How to 100+Vom Wissen ins Machen.
Weniger, weniger oft essen

Selbstheilung auf Zellebene: Wie du mit Lebensstil und 'eat less, less often' deinen Bewegungsapparat jung hältst

Folge #12 · mit Prof. Dr. Philip Schoettle

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Das Wichtigste in Kürze

Was bei einem Knieschmerz beginnt, führt schnell tief auf die Zellebene: Prof. Dr. Philip Schoettle kommt klassisch aus der Orthopädie, behandelt heute aber vor allem die Selbstheilungskräfte des Körpers. Er erklärt, warum zwei scheinbar gleiche Patienten völlig verschieden heilen, weshalb dein Lebensstil über 80 % entscheidet – und gibt einen erstaunlich einfachen 100-plus-Tipp.

Wie kommt ein Orthopäde zur Longevity-Medizin

Am Anfang stand ein Erlebnis: Als Chefarzt sah Schoettle, dass eine richtige Stammzellentherapie ähnliche Ergebnisse erzielen kann wie eine Operation. Er gab seine Chefarztstelle auf und betrieb eine Stammzellenklinik auf den Bahamas – nicht aus Glamour, sondern weil die Gesetzgebung die nötigen Stammzellen dort erlaubte.

Dann kam Corona. Reisen und Operationen fielen weg. Die entscheidende Frage wurde: Wie lässt sich das Wissen aus der Stammzell- und Regenerationsmedizin alltagstauglich und personalisiert für Patienten umsetzen – ohne Klinik auf den Bahamas?

Warum heilen zwei gleiche Patienten völlig unterschiedlich

Das Schlüsselerlebnis: Zwei augenscheinlich identische, athletische Patienten – gleiche Verletzung, gleicher Tag, gleiches Team, gleiche Technik. Zwei Wochen später will der eine die Schiene weglassen und wieder Fahrrad fahren, beim anderen tut alles weh.

Der Unterschied lag in den Zellen. Der eine hatte einen gut funktionierenden Fettstoffwechsel und einen tiefen Langzeitblutzucker (HbA1c), der andere trotz scheinbar gesundem Lebensstil nicht. Seitdem unterzieht Schoettle seine Patienten Zusatzuntersuchungen, um das System zu normalisieren – mit deutlich besseren Heilungserfolgen und oft ohne Operation.

Was passiert bei einer personalisierten orthopädischen Untersuchung

Wichtigste Regel: früher zum Arzt als später – und immer mit einer echten Diagnose, denn ohne zu wissen, warum etwas wehtut, lassen sich keine richtigen Schritte einleiten.

Welche Blutwerte sind sinnvoll und was bringen DNA-Tests

Aufwändige DNA-Analysen kommen im ersten Schritt gar nicht zum Einsatz. Der Grund: Die Genetik macht nur 18–20 % der Gesamtsituation aus und ist selten ausschlaggebend für den Knieschmerz. Entscheidend ist die Epigenetik – und die wird durch den Lebensstil gesteuert.

Das kleine und grosse Blutbild bringen wenig. Sinnvoller ist der Blick auf Fettstoffwechsel, chronische Entzündungen (CRP, Ferritin, Fibrinogen), Hormone, Vitamin D und Schilddrüse. Günstige Selbsttests etwa für den Vitamin-D-Spiegel haben durchaus ihre Berechtigung – nicht jeder muss für einen Wert 30 Minuten zum Arzt fahren.

Was bringen Infusionen, NAD+ und Drip Bars

Klares Prinzip: messen, machen, messen – Test, Retest. Eine Infusion ohne vorherige Messung gibt es bei Schoettle nicht. Von beliebigen Vitamin-Drips ohne Indikation rät er ausdrücklich ab: Infusionsmedizin ist Medizin, kein Wellness.

Sinnvoll eingesetzt lässt sich der Fettstoffwechsel ankurbeln – etwa mit NAD+, das vom Zucker- in den Fettstoffwechsel pusht, oder mit Phosphatidylcholin, Taurin und Kreatin. Aber: Bei Übergewicht und schwacher Muskulatur muss am Ende der Patient selbst arbeiten – der innere Schweinehund ist gerade bei Longevity der grösste Gegner.

Was sind die Hallmarks of Aging und wie beeinflussbar sind sie

Schoettle vergleicht das Altern mit einem Stein, der in einen See fällt: Den grössten Schaden richten nicht das Zentrum, sondern die Wellen aussen an.

  1. Core Hallmarks (innen): genetische Instabilität der DNA bei der Teilung, kürzer werdende Telomere und scheiternde Epigenetik – relativ gut beherrschbar über Lebensstil.
  2. Amplifier (Verstärker): gestörte mitochondriale Funktion (Energieproduktion), fehlerhafte Eiweissfaltung und gestörtes Nutrient Sensing – ab hier wird es gefährlich.
  3. Aussen: Stammzellerschöpfung, Zombiezellen und gestörte Zellkommunikation – hier öffnet sich Tür und Tor zu den häufigsten todbringenden Erkrankungen.

Die gute Nachricht: Der Alterungsprozess ist bis auf die Zellebene beeinflussbar – zum grössten Teil durch den Lebensstil. Longevity-Gene wie Sirtuine, mTOR, AMPK und FOXOs sowie das alles steuernde NAD+ lassen sich messen und über den Lebensstil beeinflussen.

Wichtig: Infusionen, NAD+ und andere Substanzen sind Medizin und gehören nur nach vorheriger Messung und ärztlicher Indikation eingesetzt – nicht als beliebiger Vitamin-Drip. Intervallfasten ist nicht für jede:n geeignet und sollte mit einer Ärztin oder einem Arzt ausgelotet werden, da jedes System anders reagiert. Bei Gelenkschmerzen oder anderen Beschwerden gilt: lieber früher als später eine echte Diagnose einholen, statt selbst zu therapieren.

Der 100+ Expertentipp

Auf Nicolas Bitte um die eine Massnahme – seinen 100-plus-Tipp – antwortet Prof. Dr. Philip Schoettle:

„Eat, eat less often. Und das in zwei Abschnitten verstehen: eat less und less often. Klar spielt alles mit rein, der Sport, das, dies, jenes. Aber ich denke, dass das das Ausschlaggebende ist – auch wenn es ein bisschen irrsinnig klingt: Dann habe ich mehr Energie. Mehr Energie bedeutet mehr Mojo.“

Nicolas Selbsttest

Ich musste nach dem Gespräch erst mal dreimal durchatmen – Professor Schoettle hat uns im Schweinsgalopp durch die Hightech-Medizin und bis auf die Zellebene genommen. Aber genau das finde ich spannend: einmal von einem Experten wirklich erklärt zu bekommen, was im Inneren passiert.

Am Ende bleibt eine erstaunlich einfache Empfehlung hängen: weniger und weniger oft essen. Das hält unseren Bewegungsapparat jung und mobil. Und wenn ich das mit Isabells Tipp kombiniere, achtsam zu essen, dann lande ich bei: achtsam, weniger und weniger oft essen. Ich denke schon an meine nächste Heisshunger-Attacke und weiss, das wird ein harter Kampf – so einfach es klingt, so schwer ist die Umsetzung.

Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen

Quick Win

Den Zucker morgens so lange wie möglich nach hinten schieben und nicht aus Gewohnheit ständig snacken – weniger essen als Einstieg.

bündeln & koppeln

'Eat less, less often' kombinieren: weniger und seltener essen, etwa über ein für dich passendes Intervallfasten-Fenster (16:8 oder ähnlich) – ärztlich ausgelotet, weil jedes System anders reagiert.

next Level

Bei einem Spezialisten Stoffwechsel und relevante Blutwerte (Fettstoffwechsel, Entzündung, Hormone, Vitamin D) messen lassen und daraus einen personalisierten Plan ableiten – nach dem Prinzip messen, machen, messen.

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Häufige Fragen

Wie stark beeinflusst der Lebensstil das Altern wirklich?

Sehr stark. Laut Prof. Schoettle macht die Genetik nur etwa 18 bis 20 Prozent unserer Gesamtsituation aus. Der weitaus grössere Teil läuft über die Epigenetik, die durch den Lebensstil gesteuert wird – Ernährung, Bewegung, Stressresilienz und Schlaf. Der Alterungsprozess ist damit bis auf die Zellebene zu einem grossen Teil beeinflussbar.

Was bedeutet 'eat less, less often'?

Der Begriff lässt sich in zwei Teile zerlegen: weniger essen (eat less) und seltener essen (less often). Das kurbelt laut Schoettle die Energie, die Autophagie und die Entzündungsreduktion an. In der Praxis kann das in Richtung Intervallfasten gehen, etwa 16:8. Wichtig ist, dies mit ärztlicher Begleitung auszuloten, weil jedes System anders reagiert, und auf die Qualität der Nahrung zu achten.

Was sind die Hallmarks of Aging?

Das sind die zentralen Altersmerkmale auf Zellebene. Im Zentrum liegen genetische Instabilität, kürzer werdende Telomere und scheiternde Epigenetik. Es folgen Verstärker wie gestörte Mitochondrienfunktion und fehlerhafte Eiweissfaltung. Aussen kommen Stammzellerschöpfung, Zombiezellen und gestörte Zellkommunikation – sie öffnen den Weg zu den häufigsten schweren Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden.

Sind Vitamin-Infusionen und Drip Bars sinnvoll?

Nur gezielt und nach vorheriger Messung. Prof. Schoettle rät klar von beliebigen Vitamin-Drips ohne Indikation ab – Infusionsmedizin ist Medizin, kein Wellness. Sein Prinzip lautet messen, machen, messen. Sinnvoll eingesetzt können Infusionen etwa den Fettstoffwechsel ankurbeln, aber niemals als pauschale Massnahme ohne individuelle Diagnostik.

Wann sollte ich bei Knieschmerzen zum Arzt?

Lieber früher als später. Ohne eine echte Diagnose lässt sich nicht erkennen, warum etwas wehtut, und es können keine richtigen Schritte eingeleitet werden. Eine personalisierte Untersuchung umfasst neben der orthopädischen Diagnose auch einen Fragebogen zu Stress, Schlaf und Ernährung sowie eine Stoffwechselanalyse – damit lässt sich oft eine Operation vermeiden.

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