährungsberater und -psychologen zuständig. Darmentzündungen dagegen sieht man.

Bei der Reinigung wird ein Grossteil der Bakterien ausgeschwemmt, aber nicht alle – eine dünne Bakterienschicht bleibt auf der Schleimhaut. Schon nach wenigen Tagen baut sich das Mikrobiom wieder auf. Wichtig: Eine regelmässige Darmspülung zur «Entschlackung» ist nicht sinnvoll, weil sie das mühsam aufgebaute Mikrobiom stört.

Wichtig: Eine Darmspiegelung wird ab 50 Jahren für jeden empfohlen. Wenn in deiner Familie Darmkrebs oder Darmpolypen vorkommen (Eltern, Geschwister, Grosseltern, Onkel), solltest du schon früher gehen – mit 40 oder sogar 35 ist das nicht zu früh. Die Entfernung von Polypen ist mit einem sehr geringen, aber gewissen Risiko verbunden (Blutung, Darmverletzung); sehr grosse Polypen werden stationär in der Klinik abgetragen. Verlasse dich nie auf «ich habe keine Beschwerden» – Polypen machen keine Symptome. Die regelmässige Darmspülung zur Entschlackung ist kein Therapiekonzept und kann das Mikrobiom schädigen.

Der 100+ Expertentipp

Auf die Frage, warum diese Untersuchung so besonders ist, bringt es Prof. Dr. Alldinger auf den Punkt:

«Das Besondere bei der Darmspiegelung ist, dass wir nicht Darmkrebs suchen, sondern wir suchen die Vorstufe von Darmkrebs, also Darmpolypen. Und wenn ich den Darmpolypen entferne, kann sich daraus gar kein Darmkrebs entwickeln. Jeder Mensch braucht eine Darmkrebsvorsorge ab 50 – und wer in der Familie Darmkrebs oder Darmpolypen hatte, sollte auch schon mit 40 oder 35 gehen.»

Nicolas Selbsttest

Mir ist klar geworden: Es ist komplett egal, wie gesund ich mich ernähre, wie gut ich mich bewege oder welche Biohacks ich für mein 100-Plus-Ziel umsetze. Die Genetik entscheidet, ob ich anfällig bin für Polypen. Und umso besser, dass die schon entfernt werden, bevor daraus überhaupt Darmkrebs entstehen könnte. Einfacher kann man so ein Quick Win gar nicht erzielen.

Ich habe mich ehrlich gesagt darauf gefreut, mal in meinen Körper reinzugucken – und es war wirklich sehr spannend, mich von innen zu erleben. Ich fand die Bilder sogar ästhetisch. Beim Darm denkt man ja immer nur an Stuhlgang, aber da war ja nichts mehr, alles ausgespült.

Mein Fazit: Es ist nicht so schlimm, wie oft erzählt wird. Ich freue mich nicht, in drei Jahren wieder hinzugehen, aber ich habe auch keine Furcht – es ist ein fester Termin. 3000 Untersuchungen im Jahr, nur 10 bis 15 schlimme Befunde: Ich will zu den anderen 2990 gehören. Also: anrufen, Termin machen. Und wenn du einen Kerl zu Hause sitzen hast, mach für den gleich auch einen.

Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen

Quick Win

Greif zum Telefon und mach einen Termin zur Darmspiegelung – ab 50 (Männer) bzw. 55 (Frauen), bei familiärer Vorbelastung auch schon ab 35–40. Es ist der einfachste Weg, dir Lebenszeit zu schenken.

bündeln & koppeln

Nutze den Vorbereitungstag bewusst als Fastentag und meditativen Reset – zwei Fliegen mit einer Klappe. Und mach gleich für deinen Partner einen Termin mit, denn Männer sind in der Vorsorge oft nachlässiger.

next Level

Bleib dran an deiner Darmgesundheit: Füttere dein Mikrobiom mit gutem Futter für die guten Bakterien und halte deine empfohlenen Kontrolltermine (in 3, 5 oder 10 Jahren je nach Befund) konsequent ein.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter sollte man zur Darmspiegelung gehen?

Empfohlen wird die Darmkrebsvorsorge ab 50 Jahren für Männer und ab 55 für Frauen. Wenn in der Familie Darmkrebs oder Darmpolypen vorkommen – bei Eltern, Geschwistern, Grosseltern oder Onkel –, sollte man früher gehen. Dann ist auch eine Darmspiegelung mit 40 oder sogar 35 Jahren nicht zu früh.

Tut eine Darmspiegelung weh?

Im Darm selbst gibt es kein Schmerzempfinden, das Entfernen der Polypen tut nicht weh. Leicht unangenehm können nur die «Ecken» des Dickdarms sein, wo ein Druckgefühl entsteht. Mit einer leichten Narkose spürt man gar nichts. Ohne Narkose kann es beim Zurechtruckeln des Darms zu Druck oder Schmerzen kommen – deshalb wird sie grundsätzlich empfohlen.

Wie bereitet man sich auf eine Darmspiegelung vor?

Am Tag davor ab dem Morgen nur noch trinken und nichts mehr essen, auch keinen Kaffee. Über den Tag viel Wasser, Tee und Brühe trinken. Abends und am nächsten Morgen wird ein Abführmittel eingenommen, das den Darm komplett entleert. Zwei Stunden vor dem Termin sollte gar nichts mehr getrunken werden. Je sauberer der Darm, desto besser kann er beurteilt werden.

Warum verhindert eine Darmspiegelung Krebs statt ihn nur zu erkennen?

Anders als andere Vorsorgen entfernt die Darmspiegelung die Vorstufe von Darmkrebs – die Darmpolypen. Wird ein Polyp entfernt, kann sich daraus gar kein Darmkrebs mehr entwickeln. Damit beugt die Untersuchung der Krebsentstehung vor, statt nur einen bereits bestehenden Tumor zu finden. Bei etwa einem Drittel der über 50-Jährigen werden Polypen gefunden.

Ist die Darmreinigung gut zum Entschlacken des Darms?

Nein. Die Darmreinigung ist nur für die Darmspiegelung gedacht. Eine regelmässige Darmspülung zur «Entschlackung» ist nicht sinnvoll, weil sie das über das Leben aufgebaute, individuelle Mikrobiom stört oder im schlimmsten Fall zerstört. Wenn die Verdauung funktioniert, sollte man den Darm in Ruhe lassen – das Mikrobiom baut sich nach einer Spiegelung in wenigen Tagen wieder auf.

Vom Wissen ins Machen.

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