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Leben im Alter planen

Sinn im Leben finden: Wie der Mut zur Veränderung gesünder und zufriedener macht

Folge #27 · mit Fabienne

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Das Wichtigste in Kürze

Wie viel Mut braucht es für mehr Sinn im Leben? Diese Frage steht im Zentrum dieser Folge – denn Studien zeigen, dass Menschen, die Sinn empfinden, zufriedener und damit gesünder länger leben. Fabienne hat diesen Mut bewiesen: Gemeinsam mit ihrem Partner Thomas hat sie den elterlichen Bauernhof in dritter Generation von der Hühnerhaltung in einen Naturhof umgewandelt. Du nimmst aus diesem Gespräch mit, was es wirklich heisst, vom Reden ins Machen zu kommen – mit allen Höhen und Tiefen.

Warum macht Sinn im Leben uns zufriedener und gesünder?

Es gibt viele Studien, die zeigen: Menschen, die ihr Leben lang Sinn empfinden, sind zufriedener – und damit leben sie auch gesünder und länger. Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt uns so sehr, dass sie 2025 bei den Anfragen an Chat GPT und Co. an Stelle drei steht.

Umfragen zufolge ist ein Drittel von uns noch auf der Suche nach dem Sinn, die anderen zwei Drittel haben ihn gerade gefunden. Dieser Zustand ist aber durchlässig: Sinn kann uns auf dem Weg auch wieder verloren gehen – oder neu entstehen.

Wie wurde aus einem Hof mit 2000 Legehennen ein Naturhof?

Fabienne hat sich gemeinsam mit ihrem Partner Thomas die Frage gestellt: Wie will ich leben? Sie beschlossen, den elterlichen Bauernhof in dritter Generation mit 2000 Legehennen umzuwandeln – weg von der Tierhaltung, hin zur rein pflanzlichen Landwirtschaft.

Die Hühner wurden von Anfang an an Privatpersonen mit hobbymässiger Haltung vermittelt. Innerhalb eines Monats fanden 1500 Hühner einen neuen Platz, an dem sie wirklich alt werden können und das Tier im Vordergrund steht.

Wichtig zu wissen: Auch bei Bio-Eiern werden dieselben hochgezüchteten Legehybriden verwendet wie konventionell. Diese Rassen sind so ans Limit gezüchtet, dass sie fast jeden Tag ein Ei legen – das zehrt den Körper aus und ist eigentlich super unnatürlich.

Warum ist pflanzliche Landwirtschaft wirtschaftlich so schwierig?

Mit pflanzlicher Landwirtschaft ist man kaum konkurrenzfähig im wirtschaftlichen Sinn. Die Wertschöpfung für pflanzliche Rohstoffe ist nicht vergleichbar mit Milch, Eiern oder Fleisch. Für einen Hof, der zuvor täglich viele Hühnereier verkauft hat, ist das kaum ein einfacher Ersatz.

Deshalb ist Fabienne auch nach drei Jahren noch am Umbauen. Der Ersatz besteht aus vielen kleinen Bausteinen:

Der Gedanke dahinter: die eigene Wertschöpfung erhöhen, indem aus dem Rohstoff selbst etwas hergestellt wird, das zu einer grösseren Summe verkauft werden kann.

Welche Rolle spielen Biodiversität und alte Sorten?

Politische Unterstützung für die Umstellung spürt Fabienne kaum – das gibt es in der Schweiz in dieser Richtung schlicht noch nicht. Die Politik ist eher dort zu Hause, wo es um Effizienz geht, nicht um alte Sorten, mit denen man kaum Ertrag und Geld machen kann.

Der Erhalt alter Sorten läuft daher vor allem über Eigeninitiative. In der Schweiz setzt sich der Verein ProSpecieRara dafür ein, alte Kultursorten, Obstbäume, Schnittblumen und Tiere zu erhalten. Vieles wird von Privaten im eigenen Garten vermehrt – auch Fabienne vermehrt auf einem kleinen Feld eine lokale Dinkelsorte für den Verein.

Wie sieht der Alltag wirklich aus – und was unterschätzen Besucher?

Drei Jahre nach dem Start hat der Hof noch etwa 20 Hühner, sechs Schweine aus Tierversuchsanlagen, sechs Schafe, sechs Kühe und sieben Pensionspferde. Viele kleine Tiergruppen, sehr artgerecht gehalten – das kostet viel Zeit, vor allem morgens und abends.

Dazu kommen Bürokratie, die Versorgung von Paten und Unterstützern, Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung und der Aufbau der Direktvermarktung. Aufgaben, für die andere Unternehmen zehn Leute anstellen – bewältigt von zwei Personen. Das fühlt sich oft wie ein Hamsterrad an.

Besucher romantisieren den Hof, sehen nur einen schönen Ausschnitt von ein paar Stunden. Frustrierender findet Fabienne, wenn Menschen im näheren Umfeld nicht sehen, wie viel Verantwortung lastet und wie belastend die Existenzangst sein kann, die sie seit etwa einem Jahr umgibt.

Warum braucht auch ein Landwirt Freizeit und Regeneration?

Das Klischee, dass ein Landwirt 24 Stunden aktiv sein muss und nie frei hat, stellt Fabienne klar in Frage. Wieso soll jemand im Tier- oder Naturschutz keinen Bereich haben, in dem er als Mensch regenerieren kann? Früher ging das oft nicht – heute könnte man es eigentlich.

Deshalb versuchen Fabienne und Thomas, sich bewusst Fenster für Freizeit zu reservieren. Das muss nicht wie ein 9-to-5-Job sein, aber ein bisschen etwas braucht es – sonst mag man irgendwann nicht mehr. Genau diese Eigendisziplin ist die Voraussetzung dafür, langfristig engagiert zu bleiben.

Was rät Fabienne Menschen, die ihrem Leben mehr Sinn geben wollen?

Ihr Rat ist klar: Mach das, was du wirklich machen willst – egal, was der Preis ist. Viele Menschen trauen sich nicht, ihr Lebenskonzept auf den Kopf zu stellen, weil sie sehr sicherheitsorientiert sind und Angst vor dem Scheitern oder vor Schulden haben.

Das Risiko besteht tatsächlich. Aber Fabienne ist heute viel, viel zufriedener als zuvor, als sie alles hatte – Sicherheit, Freizeit, planbaren Urlaub – und trotzdem unglücklich war. Ihr Appell: Wir sollten unser Leben damit ausfüllen, wofür wir geboren wurden, und nicht 90 Prozent davon mit etwas verbringen, das uns überhaupt nicht interessiert. Probiere es einfach – was kann schon Schlimmes passieren, ausser dass es nicht funktioniert?

Der 100+ Expertentipp

Auf Nicolas Frage, was sie Menschen mitgeben würde, die sich die Sinnfrage stellen und überlegen, wie sie in Zukunft leben wollen, antwortet Fabienne:

„Ich würde vielen Menschen empfehlen, einfach das zu machen, was sie auch wirklich machen wollen, egal was der Preis ist. … Ich bin viel, viel zufriedener als davor, wo ich all das hatte – Sicherheit, Freizeit, planbaren Urlaub. Aber ich war unglücklich. … Wir leben doch, um das auszufüllen, wofür wir geboren wurden, und nicht einfach 90 Prozent vom Leben mit etwas zu verbringen, das uns überhaupt nicht interessiert. Probiere es einfach. Was kann schon Schlimmes passieren, ausser dass es halt nicht funktioniert?"

Nicolas Selbsttest

Erinnert ihr euch an das Konzept der Blue Zones, der blauen Zonen? Es gibt auf diesem Planeten bestimmte Regionen mit einer besonders hohen Dichte an 100-plus-jährigen Menschen – auf Griechenland, in Costa Rica, auf Sardinien, in Japan und sogar in den USA. Die Menschen dort eint einiges: Sie bleiben körperlich bis zum Schluss bewegt, ihre Ernährung wird zum grössten Teil selbst erwirtschaftet, und sie sind sozial in ein Dorfsystem eingebunden. Und sie leben mit Sinn. Fabienne und ihr Partner sind für mich ein modernes Beispiel davon.

Für mich war wichtig, was ich daran als Entscheidungskriterium erkannt habe: Wann ist es die Suche nach dem Sinn – und wann mehr Selbstfürsorge? Fabienne macht ihr Modell eben nicht nur für sich selbst, sondern spürt eine Verantwortung den Tieren, dem Planeten und uns allen gegenüber. Genau diese Belastung, die daraus rührt, gibt ihr gleichzeitig so viel Zufriedenheit. So einen Motor brauchst du, um durchzuhalten.

Vielleicht muss es nicht immer dieses grosse Modell sein. Meine Mutter zum Beispiel ist im Seniorenheim in den Beirat gegangen und hat damit ihrem immer kleiner werdenden Kosmos einen guten neuen Sinn gegeben. Und ich selbst bin vom Entrepreneur zum Solopreneur geworden – nur noch für mich selbst verantwortlich, aber meinen Themen treu geblieben: dass wir alle mehr Lebensfreude empfinden, inklusiv, und dass es dabei auch dem Planeten gut geht. So viel zu meiner Sinnsuche.

Vom Wissen ins Machen: deine 3 Stufen

Quick Win

Stell dir ehrlich die Frage: Wie will ich leben? Und beobachte in deinem Alltag, womit du deine Zeit verbringst – interessiert es dich wirklich, oder gehörst du zu denen, die 90 Prozent ihres Lebens mit etwas füllen, das sie nicht interessiert?

bündeln & koppeln

Such dir – wie Nicolas Mutter im Beirat des Seniorenheims – einen überschaubaren Bereich, in dem du dich nicht nur für dich selbst, sondern für die Gemeinschaft einsetzt. Sinn entsteht oft genau dort, wo Selbstfürsorge und Verantwortung für andere zusammenkommen.

next Level

Trau dich, dein Lebenskonzept grundlegend neu zu denken, wenn du spürst, dass es dich erfüllt – und wenn das Gefühl dauerhaft bleibt? Dann überlege dir erste Schritte dahin.

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Häufige Fragen

Warum machen Sinn und Zufriedenheit im Leben gesünder?

Viele Studien zeigen, dass Menschen, die ihr Leben lang Sinn empfinden, zufriedener sind und damit auch gesünder und länger leben. Sinn wirkt wie ein Antrieb, der durch schwierige Phasen trägt. Auch in den Blue Zones – Regionen mit besonders vielen über 100-Jährigen – gehört ein erlebter Sinn im Leben zu den gemeinsamen Faktoren der Bewohner.

Sind Bio-Eier wirklich tiergerechter als konventionelle?

Bei der Tierhaltung kann Bio Vorteile bringen, doch bei der Züchtung gibt es laut Fabienne kaum einen Unterschied: Auch bei Bio werden dieselben hochgezüchteten Legehybriden verwendet. Diese Rassen sind so ans Limit gezüchtet, dass sie fast jeden Tag ein Ei legen. Das zehrt den Körper der Tiere aus, weshalb sie schon mit etwa eineinhalb Jahren ausgezehrt sein können.

Warum ist rein pflanzliche Landwirtschaft wirtschaftlich so schwierig?

Die Wertschöpfung für pflanzliche Rohstoffe ist nicht vergleichbar mit der von Milch, Eiern oder Fleisch. Ein Hof, der zuvor täglich viele Eier verkauft hat, findet darin kaum einen gleichwertigen Ersatz. Hinzu kommt fehlende politische Unterstützung. Deshalb baut Fabienne ihren Ersatz aus vielen kleinen Bausteinen auf: Patenschaften, Direktvertrieb veredelter Produkte, Events und Spenden.

Was ist ProSpecieRara und warum sind alte Sorten wichtig?

ProSpecieRara ist ein Schweizer Verein, der sich für den Erhalt alter Sorten einsetzt – ob Kultursorten, Obstbäume, Schnittblumen oder Tiere. Vieles wird von Privaten im eigenen Garten vermehrt, manche Bauern machen mit. Diese alten Sorten bringen kaum Ertrag, sichern aber die Biodiversität. Fabienne vermehrt zum Beispiel auf einem kleinen Feld eine lokale Dinkelsorte für den Verein.

Wie kann man sich trauen, sein Leben grundlegend zu verändern?

Fabiennes Rat: Mach das, was du wirklich willst – egal, was der Preis ist. Viele Menschen trauen sich nicht, weil sie sehr sicherheitsorientiert sind und Angst vor dem Scheitern haben. Das Risiko besteht real, doch Fabienne ist trotz Existenzangst viel zufriedener als früher, als sie Sicherheit und Freizeit hatte, aber unglücklich war. Wichtig ist, sich dabei auch Räume für Regeneration zu reservieren.

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