Fertiggerichte ohne Zusatzstoffe: Wie du an der Zutatenliste erkennst, was wirklich drin ist
Folge #28 · mit Felix Ahlers
Das Video läuft mit Untertiteln.
🎧 Lieber hören?
Das Wichtigste in Kürze
- Im deutschen und europäischen Lebensmittelrecht sind über 2500 Zusatzstoffe zulässig – Aromen, Stabilisatoren, Emulgatoren, Farbstoffe und Geschmacksverstärker.
- Der Anteil an Fertignahrung und Convenience-Produkten wächst – die Produktion von Fertiggerichten hat in den letzten fünf Jahren über 25 % zugelegt.
- Ein natürliches Aroma muss nicht aus der Frucht stammen, die es nachahmt – es ist eine reine gesetzliche Formulierung, kein Qualitätsmerkmal.
- Zusatzstofffreie Produkte kosten im Schnitt nur 10 bis 15 % mehr – etwa 40 bis 50 Cent pro Gericht.
- Beim Lesen der Nährwerttabelle gilt: viel Ballaststoffe und Eiweiss sind gut, viel Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz sind schlecht – 3 Gramm Zucker entsprechen einem Würfelzucker.
- Der beste Tipp eines Lebensmittel-Anbieters: selbst kochen mit frischen oder tiefgekühlten Rohwaren – dann weisst du genau, was drin ist.
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Das vollständige Transkript der Folge — zum Mitlesen, Nachschlagen und Zitieren.
Transkript anzeigen
Nicola00:00
Hallo und herzlich willkommen zurück zum Podcast zur Langlebigkeit. Unserm gemeinsamen Weg mit neuen Erkenntnissen, möglichst bessere, erfüllte, schönere 100-plus Jahre zu erleben. Wir Deutschen werden jedes Jahr nicht nur dicker, sondern leider auch kränker. Und das, obwohl wir echt ja gar keinen Mangel erleben müssen. Also wenn wir im Supermarkt stehen, dann kriegen wir doch ganzjährig die Erdbeeren, die Heidelbeeren, die Avocados, den Salat, was auch immer.
Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass nicht der Bereich der Frische Produkte im Supermarkt wächst, sondern der Bereich an Fertignahrung, sogenannten Convenience-Produkten, die wir nur noch in die Mikrowelle schieben müssen oder kurz warm machen. Und oftmals, wenn wir dann doch denken, ist vielleicht nicht immer das beste Essen, dann greifen wir gern zu teuren Pillen und Pülverchen, vielleicht auch das schlechte Gewissen so ein bisschen zu beruhigen.
Und die schlechte Nachricht für heute ist, keine Pille dieser Welt kann diese Ernährung mit hochverarbeiteten industriellen Produkten wieder gut machen. Denn was passiert? Wir kennen es alle, die Chips-Tüte aufgemacht, ist sie weggefuttert, genauso die Tafel Schokolade. Aber ja, weil unser Sättigungsgefühl manipuliert wird. Wir merken gar nicht mehr, wenn unser Körper eigentlich schon Stopp sagt. Und wenn wir das über Jahre zu uns nehmen, dann kann eben eine Fettleber entstehen. Und eine Fettleber arbeitet so, dass das ganze Zucker, der mit der Ernährung in den Körper kommt, direkt ins Fettgewebe eingelagert wird. Da werden wir nicht nur dicker, sondern es erhöhen sich auch die stillen Entzündungen. Und das sind die Entzündungen, die vor allem schlimme Folgeerkrankungen auch verursachen. Das wirklich dramatische aber habe ich in einer Studie gelesen, dass mit Fertigprodukten inzwischen auch die Darmkrebsvorfälle in Deutschland zunehmen. Und zwar nicht bei den 70-, 80-Jährigen, sondern bei den unter 50-Jährigen. Und das ist ja besonders dramatisch, weil die eigentliche Vorsorgeuntersuchung, die Darmspiegelung, da könnt ihr gerne mal in Folge 18 noch mal reinhören, da habe ich über meine eigene Darmspiegelung berichtet, die wird meistens von den Krankenkassen erst ab 50 angeboten. Und das ist ein wirkliches Drama, wie ich finde. Dass es auch anders geht, dass es auch Fertigprodukte gibt, und das ist die gute Nachricht heute, die uns nicht krank machen, sondern die wir wirklich auch genießen können, darüber spreche ich mit meinem heutigen Gast.
Nicola02:49
Die Produktion von Fertiggerichten boomt in den letzten fünf Jahren über 25 Prozent. Und da stellt sich für mich natürlich die Frage, also ich esse gerne, ich koche gerne, aber auch ich habe nicht immer die Zeit, alle Zutaten einzukaufen, also greife auf Produkte aus dem Supermarkt zurück. Was macht jetzt aber den Unterschied aus, damit wir auch mit Fertiggerichten möglichst gut, gesund und vielleicht auch sehr lange gut leben können. Dazu habe ich heute einen Experten aus der Lebensmittelbranche eingeladen, den Herrn Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender der Frosta AG und Mehrheitseigentümer. Er ist aber in seinem ersten Leben, habe ich gelesen, hat er sich zum Koch ausbilden lassen und hat es unter zwei Sternen da auch nicht getan bei seiner Ausbildung, sodass er sich jetzt auch Chef de Cuisine nennt in seinem Unternehmen. Aber vor allem geht es ja darum, dass sie Marktführer der tief gekühlten Fertiggerichte, jetzt muss ich schon korrekt sagen, sind mit der Frosta AG. Und ihr Claim heißt Food the way it should be. Das können jetzt viele behaupten. Sie sagen aber seit 2003, bei uns kommt nichts rein, was irgendwas an Zusatzstoffen auch nur erinnern könnte.
Und dass sie es ernst meinen, zeigt auch ihr Engagement bei dem Zusatzstoffmuseum in Hamburg, das es seit 2008 gibt. Herzlich willkommen, Herr Ahlers.
Felix Ahlers04:29
Dankeschön, vielen Dank!
Nicola04:31
Und jetzt nehmen sie uns doch gleich mal zum Start weg mit in ihre Branche, in die Lebensmittelindustrie. Was hat sie in der letzten Zeit noch aufgeschreckt oder überrascht? Im positiven, aber vielleicht im negativen eher geschockt. Gibt's da was?
Felix Ahlers04:50
Grundsätzlich glaube ich die Tatsache, dass sich eben die Lebensmittelgewohnheiten in den letzten 50 Jahren sehr radikal verändert haben. Wenn wir uns überlegen, wie wir vor 50 Jahren gegessen haben, was ja für die Evolution eine winzige Zeitspanne ist, dann war das vollkommen anders und heute wird eben enorm viel an verarbeiteten Lebensmitteln gegessen.
Egal ob es jetzt Süßigkeiten sind oder verarbeitete Joghurt, alles sozusagen, was man eben nicht mehr selbst zubereitet. Und was eben dann in diesem Zuge passiert ist, ist, dass gleichzeitig eben eine enorme Anzahl von Zusatzstoffen eingesetzt worden sind, die entwickelt worden sind speziell für die Lebensmittelindustrie.
Nicola05:36
Innen.
Felix Ahlers05:41
Mit dem einzigen Grund, dass man eben Lebensmittel im großen Maßstab deutlich billiger herstellen kann und eben echte Zutaten ersetzen kann mit Aromen. Das ist,
Nicola05:52
Innen.
Felix Ahlers05:54
glaube ich, ein fundamentales Problem, was wir sehen, weil einfach die Leute sich mit ihren Körpern nicht so schnell an vollkommen neue Zutaten und Zusatzstoffe gewöhnen können.
Nicola06:11
Was hat Sie denn zu dem Thema Zusatzstoffe gebracht oder andersrum, dass Sie als Unternehmer auch 2003 entschieden haben, Ihrer Familie darauf verzichten zu wollen?
Felix Ahlers06:24
Genau, haben eigentlich gesehen, Sie müssen sich vorstellen, es gibt eigentlich zwei Welten. Es gibt im Prinzip der Welt des Zuhausekochens mit normalen Zutaten, die man auch natürlicherweise überall findet, oder auch der guten Restaurants, die eben wirklich ganz normal kochen, wie eben man es auch über Jahrhunderte oder Jahrtausende gemacht hat und gelernt hat. Und dann gibt es eben die Welt der Industrie. So und da wird eben vollkommen anders gekocht und hergestellt und eben mit einem sehr, sehr hohen Anteil von diesen ganzen Aromen, Stabilisatoren, Emulgatoren, Farbstoffen, Geschmacksverstärkern.
Alles Stoffe, die man zu Hause nie einsetzen würde. Und da wir immer mehr diese industriell verarbeiteten Lebensmittel essen, ist natürlich auch eine Folge, dass aus unserer Sicht es mehr Allergien gibt, dass es immer mehr Leute gibt, die auch Übergewicht haben. Und das sind alles Folgeerscheinungen, die wir aus unserer Sicht sehr schwierig finden, wo wir aber glaube ich eben auch etwas dagegen tun können. Weil wir können, und das haben wir bewiesen,
Nicola07:04
Ja. .
Felix Ahlers07:30
sagen, dass wir auch im großen Maßstab, auch industriell, nach Vorgabe der klassischen traditionellen Küche herstellen können. Das heißt also ohne diese ganzen Hilfs- und Zusatzstoffe.
Nicola07:43
Was fällt denn am schwierigsten abzubilden ohne Zusatzstoffe? Ich sage jetzt mal eine gewisse Cremigkeit oder gewisse Geschmacksstoffe oder diesen Umami Geschmack über den immer gesprochen wird. Was sehen Sie in der Praxis bei sich?
Was fällt Ihnen da am schwersten?
Felix Ahlers08:05
Schwierig ist erstmal, dass man natürlich, wenn man im Wettbewerb steht zu anderen, dass man man selbst eben darauf verzichtet, dass man eben kein Aroma einsetzt, dann muss man eben richtig gute Zutaten nehmen. Ich gebe mal als Beispiel, wenn Sie einen Pecorino kaufen, dann ist der ja besonders intensiv im Geschmack, weil er auch lange gereift ist. Und das zu ersetzen mit einem Aroma ...
ist eben einfach, sehr billig und wir nehmen den echten Pecorino und müssen dann eben auch dafür das Geld bezahlen. Und am Ende muss man natürlich auch den Verbrauchern erklären, warum ist unser Produkt dann vollkommen anders als ein Produkt, was teilweise zumindest mit Käsearoma hergestellt worden ist.
Nicola08:47
Vielen Dank.
Felix Ahlers08:48
Das ist ein Thema. Aber es gibt auch ganz viele andere kleine Dinge. Es gibt die Tatsache, dass wenn Sie Sahne verarbeiten industriell, dann haben Sie immer ein Carrageen. Dieses Carrageen verhindert dieses Aufrahmen der Sahne. Damit ist die Sahne immer schön homogen. Ist aber eben auch ein Zusatzstoff. Und wir bei uns wollen diesen Zusatzstoff nicht und haben deshalb ein Rührwerk, sodass die Sahne auch bei uns homogen bleibt, aber eben ohne Zusatzstoffe. Oder dass ich sage, wenn ich eine Soße binde,
Nicola08:56
Ja.
Felix Ahlers09:18
dann nehme ich immer sehr schön Emulgatoren oder modifizierte Stärken, liest man ja auch überall, aber das sind eben auch chemisch modifizierte Produkte und bei uns machen wir eben eine klassische Mehlschwitze, wo wirklich Butter und Mehl angerührt werden und dann gebunden werden mit Hitze, sodass sich da auch eine sehr schöne Soße herstellen lässt. Aber es sind alles Aufwände, die natürlich entstehen und die man
Nicola09:21
. In.
Felix Ahlers09:47
wenn man will, einfach umgehen kann mit Zusatzstoffen. Dadurch hat man auch entsprechend deutlich weniger Kosten. Nur führt es dazu, dass die Produkte nicht mehr natürlich sind.
Nicola09:59
Bedeutet das automatisch, dass ihre Zutatenlisten eigentlich von jedem lesbar sind und verständlich.
Felix Ahlers10:06
Genau, haben ja bei uns jetzt eine kleine Anekdote, ganz oft rufen uns Leute an und sagen, sie finden unsere Zutatenliste nicht. Und der Witz dabei ist, das Größte, was uns auf der Verpackung ist, ist die Zutatenliste. Nur die Leute sind gewohnt, die Zutatenliste ganz klein gedruckt irgendwo zu suchen.
Dadurch finden sie unsere gar nicht, weil sie das nicht gewohnt sind. Das ist ja so sichtbar und groß. Das zeigt eben auch, dass die Industrie versucht, diese ganzen Zusatzstoffe nicht transparent zu machen, die möglichst zu verstecken. Und die Verbraucher aber richtigerweise natürlich das genau wissen wollen und sich informieren wollen. Deshalb haben wir sie groß auf die Verpackung gedruckt. Deshalb erklären wir auch bei jeder einzelnen Zutat noch was dahinter, was es genau bedeutet. Das ist ein zusätzliches Thema zum Thema. Wir nehmen keine Zusatzstoffe auf das Thema der Transparenz, was uns sehr wichtig ist.
Nicola11:09
Absolut. Und das zeigt sich ja dann auch in der Nährstofftabelle, die viele gar nicht lesen, obwohl sie doch recht einfach und übersichtlich ist. Wie schaffen sie es, dass sie die Nährstoffdichte ihrer einzelnen Zutaten auch wirklich maximal erhalten können? Muss man besonders Schock gefrieren oder wie passiert das?
Felix Ahlers11:32
Ja, also die Schockfrostung ist ja ideal, weil sie im Prinzip wirklich alle Nährstoffe auf dem gleichen Niveau hält, ohne dass man irgendwas dazu tun muss. Man muss weder was erhitzen, man muss eigentlich gar nichts machen, nur eben diese einmalige Schockfrostung. Und ansonsten ist es eben so, dass gerade durch die natürlichen Zutaten, die wir haben, ja eben auch den vollen Nährwertgehalt haben. Das heißt also, nochmal zurück zum Beispiel Käse, da sind eben alle Proteine enthalten. Wenn ich jetzt den Käsegeschmack mit einem Aroma erzeuge, dann fehlen mir ja auch Proteine, die normalerweise in dem Käse drin sind. Das heißt, ich gaukel dem Körper dann noch etwas vor, was es gar nicht gibt, nämlich einen Käsegeschmack, assoziiert der Körper dann mit einem gewissen Nährwertgehalt.
Und der ist aber gar nicht da, der Geschmack eigentlich durch ein reines Aroma entstanden ist. Und deshalb glaube ich führt das auch oft zu Fehlverhalten, dann auch zu dem Thema, dass man dann oft zu viel isst, weil man einfach die Nährwerte gar nicht bekommt, die man haben will und man ist nicht mehr so gesteuert, wie man normalerweise über den Geschmack gesteuert wird.
Nicola12:49
Zum Beispiel oder ich hatte erst letztens vor kurzem Gespräch mit einem Adipositasexperten, der natürlich auch noch mal darauf hingewiesen hat, schon in der Muttermilch bekommen wir süß und fett. Also es ist einfach in unserem Hirn auch sehr sehr tief verankert zu sagen, das ist die große Belohnung. Da fühle ich mich wohl, das ist wie noch mal an die Brust genommen zu werden, es mal sehr emotional auszudrücken und das nimmt sich natürlich die Lebensmittelbranche schon auch zu Nutze.
Felix Ahlers13:00
Mhm.
Nicola13:18
Zu sagen, alles was möglichst mit Fetten, mit Zucker und mit Salz ergänzt ist, lässt sich aber ablesen. Deswegen dieser Nutri-Score. Ich habe gesehen, dass sie von dem oder gelesen, dass sie von dem nicht so viel halten. Erklären Sie mal warum.
Felix Ahlers13:20
Na, tschüss.
Naja, weil der Nutri-Score im Prinzip auch belohnt, wenn man Fett oder Zucker mit Süßstoffen oder mit anderen Aromen ersetzt. Und das wird nicht bewertet. Das heißt, wenn ich ein Produkt habe, wo ich sehr, sehr viele Zusatzstoffe habe, dann kann ich im Worst Case sozusagen einen grünen Nutri-Score haben, weil ich im Prinzip wenig Nährwerte habe, aber eben viel Geschmack durch ...
Nicola13:57
Ja, ja.
Felix Ahlers14:05
Zutaten, die nicht natürlich sind. Deshalb glauben wir, man müsste den Nutriscore so ändern, dass man eben auch das Thema Zusatzstoffe bewertet. Dann werden wir auch sofort dabei. Nur wenn man dieses Thema Zusatzstoffe, Aromen einfach komplett weglässt.
Nicola14:16
Mhm.
Felix Ahlers14:21
Dann glaube ich kann es in ganz vielen Fällen dazu führen, dass die Industrie versucht Fett und andere Dinge zu reduzieren, aber dann umso mehr Zusatzstoffe einsetzt, ⁓ das geschmacklich zu kompensieren.
Nicola14:38
Das stelle ich mir natürlich sehr schwierig vor, weil den schönsten Claim, den ich immer lese, ist, ohne künstliche Zusatzstoffe oder Aromen, wo ich mal denke, wer schon auf dieses künstlich geht, hat irgendwas zu verbergen.
Felix Ahlers14:54
Ja.
Ja, das ist ja eine reine gesetzliche Formulierung, müssen Sie sich vorstellen. Weil das Thema natürlicher Aromen bedeutet ja nicht, dass das Aroma aus der Frucht kommt, die sie aromatisiert. Also man würde ja denken, in einem natürlichen Aroma, im Himbeerjoghurt kommt das natürliche Aroma aus der Himbeere. Aber das ist eben nicht so. Und damit ist es eigentlich eine gesetzliche Formulierung, die sagt, naja, wenn der Ausgangsstoff irgendwie natürlich war, also ein Zedernholz,
Nicola15:12
Genau.
Ja.
Felix Ahlers15:24
was dann mit irgendwelchen Kulturen irgendwann so wie Himbeere schmeckt, dann ist das Zedernholz ja natürlich und deshalb darf ich es natürlich nennen. Das ist aber eigentlich eine Absurdität und zeigt eigentlich auch die Lobby der Lebensmittelindustrie, die natürlich genau das versucht, dass man eben auch reine Kunstprodukte als irgendetwas Positives natürliches darzustellen.
Nicola15:49
Selbst Schimmel ist ja natürlich.
Felix Ahlers15:51
Am Ende ist natürlich irgendwie alles natürlich. Aber wie gesagt, deshalb ist auch bei uns die Definition, was es natürlich ist, im Prinzip zu sagen, es ist das, was sich über Jahrtausende in der traditionellen Kochkunst oder in der traditionellen Zubereitung von Speisen eigentlich in der menschlichen Ernährung durchgesetzt hat.
Nicola16:00
...
Felix Ahlers16:12
Und dass die Leute sich an eine Küche, an Lebensmittel gewöhnt haben und die erfolgreich ist und die man eben in ganz kurzer Zeit sehr radikal verändert hat.
Nicola16:28
Wenn man auf ihre Website geht, dann findet man auch einen Friedhof. Einen Friedhof von Produkten, die sie über die Jahre eingestellt haben, aus unterschiedlichen Gründen. Und da auch mein Übergang, wie schwer ist es für sie inzwischen als Unternehmer wirklich, die guten Zutaten auch in ihrer Lieferkette sicherstellen zu können.
Felix Ahlers16:54
Das ist natürlich immer schwierig. Das ist auch in Zeiten von Ernteausfällen, Klimawandel schon ein Thema. Wir müssen sehr dafür kämpfen, dass wir auch immer verschiedene Ursprünge haben bei den Zutaten, damit wir auch in Fällen einer Missernte trotzdem abgedeckt bleiben. Und das ist tatsächlich etwas, was wahrscheinlich auch zukünftig noch schwieriger werden wird.
Nicola17:22
Das heißt, Alternative, sag ich mal, auch Fleischersatz, Fischersatz aus dem Labor ist etwas, wo sie in Zukunft auch für sie Potenziale sehen. Nutzen Sie das schon?
Felix Ahlers17:41
Also es gibt es bei uns auch, wir haben zum Beispiel auch ein Fischstäbchen, was rein vegan ist, genau mit rein Gemüse. Was wir anders machen, weil wir keine Zusatzstoffe einsetzen bei diesen Produkten, ist, dass wir nicht sagen, das muss jetzt wirklich genau wie ein Fischstäbchen schmecken oder das muss genau wie ein Huhenfleisch schmecken, sondern wir sagen, es muss gut schmecken. Wir haben aber nicht sozusagen den Anspruch, dass sie es eins zu eins kopieren.
Nicola17:45
Und dann ist Mh.
Felix Ahlers18:07
Dadurch können wir auch in solchen Produkten eigentlich eine hohe Natürlichkeit haben, einen guten Geschmack, aber eben nicht sagen, es muss jetzt genauso schmecken. Und ich glaube, das ist genau das Problem bei vielen dieser veganen Produkten.
Dass wenn man auf die Zutatenliste dann guckt, dass dann eben voll von Chemie ist wieder und dann ersetze ich ein vermeintlich schlechtes Produkt oder ein Fleischprodukt, was ich vielleicht ersetzen will, dann mit einem veganen Produkt, was aber tatsächlich rein gesundheitlich wahrscheinlich eher kritischer ist oder noch kritischer ist als das Fleisch, was ich mal bisschen reduzieren wollte. Also insofern muss man immer sehr genau hingucken, was ist wirklich drin in den Zutaten, in den Produkten. Und dabei muss man auch wissen,
Nicola18:33
Ja.
Ja.
Felix Ahlers18:52
dass eben viel auf den Zutatenlisten gar nicht erscheint, weil es eben nicht deklariert werden muss. Also einen Farbstoff in einer Butter oder solche Dinge oder eine Rieselhilfe in einem Salz muss ich nicht auf die Zutatenliste schreiben.
Nicola18:57
Ja.
Ja.
Zuteilendnis.
Obwohl die deutsche oder europäische Zutatenliste schon recht streng ist, aber es gibt dann doch noch, ich sag mal so Trägerstoffe oder wie nennen sie das in der Fachsprache?
Felix Ahlers19:19
Genau.
Die sagen dann, wenn es im Endprodukt keine technische Wirkung mehr hat, also die Rieselhilfe im Salz hat ja nur im Salz die Wirkung. Im Endprodukt, also in einem Gericht bei uns, hat es dann keine Wirkung mehr. Dann muss es nicht drin sein, obwohl es de facto ja drin ist. Also eigentlich will der Konsument ja wissen, was ist denn eigentlich im Produkt drin.
Nicola19:30
Okay, ja, ja, ja, ja.
Ja.
Felix Ahlers19:46
Da fliegt es dann raus und das ist für mich vollkommen unverständlich. Genau das Carrageene in der Sahne muss ich auch nicht deklarieren.
Nicola19:52
Ja,
Felix Ahlers19:55
Das führt auch dann dazu, dadurch, dass die Lebensmittel-Deklarationen so locker sind, dass es natürlich niemanden gibt, der wirklich Interesse hat, diese ganzen Dinge wegzulassen, weil er sie ja ohnehin nicht deklarieren muss. Das heißt also, ich kann mich auch mit relativ viel schlechten Zutaten immer noch sehr positiv darstellen.
Nicola20:07
Ja. Ja. Ja, ja.
Felix Ahlers20:18
Und das führt dazu, dass das viele eben auch nutzen und es wenig Anreize gibt auch für Unternehmen, sich eben mit besseren Produkten oder mit besseren Zutaten zu beschäftigen.
Nicola20:31
Jetzt hat ja gerade die Fertigprodukteindustrie, was Mediziner und Ernährungswissenschaftler betrifft, wird ja immer auf hochindustriell verarbeitete Lebensmittel hingewiesen. Und man hat immer so das Gefühl, na ja, aber es geht einfach auch darum, der Alltag der Menschen sieht eben so aus, dass dort das Gefühl entsteht, ich kann nicht mehr einkaufen gehen und selbst kochen, sondern muss doch oft auf Fertigprodukte zugreifen.
Ihre Zielgruppe oder Ihre Kunden, wenn Sie die beschreiben, sind das eher die Jungen, die gar nicht mal wissen, wie vielleicht auch gekocht wird? Sind es eher die Familien, die einfach auch aus Zeitnot nicht anders können? Oder sind es eher die Senioren, die irgendwann mal die Lust und die Kraft verlieren, jeden Tag für sich selbst zu kochen? Können Sie da was sagen?
Felix Ahlers21:22
Also grundsätzlich ist es von allem ein bisschen. Oft ist es natürlich so, dass gerade bei Gerichten, nicht unbedingt... Also unsere Gerichte lohnen sich natürlich umso mehr, wenn man nicht so viele isst. Also wenn man zu zehnt isst, dann kocht man vielleicht im Zweifel lieber selbst. Wenn man aber nur zu zweit oder zu dritt ist, dann lohnt es sich eben auch oft nicht zu kochen und dann sind unsere Produkte eigentlich sehr oft sehr gut geeignet.
Nicola21:24
Mh.
Felix Ahlers21:48
Das heißt, wir sehen, dass wir im Schnitt eher in Haushalten sind, die klein sind. Das macht auch einfach inhaltlich Sinn. Aber was wir eben auch sehen, ist, dass besonders die Leute, natürlich auch einen Anspruch haben an Gesundheit, die auch bereit sind, dafür ein paar Cent mehr auszugeben, dass die dann eben auch mit unserem Konzept sehr hohes Interesse haben.
Nicola22:04
Herr Im Schnitt ⁓ wie viel Cent sind sie teurer im direkten Vergleich zu Mitbewerbern, die mit Zusatzstoffen arbeiten? Was muss man da so pro Packung rechnen?
Felix Ahlers22:22
Durchschnittlich würde ich sagen, so 10 bis 15 Prozent. Das sind ungefähr pro Gericht 40 bis 50 Cent.
Nicola22:32
Merken Sie den Zulauf von jungen Menschen zu Ihren Gerichten?
Felix Ahlers22:37
Ja, also eigentlich muss man sagen aus allen Bereichen. Wir wachsen ja sehr schnell. Wir sind eigentlich jetzt in Folge von also neun Jahre lang jedes Jahr 15 Prozent gewachsen, teilweise mehr. Insofern ist schon ein sehr großer Zuwachs. Aber wir wissen auch die Hälfte der Deutschen haben noch nie ein Produkt von uns probiert. Also es gibt auch sehr viele Leute, die nach wie vor das gar nicht tun.
Nicola22:47
Amen.
Okay.
Das heißt, da denken sie sich, das sind die, die einfach weiterhin nur selbst für sich kochen oder sagen sie, da ist noch eine große Schnitte, die können wir dann holen.
Felix Ahlers23:11
Nein, glaube, das sind erst mal Leute, die vielleicht auch uns gar nicht so kennen oder uns nicht wahrgenommen haben bis jetzt, die vielleicht auch erst mal so eine generelle Abneigung haben, zu Tiefkühlkost. Aber ich glaube, es sind alles Leute, die, wenn sie uns probieren würden, durchaus auch Interesse hätten an unserem Konzept.
Nicola23:25
Mhm.
Ich muss sagen, wohne in Düsseldorf auch mitten in der Stadt und wenn man mal die Handelskonzepte sich anguckt, wenn ein Rewe sozusagen so in City-Lage ihr Laden lokal neu bestückt, dann haben wir hier eins direkt die Ecke, wo sie abends ab 20 Uhr eigentlich nur junge Leute sehen und alles ist fertig abgepackt.
Auch die Tiefkühlkost hat an Präsenz gewonnen. Es sind inzwischen große Tiefkühlschränke rechts und links. Und mit sehr viel unterschiedlichen Fertiggerichten, an denen sich bedient wird. Das heißt ja eigentlich für Sie, sehen Sie nicht in der jungen Bowl-Generation, gehen Sie da auf bestimmte Trends explizit ein. Neben dem veganen natürlich.
Felix Ahlers24:23
Ja, auf jeden Fall.
Machen wir permanent. Wir gucken uns zum Beispiel auch an, was ist bei den Lieferdiensten, was sind da die bestverkauften Produkte. Da war zum Beispiel das Butter Chicken aktuell das bestverkaufte, das haben wir dann auch aufgenommen, läuft auch bei uns extrem erfolgreich. Und andere Klassiker, so wie Hühnerfrikassee, das sind auch so bisschen die traditionellen Küchen, die jetzt wieder bisschen kommen, die funktionieren auch sehr gut. Aber wir sind da eigentlich relativ schnell und gucken uns an, was es an Trends gibt und denken auch viel
Nicola24:32
Ja. Ja.
Ja.
Mhm.
Felix Ahlers24:55
machen auch viel Eigenentwicklung. Jetzt haben wir neulich gerade ein Cornflakes-Fischstäbchen gemacht, was eben besonders knusprig ist, was wir wissen, dass die Kinder eben gerade diese Knusprigkeit gerne mögen. Und haben wir einen natürlichen Cornflakes-Hersteller gefunden und haben damit die Panade gemacht. Und das zum Beispiel kommt auch sehr gut an.
Also es gibt wirklich eine große Variante an Möglichkeiten, auch immer wieder neue Dinge zu machen. Und das ist ja auch wie im Restaurant, man muss ja auch immer mal ab und zu mal wieder was Neues machen, damit die Leute auch wieder neue Ideen und Inspirationen bekommen.
Nicola25:32
Absolut. Und gerade im Food-Bereich jagt ja ein Trend den anderen. Also Proteine haben wir jetzt gehabt. Jetzt kommen, glaube ich, die Ballaststoffe mit Fiber-Maxing dann auf Englisch.
Wirklich Produkte auch mit funktionalen Zutaten zu ergänzen, kommt das für Sie in Frage?
Felix Ahlers25:57
Was zum Beispiel wäre das? Ach so, Durchaus, ja. Also wenn man sagt, man will einfach jetzt Produkte haben, wo man besondere Gemüsesorten nimmt, die jetzt hoch viel Protein haben, weil das für eine bestimmte
Nicola25:58
Also mehr Eiweiß und Proteine oder Vitamin C, so wie man es von den Joghurts kennt und so weiter.
Felix Ahlers26:17
Alters- oder Lebensgewohnheit gut ist, dann machen wir das auch. Also das ist sehr offen. Es muss eben immer nur den Anspruch erfüllen, dass wir keine Zusatzstoffe einsetzen wollen. Das ist ja auch in vielen, wenn man guckt weltweit, die Küchen sind ja deutlich weniger fleischlastig als in Deutschland. Aber was ist dann der Ersatz? Das sind dann die meisten Hülsenfrüchte, also sowas wie Linsen, dicke Bohnen und solche Sachen. Und das sind ja sehr gute Zutaten, die man auch extrem gut nutzen kann und das tun wir auch. Da
Nicola26:51
Also.
Felix Ahlers26:53
haben wir auch den Anspruch, dass wir eigentlich sagen, wir versuchen schon auch so generell den Anteil von Fleisch eher bisschen zu reduzieren, weil wir wissen, dass das ja auch gesundheitlich eher förderlich ist.
Nicola27:06
Aber dass Sie jetzt ein paar Tropfen aus dem Labor noch dran tun, damit bisschen mehr Vitamin C drin ist oder D oder Pülverchen, das kommt für Sie nicht in Frage. Sie machen es wenn dann mit echten Zutaten, die dann eben eine höhere Dichte aufweisen.
Felix Ahlers27:18
Genau.
Wir wollen jetzt nicht irgendwelche, ja, solche mehr oder weniger nicht natürlich erzeugten Zutaten dazu tun, weil wir dann immer glauben, dass es dann auch einige gibt, die eben genau das nicht wollen. Also der Kompass ist bei uns tatsächlich die traditionelle Küche, so wie man eben auch zu Hause kocht.
Nicola27:41
Wenn Sie in die Zukunft denken und uns da mitnehmen, ist das Thema personalisierte Ernährung. Wir tracken uns alle, nicht nur die Schritte, sondern auch den Schlaf und unseren Puls. Daraus wird abgeleitet in Zukunft mit ganz vielen Daten, die die KI inzwischen besser und schneller verarbeiten kann. Was wir heute besonders essen sollten, wir hören nicht mehr in unseren Körper, sondern auf die Zahlen. Ist das etwas, worüber Sie nachdenken, wie Sie das Zukunft bedienen können?
Felix Ahlers27:50
Nö.
Nicola28:11
personalisiert zusammengestellte Frosta-Lieferung.
Felix Ahlers28:17
Ja, man muss sagen, wir sind jetzt nicht eine Kleinküche, wo wir sagen, wir können jetzt für jeden ein spezielles Gericht kochen. Das ist jetzt nicht das, was wir technisch könnten. Aber wir haben natürlich eine große Auswall von Produkten, wo wir wissen, dass wenn einer einen bestimmten Bedarf hat, kann er sich innerhalb unseres Sortimentes, wir haben ja 150 Produkte, verkaufen die auch alle im Online-Shop. Da findet man tatsächlich auch alle. Kann man sich natürlich, wir haben auch da so eine ganz gute Matrix, wo wir das mal so nach Nährstoffen
Nicola28:24
Ja.
Felix Ahlers28:47
geordnet haben, kann man sich entsprechend dann die Dinge auch gut zusammenstellen. Also das ist glaube ich im Moment eher realistisch, als dass wir sagen, wir sind jetzt diejenigen, jetzt individuelle Gerichte kochen. Das würden wir wahrscheinlich in Kürze so nicht hinbekommen.
Nicola29:07
Die letzte Frage an meine Experten ist immer eine ganz besondere. Jetzt auch an Sie, auch wenn Sie natürlich kein Mediziner sind, kein Wissenschaftler, aber eben aus dem reichhaltigen Umfeld der Praxis kommen, der es dann auch umsetzen muss, dass es auch so gut und gesund und transparent und ehrlich dann selbst im Supermarkt liegen kann. Wenn Sie jetzt jemanden, der sehr bedacht ist auf seine Gesundheit, auf ein möglichst gutes langes Leben. Was würden Sie dem mitgeben als Tipp, als einzige Maßnahme? Wie kann er sich im Supermarkt da wirklich auch besonders gut dran halten? Auf was müsste ich da achten?
Felix Ahlers29:54
Ich würde Zweifel immer sagen, selbst kochen ist immer die beste Alternative, weil dann weiß ich genau, was drin ist. Also tatsächlich mit frischen, aber auch tiefgekühlten Rohwaren.
Nicola30:00
Mhm.
Mhm.
Felix Ahlers30:05
Kann ja auch rohes, tiefgekühltes Gemüse kaufen und daraus dann was kochen. Und ansonsten, wenn man sich eben mit diesem Thema fertigen Produkten oder verarbeiteten Produkten auseinandersetzt, wirklich ganz genau hingucken, was ist wirklich da drin. Auch im Zweifel nicht nur der Zutatenliste vertrauen, sondern auch mal nach googeln, was ist wirklich, was bedeuten auch bestimmte Dinge wie modifizierte Stärken und so weiter. Dass man sich einfach ein bisschen mit den Dingen beschäftigt.
Nicola30:25
Okay.
Mhm.
Felix Ahlers30:35
Und sich dann wirkliche Produkte raussucht, die natürlich sind. Weil ich glaube, da kann man sicher sein, dass sich der Körper darauf eingestellt hat und dass er auch langfristig damit am besten zurechtkommt. Wie gesagt, ich finde es eben kritisch, wenn wir in so kurzer Zeit die Ernährung so radikal umstellen, auch gerade bei Kindern, die dann massenweise Süßigkeiten essen und sehr, aromatisiert werden und denen dann die echten Früchte gar nicht mehr schmecken.
Nicola30:49
Okay.
Das ist das Problem.
Felix Ahlers31:04
Es sind ja wirklich Dinge, die man sieht, die wirklich verrückt sind. Und man denkt eigentlich, einem doch recht reichen Land wie Deutschland müsste man zumindest in der Lage sein, solche Dinge etwas besser zu machen.
Nicola31:17
Oder man gar nicht weiß oder erahnen kann, dass das gerade eine Zuckerfalle ist, die ich in die Hand nehme. Also bei der süßen Limo weiß man es vielleicht inzwischen, das ist durchgedrungen. Aber es gibt ja auch viele Produkte, wo man sagt, hätte ich jetzt nie gedacht, dass da Zucker drin ist.
Felix Ahlers31:31
Stimmt, Zucker ist eben auch sehr billig und ist immer auch ein Geschmacksträger und Geschmacksverstärker in gewisser Weise und wird dann oft deshalb auch so stark eingesetzt.
Nicola31:42
Würden Sie so etwas unterstützen wie jetzt auch in Großbritannien? Die sind da ja sehr strikt, auch allein ihr Gesundheitsbudget irgendwie zu schonen, weil sie sagen, das kriegen wir gar nicht mehr volkswirtschaftlich verarbeitet, was da alles an dicken, kranken Menschen auf uns zukommt, die ja wirklich schon die Zuckersteuer auf Produkte eingeführt hat und dass für Kinder nicht mehr geworben werden kann. Würden Sie das für Deutschland sich auch wünschen?
Oder als Ziel sehen.
Felix Ahlers32:13
Ja, also wie gesagt, was ich noch dramatischer finde, ist eigentlich die Tatsache, dass man auf den Zutatenlisten nicht wirklich erkennen kann, was drin ist. Also dass man solche Begriffe wie Aromen oder sowas, dass man das so nutzen kann, natürliches Aroma, also alles sehr harmlos darstellen kann. Ich glaube, wenn man das erst mal korrigieren würde, dann hätten die Verbraucher schon deutlich bessere Möglichkeit, sich zu informieren. Also bei uns wäre zum Beispiel die Idee, dass man sagt, alles das, was
Nicola32:22
Diese Kranstverwänzungen.
Felix Ahlers32:43
Aroma verwendet, müsste auf der Vorderseite schon als aromatisiert bezeichnet werden, weil dann weiß man, okay, ist ein Aroma enthalten, was nicht aus der natürlichen Zutat entstanden ist. Und das würde, glaube ich, schon sehr viel mehr nützen, als jetzt einfach nur eine Steuer zu erheben. Ich glaube, am Ende kann dann jeder selbst entscheiden, wo er sein Geld ausgibt, aber er muss in der Lage sein, sich einfach informieren zu können.
Nicola33:08
Also weniger über Verbote und steuerliche Regulierungen als mehr über Transparenz, sozusagen die Entscheidungshoheit auch für jeden Einzelnen zu erleichtern.
Felix Ahlers33:20
Genau, das sagen auch die Verbraucherzentralen, das sind wir vollkommen deren Meinung. Man muss einfach klarer erkennen können, was in Produkten enthalten ist. Und dann würden viele schon Rückschlüsse schließen und sich deutlich einfacher und gesünder ernähren können.
Nicola33:41
Sehr schön. Wir haben heute über mein Lieblingsthema gesprochen, also das Essen. Ich esse sehr gerne. Würden Sie uns doch verraten, was kommt als nächstes von Frosta auf den Markt? Können Sie uns da schon was mitgeben, auf was wir uns da freuen dürfen?
Felix Ahlers33:56
Da halten wir uns immer ein bisschen zurück tatsächlich.
Nicola34:00
Das ist direkt schon vor der Einnführung. Richtung. Geschmacksrichtung vielleicht oder bestimmte Zutaten.
Felix Ahlers34:05
Bitte. Na, bitte.
Ja, was ich gesagt habe, wir werden im Bereich von Gerichten mit bisschen weniger Fleisch mehr machen, wo man immer noch einen kleinen Fleischanteil hat, aber wo man eigentlich eher so die Proteine des Gemüses im Vordergrund stellt. Das ist, glaube ich, etwas, was hilfreich ist. Und da werden wir uns weiter in die Richtung entwickeln.
Nicola34:36
Das heißt also diese 30 Pflanzenvielfalt in der Woche, die viel von Ernährungswissenschaftlern zum Thema Mikrobiom geraten wird. Das würde mir ja mit ihren Produkten relativ einfach fallen, weil ich auf der Zutatenliste einfach zählen müsste, was da alles drin ist, oder?
Felix Ahlers34:54
Ja, absolut. Gerade weil wir auch eine große Auswahl haben und dann oft Gerichte haben, wo wir teilweise bis zu zehn verschiedene Gemüsesorten haben, kann man das sehr schnell erreichen.
Nicola35:06
Zum Schluss noch einen kleinen Tipp. Für heute ganz herzlichen Dank, herzliche Grüße in den Norden und ja, freue mich, was da in Zukunft noch in die Regale und damit auf unsere Teller kommt, ohne Zusatzstoffe von Frosta.
Felix Ahlers35:15
Vielen Vielen Dank.
Nicola35:25
einfach selbst kochen. Das finde ich als 100 Plus Tipp von einem Lebensmittel-Experten oder Lebensmittel-Anbieter eigentlich schon ein Ding. Aber ich glaube auch, was er ja eigentlich sagen wollte, wir sollten immer wissen, was wir zu uns nehmen. Und das hat ja auch was mit Selbstwirksamkeit zu tun. Wir wollen ja alle selbstbestimmt älter werden. Und das bedeutet eben auch, Ernährung hat ganz viel damit zu tun, zu wissen, was nehme ich zu mir und wenn ich bewusst sage, ich mache heute meine Ausnahme, dann genieße es. Aber eben die Regel sollte so sein, dass wir sagen, naja, da sind genügend Nährstoffe drin und nicht nur Fette, Salze und Zucker. So. Und dass die Lebensmittelindustrie einfach davon ausgeht, dass sie uns das immer wieder schmackhaft machen will, dass wir eher an die ungesunden Sachen gehen, weil die auch billiger zu produzieren sind, weil man dann eben Nährstoffe ersetzen kann, Geschmack ersetzen kann und das eben vor allem mit Zucker und Fetten auch passiert. Das fand ich wiederum ganz spannend, hat mich an mein Adipositas-Gespräch erinnert mit dem Experten, der ja noch mal darauf hingewiesen hat, dass der Neandertaler in uns, ja schon mit der Muttermilch, dieses 50 35 Verhältnis als besonders lecker und als große Belohnung sozusagen an die Brust gelegt bekommt. 50 Zucker, 35 Fett. Und wisst ihr was? Wenn man sich da mal ein bisschen schlau macht, dann merkt man, ganz, ganz viele Produkte, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nicht so doll gesund sind, wie, ich sag jetzt mal Nutella, wie Chips, wie aber auch Pizza, genau dieses Verhältnis aufweisen. So, und jetzt kann jeder sagen, ja, aber woher soll ich das denn wissen? Ja, dann machen wir doch jetzt noch mal gemeinsam hier. Schau doch mal in dein Küchenregal oder in deinen Kühlschrank und hol mal ein Produkt raus. Und dann gucken wir gemeinsam auf die Zutatenliste und auf die Nährwertstofftabelle, weil die muss auf jedem Produkt, was im Supermarkt verkauft wird, verpackt, auch drauf sein.
So und wir hatten es schon. Klar, je kürzer die Zutatenliste, umso besser. Ganz ehrlich, wenn ich schon sehe im Supermarkt, da ist eine riesenlange Zutatenliste, zum Beispiel bei einem veganen Brotaufstrich, stelle ich direkt schon wieder zurück. Da nützt mir auch das Vegane nichts, zumindest in meiner Denke, wenn ich da irgendwelchen Mist zu mir nehme. Viel spannender ist ja dann auch noch die Nährstofftabelle.
Und die ist immer gleich aufgebaut. Oben sind natürlich die Kalorien, also die Energiedichte, aber die lassen wir jetzt einfach mal weg, weil wir wollen ja wissen, was drin ist. So, und dann hast du ja als ersten Punkt Fett. Und der Unterpunkt von Fett ist davon gesättigte Fettsäuren. Im Umkehrschluss bedeutet ungesättigte Fettsäuren sind die guten Fette. Das heißt, das, was extra ausgewiesen ist, ist nicht so gut.
Und wenn der obere Wert möglichst groß ist und der untere Wert möglichst klein, dann ist es besser.
Selbes bei den Kohlenhydraten. Da wird bei Kohlenhydraten noch mal davon Zucker extra ausgewiesen. Je größer der Zuckerwert ist, umso schlechter. Und es gibt eine einfache Rechnung. 3 Gramm Zucker entsprechen einem Würfelzucker. Wenn du mal auf deine Limo-Flasche guckst oder auf dein Apfelschorle, was du dir gekauft hast, ja, rechne mal aus, wie viel Zucker in einer halben Liter Flasche ist.
Würdest du dir nie so selbst zubereiten, dass du da 15 Würfelzucker in ein großes Glas Getränke machst? Aber du kaufst das und trinkst das regelmäßig, wenn du eben nicht Wasser trinkst, sondern sogenannte Softdrinks. Beim Saft übrigens dasselbe. Da ist es dann kein zugesetzter Zucker, sondern eben dann der Fruchtzucker. Der macht aber für den Körper keinen Unterschied. Zucker ist Zucker, also eben auch nicht gut. Saft ist einfach Nachtisch, aber kein Getränk, was man regelmäßig zu sich nehmen sollte. Zurück zur Nährwerttabelle. Dann kommen die Ballaststoffe. Da kann die Zahl gar nicht hoch genug sein. Ballaststoffe ist das Beste sowieso. Eiweiß, ich glaube, da kennt ihr euch inzwischen besser aus. Diese ganze Protein- und Eiweiß-Manie, die ist so bisschen an mir vorbeigegangen. Aber Eiweiße ist natürlich auch etwas, was uns satt macht.
Also grundsätzlich gut ist und je älter wir werden, umso besser, weil wir ja keine Muskelmasse verlieren wollen. Und beim Salz, beim letzten Wert geht es wie beim Zucker, am besten ist das auf Null. Und wir geben selbst Salz bei zu Hause, dann können wir uns bisschen steuern, wie salzig wir es wirklich haben.
Über 2500 Zusatzstoffe sind im deutschen, im europäischen Lebensmittelrecht zulässig. Also Leute, ich glaube, je weniger wir uns unserem Körper damit zumuten, weil der Neandertaler in uns das gar nicht gewohnt ist, also das macht was mit uns und ich hatte schon für mich immer die Vermutung, das macht nichts Gutes mit uns, je weniger wir unserem Körper zumuten, davon umso besser.
Die weitere Erkenntnis von meinem Experten fand ich auch wirklich überraschend. Normalerweise sind so, ich sag mal, so nährstoffreiche Produkte, die auch mit wirklich guten Zutaten produziert werden, die auch noch nachverfolgt werden können. Einzeln, woher kommen die denn, wie sieht denn die Lieferkette aus, sind meistens echt teuer. Und deswegen hat mich dieser Preisausschlag so im Mittel von 10 bis 15 Prozent.
Lass es vielleicht auch mal 20 Prozent sein. Das finde ich echt vertretbar. Wenn dann ein Essen am Tag nicht 2 Euro kostet, sondern 2,10 Euro oder 2,20 Euro. Gut, auf eine vierköpfige Familie mal vier, dann bist du bei 80 Cent. Aber hallo, da lässt du mal deine Limo weg. Und dann hast du schon locker Geld gespart und trinkst dafür Wasser. Statt dieses Zuckerwasser, dieses Gekaufte in der Flasche.
So einfach ist es in der Theorie, ich weiß in der Praxis. Ja, fällt uns das schon ein bisschen schwerer, uns da umzugewöhnen. Aber es geht mir ja nur darum, so ein bisschen die Wege aufzuweisen und dann kann jeder so ein bisschen für sich rauspicken, was für ihn eigentlich das einfachste ist, im ersten Schritt in die Umsetzung zu gehen.
Nicola42:42
An was ich echt denken musste während des Gesprächs mit dem Frosta-Experten. Meine Kindheit ist davon geprägt, dass alle paar Wochen ein Bofrost Wagen durchs Dorf gefahren ist. Ich bin ja auf dem Land im Dorf aufgewachsen, Bayerischen Wald, und das war die einzige Möglichkeit für meine Mutter, eben außerhalb des Supermarktes, der in der Tat etwas weiter weg war, einkaufen zu können.
Da gab es eben auch Fertiggerichte. Das war in meiner Kindheit wirklich mit so der einzige Kontakt, wirklich so Fertigprodukte auch kennenzulernen. Und ich weiß aber, meine Mutter hat ja nie viel Fertigprodukte eingekauft, sondern eher auch so Sachen wie Erbsen tiefgefrorene oder Gemüse-Mischungen. Also das, was den Alltag einfach so ein bisschen erleichtert, wenn man zum einen nicht immer ...
in seinen eigenen Garten rausgehen will oder auf den Markt oder nicht in Supermarkt kommt, frische Sachen zu kaufen, dann eben dieses ja doch sehr nährstoffreiche, tiefgefrorene Gemüse zu nehmen. Und ja, sie wollte das nicht kaufen, sie wollte aber auch sparen. Also meine Eltern hatten da grad das Haus neu gebaut. Also da hat man dann auf jeden Pfennig geguckt. Und ehrlich gesagt, mein Vater hat auch so Fertigware gar nicht geschmeckt, bei uns wurde immer frisch gekocht. Das habe ich irgendwie mit übernommen, weil ich mitbekommen habe, wie frisch gekocht wurde und sozusagen mir so bisschen das selbst auch aneignen konnte. Das hatte zur Folge, als ich dann in die Stadt gezogen bin, ich habe erstmal meinen Tiefkühlfach immer nie aktiviert. Also das war immer kalt, weil ich gesagt habe, ich wohne doch nicht in der Stadt, Tiefkühlkost zu essen, sondern da kann ich ja um die Ecke gehen und mir direkt im Supermarkt was Frisches kaufen.
Das hat sich inzwischen bei mir auch wieder ein bisschen geändert, weil ich schon auch den Vorteil merke, wenn ich dann die ein oder andere Gemüsesorte Brokkoli, Erbsen, Rosenkohl, das was ich gern esse, das habe ich so tief gefroren, so einzeln als Rohware schon inzwischen immer im Tiefkühlfach. Was mir nicht mehr so geläufig war, weil ich es einfach selbst mir nicht kaufe, sind einfach, dass es viele gute Trendprodukte auch tief gekühlt gibt, bis hin aber zum traditionellen Hühnerfrikassee. Das heißt für mich eigentlich, dass jeder von uns, egal was er für Geschmacksvorlieben hat, etwas findet, wo er sagen kann, na ja, ich gucke in Zukunft einfach mal auf die Zutatenlisten der unterschiedlichen Produkte und guck mal, wo finde ich das bessere Produkt mit weniger Zusatzstoffen, weniger Aromastoffen und möglichst wenig oder kurzen Zutaten Listen.
Nicola45:39
Und was, glaube ich, für alle Lebensphasen, egal ob man in den 20-, 30-ern ist oder in den über 50-ern, ist, dass man einfach auf seine Nährstoffdichte achten muss. Das ist in jeder Lebensphase wichtig, aber vor allem ist es natürlich für uns Ältere, über 55-jährigen wichtig, weil wir mit zunehmendem Alter einfach die Nährstoffe nicht mehr so effizient verarbeiten, in unserem Magen, weil wir weniger Magensäure bekommen. Das heißt, wir müssen noch mehr darauf achten, dass wir wirklich gute Produkte essen mit Zutaten, die eben besonders viele Nährstoffe auch enthalten und weniger den ganzen Mist von Zusatzstoffen. Wer ja auch darauf achten muss, immer mehr sind all die Menschen, die auf die Abnehmspritze vertrauen. Das wurde mir erst bewusst, bekannte Freunde von mir, das ist ein Paar, die nehmen beide seit einiger Zeit die Abnehm Spritzen. Und ja, es ist ja wirklich so, man hat dann einfach weniger Appetit und isst weniger. Man möchte dann aber auch gar nicht mehr so viel essen. Das kann auch zum Problem werden, nämlich dann, wenn man denkt, aber du brauchst ja trotzdem noch deine Nährstoffe. Also auch da wird es immer wichtiger, dass man auf Zutatenlisten, auf Nährwerttabellen auch guckt, ⁓ für sich mal kurz die Transparenz darüber zu behalten, esse ich eigentlich nicht nur genügend Kalorien oder für meinen Appetit, sondern eben für meinen Körper an Nährstoffen, egal ob es Mikro- oder Makronährstoffe sind. Also, es bleibt ein Riesenthema und ich habe in einer der nächsten Folgen jemand eingeladen, der uns zum Thema Nahrungsergänzung einiges erzählen wird. Weil das finde ich ähnlich spannend wie das Thema, was ich an Fertigprodukten und weniger Nährstoffe eigentlich mir im Supermarkt kaufe. Kann ich das wirklich mit den Pillen und Pülverchen ergänzen? Beziehungsweise für was ist Nahrungsergänzung gut? Nahrung zu ergänzen, finde ich auch ein spannendes Thema, kommt demnächst.
Aber für mein heutiges Gespräch finde ich es wirklich, hat es mich fröhlich gemacht, mit dem Frosta Experten zu sprechen. Weil mein Glaube daran, dass es auch Anbieter gibt da draußen in der Lebensmittelindustrie, die sich darum kümmern, dass es der Umwelt auch weiterhin gut geht, dass Produkte für Menschen gemacht werden und wie er sagt, nicht eben für Maschinen, damit es gut reinrieselt in die Verpackung. Und dass sich eben ehrliche, authentische Lebensmittelanbieter auch darum kümmern, dass es uns allen in der Gesellschaft von jung bis alt auch weiterhin gut geht. Das macht mich fröhlich aus diesem Gespräch. Bleibt ihr auch so fröhlich. Bis zum nächsten Podcast, bis zum nächsten spannenden Thema. Ich grüße euch ganz herzlich aus Düsseldorf. Eure Nicola.
Transkript der Folge „Fertiggerichte ohne Zusatzstoffe: Wie du an der Zutatenliste erkennst, was wirklich drin ist“ — automatisch erstellt und redaktionell geprüft.
Wir werden nicht nur dicker, sondern auch kränker – und das, obwohl uns im Supermarkt ganzjährig frische Ware zur Verfügung steht. Trotzdem wächst vor allem das Regal mit Fertignahrung. In dieser Folge spricht Nicola mit Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender der Frosta AG, darüber, was gute von schlechten Fertiggerichten unterscheidet. Du lernst, wie du Zutatenliste und Nährwerttabelle liest – und woran du erkennst, ob ein Produkt deinem Körper guttut.
Warum machen hochverarbeitete Fertigprodukte uns krank?
Unsere Lebensmittelgewohnheiten haben sich in den letzten 50 Jahren radikal verändert – für die Evolution eine winzige Zeitspanne. Heute essen wir enorm viel verarbeitete Lebensmittel, von Süssigkeiten bis zum aromatisierten Joghurt, also alles, was man nicht mehr selbst zubereitet.
Das Problem: In diese Produkte wandern viele Zusatzstoffe, die nur für die Industrie entwickelt wurden – mit dem Ziel, Lebensmittel im grossen Massstab deutlich billiger herzustellen und echte Zutaten durch Aromen zu ersetzen. Unser Körper kann sich aber nicht so schnell an völlig neue Zutaten gewöhnen.
Eine Folge: Wird der Käsegeschmack nur durch ein Aroma erzeugt, fehlen dem Körper die Proteine, die im echten Käse stecken. Man gaukelt dem Körper einen Nährwert vor, der gar nicht da ist – und isst deshalb oft zu viel, weil die Sättigungssteuerung über den Geschmack nicht mehr funktioniert.
Was bedeutet 'natürliches Aroma' wirklich?
Der Begriff klingt vertrauenerweckend, ist aber eine reine gesetzliche Formulierung. Ein natürliches Aroma muss nicht aus der Frucht stammen, die es nachahmt. Man würde denken, das Aroma im Himbeerjoghurt komme aus der Himbeere – das ist aber nicht so.
Wenn der Ausgangsstoff irgendwie natürlich war – etwa Zedernholz, das mit Kulturen irgendwann nach Himbeere schmeckt – darf das Ergebnis 'natürlich' genannt werden. Das ist eine Absurdität und zeigt, wie die Lobby reine Kunstprodukte als etwas Positives darstellt.
Auch der Claim 'ohne künstliche Aromen' verbirgt oft mehr, als er verrät. Ahlers' Definition von natürlich ist eine andere: das, was sich über Jahrtausende in der traditionellen Kochkunst durchgesetzt hat.
Warum verstecken Hersteller ihre Zutatenliste?
Verbraucher sind es gewohnt, die Zutatenliste klein gedruckt und versteckt zu suchen. Das zeigt: Die Industrie versucht, Zusatzstoffe nicht transparent zu machen. Ahlers druckt sie deshalb gross auf die Verpackung und erklärt bei jeder einzelnen Zutat, was dahintersteckt.
Hinzu kommt, dass vieles gar nicht auf der Zutatenliste erscheinen muss. Ein Farbstoff in der Butter oder eine Rieselhilfe im Salz müssen nicht deklariert werden, wenn sie im Endprodukt keine technische Wirkung mehr haben – obwohl sie de facto drin sind.
Auch das Carrageen, das in industriell verarbeiteter Sahne das Aufrahmen verhindert, muss nicht deklariert werden. Weil die Deklarationen so locker sind, gibt es kaum Anreize, Zusatzstoffe wegzulassen – man kann sich mit relativ schlechten Zutaten immer noch sehr positiv darstellen.
Wie liest du die Nährwerttabelle richtig?
Die Nährwerttabelle ist immer gleich aufgebaut und muss auf jedem verpackten Produkt stehen. Lass die Kalorien oben weg – interessant ist, was drin ist. So gehst du die Zeilen durch:
- Fett: Darunter sind die gesättigten Fettsäuren ausgewiesen. Je grösser der obere Wert und je kleiner der untere, desto besser – denn ungesättigte Fette sind die guten.
- Kohlenhydrate: Darunter steht 'davon Zucker'. Je grösser der Zuckerwert, desto schlechter. Faustregel: 3 Gramm Zucker entsprechen einem Würfelzucker.
- Ballaststoffe: Hier kann die Zahl gar nicht hoch genug sein.
- Eiweiss: Macht satt und schützt im Alter vor Muskelabbau – grundsätzlich gut.
- Salz: Wie beim Zucker gilt – am besten möglichst nahe an null, denn salzen kannst du zu Hause selbst.
Und ganz grundsätzlich: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser. Eine riesenlange Liste – etwa bei einem veganen Brotaufstrich – ist ein Warnsignal, auch wenn 'vegan' draufsteht.
Sind gute Fertiggerichte viel teurer?
Nein. Produkte ohne Zusatzstoffe kosten im Schnitt nur 10 bis 15 Prozent mehr, das sind etwa 40 bis 50 Cent pro Gericht. Statt 2 Euro zahlst du dann 2,10 oder 2,20 Euro – ein vertretbarer Aufschlag.
Den Mehrpreis sparst du leicht wieder ein: Lass die zuckrige Limo weg und trink Wasser. Eine halbe Liter Flasche Softdrink enthält schnell 15 Würfelzucker – Geld, das du sinnvoller in bessere Zutaten investierst.
Wer zusatzstofffrei produziert, nimmt echte Zutaten wie lange gereiften Pecorino statt Käsearoma, rührt die Sahne homogen statt mit Carrageen und bindet Saucen mit einer klassischen Mehlschwitze statt mit modifizierter Stärke. Das macht mehr Aufwand – aber die Produkte bleiben natürlich.
Worauf solltest du im Supermarkt achten?
Die beste Alternative bleibt selbst kochen – mit frischen, aber auch tiefgekühlten Rohwaren wie rohem, tiefgefrorenem Gemüse. Dann weisst du genau, was drin ist.
Wenn du zu verarbeiteten Produkten greifst, schau ganz genau hin, was wirklich drin ist – und vertrau im Zweifel nicht nur der Zutatenliste. Google ruhig nach, was Begriffe wie 'modifizierte Stärke' bedeuten, und such dir Produkte aus, die natürlich sind.
Gerade im Alter ist die Nährstoffdichte entscheidend: Über 55 verarbeitet der Körper Nährstoffe weniger effizient, weil weniger Magensäure gebildet wird. Wer auf eine Abnehmspritze setzt und weniger isst, muss noch genauer darauf achten, trotz kleiner Portionen genügend Mikro- und Makronährstoffe aufzunehmen.
Wichtig: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Wer eine Abnehmspritze nutzt, chronisch krank ist oder eine besondere Ernährungssituation hat, sollte die eigene Nährstoffversorgung ärztlich begleiten lassen – gerade bei reduziertem Appetit besteht die Gefahr, zu wenig Mikro- und Makronährstoffe aufzunehmen.
Der 100+ Expertentipp
Auf Nicolas Standardfrage nach der einen Massnahme für ein langes, gesundes Leben antwortet Felix Ahlers:
„Ich würde im Zweifel immer sagen, selbst kochen ist immer die beste Alternative, weil dann weiss ich genau, was drin ist. Also tatsächlich mit frischen, aber auch tiefgekühlten Rohwaren. Und ansonsten, wenn man sich eben mit fertigen oder verarbeiteten Produkten auseinandersetzt, wirklich ganz genau hingucken, was ist wirklich da drin. Auch im Zweifel nicht nur der Zutatenliste vertrauen, sondern auch mal nachgoogeln, was bedeuten bestimmte Dinge wie modifizierte Stärken – dass man sich einfach ein bisschen mit den Dingen beschäftigt.“
Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen
Hol ein beliebiges Produkt aus deinem Kühlschrank und lies Zutatenliste und Nährwerttabelle – je kürzer die Liste und je weniger Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz, desto besser.
Ersetze gekaufte Softdrinks und Säfte durch Wasser (eine halbe Liter Limo enthält schnell 15 Würfelzucker) und investiere das gesparte Geld in zusatzstofffreie Produkte – der Mehrpreis liegt bei nur 40 bis 50 Cent pro Gericht.
Koche so oft wie möglich selbst mit frischen oder tiefgekühlten Rohwaren und google bei verarbeiteten Produkten unbekannte Begriffe wie 'modifizierte Stärke', um bewusst nährstoffreich statt nur kalorienreich zu essen.
Damit du morgen früh noch daran denkst
Der tägliche 100+ Funke: ein Impuls am Morgen, in zehn Sekunden gelesen — und du bist wieder bei deinem nächsten kleinen Schritt.
So sah der Funke am 30. Juli aus:
„Heute der echte Mini-Schritt: Nimm EIN Fertigprodukt aus deinem Schrank und lies die Zutatenliste ganz durch. Findest du Wörter, die du nicht aussprechen oder zu Hause nie verwenden würdest? Schon dieses Hinschauen verändert, was beim nächsten Mal in den Wagen wandert. Tipp auf „Gemacht". 🔍“
Nicolas Selbsttest
An was ich während des Gesprächs echt denken musste: Meine Kindheit im Bayerischen Wald war davon geprägt, dass alle paar Wochen ein Bofrost-Wagen durchs Dorf gefahren ist – die einzige Möglichkeit für meine Mutter, ausserhalb des weit entfernten Supermarkts einzukaufen. Viel Fertigprodukte hat sie aber nie gekauft, eher tiefgefrorene Erbsen oder Gemüsemischungen. Bei uns wurde immer frisch gekocht, und das habe ich übernommen.
Als ich in die Stadt gezogen bin, habe ich mein Tiefkühlfach erst gar nicht aktiviert – ich dachte, in der Stadt brauche ich keine Tiefkühlkost, da gehe ich um die Ecke und kaufe frisch. Inzwischen hat sich das geändert: Brokkoli, Erbsen, Rosenkohl als tiefgekühlte Rohware habe ich heute immer da. Und mir wurde klar, dass es vom Trendprodukt bis zum klassischen Hühnerfrikassee viel Gutes auch tiefgekühlt gibt.
Mich hat das Gespräch fröhlich gemacht – mein Glaube daran, dass es Anbieter gibt, die Produkte für Menschen machen und nicht für Maschinen, damit es schön in die Verpackung reinrieselt. Für mich heisst das vor allem: Wir wollen alle selbstbestimmt älter werden, und das hat ganz viel mit Selbstwirksamkeit zu tun – also damit, zu wissen, was wir zu uns nehmen.
Weiterhören
Häufige Fragen
Wie viele Zusatzstoffe sind in Deutschland erlaubt?
Im deutschen und europäischen Lebensmittelrecht sind über 2500 Zusatzstoffe zulässig. Dazu gehören Aromen, Stabilisatoren, Emulgatoren, Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Viele davon wurden speziell für die Industrie entwickelt, um Lebensmittel billiger herzustellen und echte Zutaten durch Aromen zu ersetzen. Manches muss nicht einmal auf der Zutatenliste stehen.
Bedeutet 'natürliches Aroma', dass es aus der echten Frucht kommt?
Nein. 'Natürliches Aroma' ist eine rein gesetzliche Formulierung und sagt nicht aus, dass das Aroma aus der Frucht stammt, die es nachahmt. Schon wenn der Ausgangsstoff irgendwie natürlich war – etwa Zedernholz, das mit Kulturen nach Himbeere schmeckt –, darf es 'natürlich' genannt werden. Der Begriff ist also kein Qualitätsmerkmal.
Wie lese ich die Nährwerttabelle richtig?
Bei Fett achtest du auf die darunter ausgewiesenen gesättigten Fettsäuren – je kleiner dieser Wert, desto besser. Bei Kohlenhydraten gilt: je weniger Zucker, desto besser (3 Gramm Zucker entsprechen einem Würfelzucker). Ballaststoffe und Eiweiss dürfen hoch sein, Salz sollte möglichst niedrig sein. Grundsätzlich gilt zudem: je kürzer die Zutatenliste, desto besser.
Sind Fertiggerichte ohne Zusatzstoffe viel teurer?
Nein, sie kosten im Schnitt nur etwa 10 bis 15 Prozent mehr, das sind rund 40 bis 50 Cent pro Gericht. Aus 2 Euro werden also etwa 2,10 bis 2,20 Euro. Diesen Aufpreis sparst du leicht wieder ein, wenn du auf zuckrige Softdrinks verzichtest und stattdessen Wasser trinkst.
Ist tiefgekühlte Kost gesund?
Schockfrostung ist ideal, weil sie die Nährstoffe auf dem gleichen Niveau hält, ohne dass etwas erhitzt oder zugesetzt werden muss. Tiefgekühlte Rohware wie Gemüse ist nährstoffreich und eine gute Alternative zu frischer Ware. Entscheidend ist wie bei jedem Produkt: ein Blick auf Zutatenliste und Nährwerttabelle und möglichst wenige Zusatzstoffe.
Und so wird mein Weg auch zu deinem Weg:

